Geschichte der 95. Inf. Div. 1918-1946
Auszug aus einer Übersetzung aus dem Amerikanischen
Ostersonntag, der 1. April 1945 brachte die Operation des 377. Inf. (Regt.) mit der 2. Panzer-Division zum Höhepunkt. Es war dies der erste Tag, an dem Elemente aller drei Bataillone den Feind in Feuergefechten angriffen. Es war ein Tag, der den stärksten Widerstand des Feindes gegenüber dem gesamten Vorrücken hervorrief; und es war der letzte volle Tag, an welchem die Regimentskampfeinheit der "Hölle auf Rädern“ 2. Panzerdivision zugeordnet war. Wegen des gefährlichen im Vorfeld befindlichen Terrains wurden starke Feindhandlungen vorausgesetzt. Von Nordwest nach Südost verlief der Teutoburger Wald, eine dicht bewaldete Hügelreihe, die bis zu 330 m anstieg. Hinter dieser natürlichen Barriere lag Bielefeld und Detmold sowie das offene Weserbergland. Drei Pässe führten durch den Teutoburger Wald in die Zone des Kampfkommandos A, und es wurde damit gerechnet daß die Deutschen in diesen Pässen Widerstand versuchen würden. In jedem Pass lag eine Ortschaft.
Die Eröffnung der Kampfhandlungen an diesem Tage wurde durchgeführt durch die G-Kompanie des 377. Inf. Regt., die um 18.00 Uhr am 31. März vom 2. Bataillon und von der Kontrolle der Offensiv-Gruppe B abkommandiert war, um sich mit einer Kompanie der mittelschweren Panzer in der Formation der Offensiv-Gruppe Warren zu verbinden. Der Auftrag dieser speziellen Offensiv-Gruppe war, auf die Autobahn eine Meile (1,6 km) südöstlich von Oelde (drei Meilen nordwestlich des nächtlichen Lagers Stromberg) zu gelangen und ihr entlang vorwärts zu kommen, um den durch den Teutoburger Wald im Norden führenden Pass zu nehmen und zu sichern. Die Ortschaft war Lämershagen.
Die rauschend dahinrollende Kolonne von Panzern mit Infanteriemännern obendrauf machte schnelle Fortschritte ostwärts entlang der 4-spurigen Autobahn. Diese Sonntagabend-Unternehmung hatte jedoch eine harmlose Seite, denn der Feind wurde offensichtlich vollkommen überrascht. Als die Panzer mit ihren Infanteristen so daherbrausten, passierten sie eine deutsche Sammelstelle, wo Wehrmachttruppen Lastwagen beluden; sie passierten Zivilautos, Wagen und Autobusse, ebenso eine Kutsche mit Pferd, mit zwei deutschen Soldaten und einem Mädchen. Nach Beginn der Dunkelheit näherte sich an einem Straßenhindernis ein für seine Bewachung verantwortlicher deutscher Unteroffizier drei Infanteristen und gab ihnen zu verstehen auf der Hut zu sein gegen eine sich nähernde amerikanische Panzerkolonne. Diese waren seine letzten Worte. An einem Punkt, als die Panzerkolonne eine Überführung über die Autobahn durchfuhr, passierte oberhalb eine deutsche gepanzerte Erkundungseinheit aus drei Fahrzeugen bestehend.
Um 21.00 Uhr brachte Panzerfaust-Feuer die Panzer zum Stehen, und die Infanterie stieg ab, um den Weg frei zu machen. In den nächsten sechs Stunden machten die Schützen der G-Kompanie zweieinhalb Meilen (5 Km) der Autobahn und die angrenzenden Wälder und Felder frei.
Um 3,30 Uhr am 1. April rückten die Panzer bis zu einem Sammelgebiet vor, und die Infanteristen bewegten sich zu Fuß vorwärts, um eine weitere Strecke von drei-und-einhalb Meilen frei zu machen, bis um 8.30 die vorgelagerten Hügel des Teutoburger Waldes erreicht waren. Die Panzer bewegten sich weiter voran, und um 10.45 Uhr begann der Angriff auf den Pass und die Ortschaft Lämershagen mit Panzern als Unterstützung. Feindlicher Widerstand wurde geleistet mit einschließlich Panzerfaust, Artillerie, sowie Maschinengewehr, Mörser und Gewehrfeuer, Ein Zug rückte direkt in Lämershagen hinein, während die andern zwei sich zum höher gelegenen Gebiet auf beiden Seiten der Ortschaft und der Landstraße fortbewegten. Wegen der Schwierigkeit des Terrains konnten die Panzer keine wirksame Unterstützung leisten, und letztlich hatten die Infanteristen die Ortschaft im Gefecht von Haus zu Haus zu erobern. Die Schlacht endete um 14.00 Uhr nach siebzehn Stunden unausgesetzten Kämpfens.
Das Vorrücken hin auf den mittleren der drei Pässe, in welchem die Stadt Oerlinghausen eingebettet war, wurde durchgeführt durch Angriffsgruppe R, der das 3. Bataillon des 377. Inf. Regts. zugeteilt war. Die Stadt lag dreizehn Meilen nordöstlich von Gütersloh. Die Grunpe verließ ihr Entfaltungsgebiet nahe Oelde um 08.30 Uhr am 1. April mit in der Führung der Gruppe Zeihen (1. Bataillon des 66. Panzerregts. und K-Kompanie des 377. Inf. Regts. auf mittelschweren Panzern). Die Kolonne bewegte sich stetig ostwärts mit keinerlei langen Pausen, bis Schloss Holte um 15.00 Uhr erreicht war. Hier hielt die Angriffsgruppe, und es wurden Pläne gemacht für die Einnahme der 2 Meilen entfernten Dörfer Dalbke und Lipperreihe, die wiederum knapp zwei Meilen von Oerlinghausen entfernt waren. Die I-Kompanie ging auf der rechten Seite der Straße und die L-Kompanie auf der linken Seite vor mit einem Zug der M-Kompanie als Unterstützung. Ein Mörserzug und ein Panzer-Zerstörer-Zug gaben der Infanterie Unterstützung.
Die Anfangsziele wurden ohne Kampf genommen, und die Gruppe bewegt sich auf Oerlinghausen zu. Das Annäherungsgelände war bewaldet bis zu 100 m nahe der Stadt. Die Deutschen eröffneten das Feuer mit schweren M.G.s und flach gerichteten 20 mm Luftabwehrgeschützen für horizontal gerichtetes Feuergefecht. Die I-Kompanie wurde aufgehalten, bis die Dunkelheit Weiterbewegung erlaubte. Um 22.30 Uhr lief die Kompanie einem nach Süden verlaufenden Hügelkamm entlang und bog dann um stadtwärts, vier Meilen zurücklegend um 500 m zu gewinnen. Die L-Kompanie sprang bei Tagesanbruch auf, am 2. April, und zusammen mit der I-Kompanie wurden ¾ der Stadt bis Mittag gesäubert. Feindlichen Truppen gelang es während des Tages zweimal ihren Weg in die Stadt zurückzugewinnen, doch Panzerzerstörer-Feuer zwang sie bei beiden Gelegenheiten wieder heraus. Nahezu hundert paramilitärische Truppenangehörige waren durch die Verteiler zusammengeholt worden während der Nacht und diese Verstärkungen kämpften mit ungewöhnlicher Hartnäckigkeit. Um 15.30 Uhr wurde das 3 Batl. des 377. Inf. Rgts. durch Aus 1. Batl. des 119. Inf. Regts der 30. Inf. Division abgelöst. Während der Operationen wurden 87 Feinde zu Gefangenen gemacht, doch erheblich mehr wurden vermutlich getötet. Die Bataillonsverluste waren 5 Getötete und 11 Verwundete. Das Bataillon rückte um 16.00 Uhr ab und ging in Ruhestellung im Sammelgebiet in der Nachbarschaft von Langenberg um 19.00 Uhr unter 377. Inf. Regts. Kontrolle.
Der dritte oder südlichere Pass durch den Teutoburger der nach Detmold führt war das Ziel der Offensiv-Gruppe B. …..