Verteidigungsmaßnahmen am Teutoburger Wald
Buchauszug aus „Damals“ von Heinz Meyer
Die Alliierten standen an der Westgrenze, als am 16. September 1944 der Reichsminister des Innern den „Grenzeinsatz der Hitlerjugend“ anordnete. Die Bevölkerung hatte die linksrheinischen Gebiete geräumt und war nach Nordwestdeutschland evakuiert worden. Der Gauleiter Alfred Meyer der Gauleitung „Westfalen Nord“ mit dem Amtssitz in Haltern bildete im November 1944 einen „Gausonderstab für den totalen Kriegseinsatz“ und forderte die Gestellung von 10.000 Männern für den Ausbau des Westfalenwalles. Jeder Kreis hatte eine Anzahl Arbeitskräfte zu stellen (Kr. Höxter 240 Mann, Kr. Grafschaft Schaumburg 220, Kr. Minden 600 u.a.).
Ein gutes halbes Jahr brauchten die Alliierten, um von der Reichsgrenze bis zum Rhein vorzustoßen. Am 10. März 1945 befand sich das „Hauptquartier Oberbefehlshaber West“ noch in Ziegenberg bei Frankfurt, am 10. April jedoch wurde schon Hannover besetzt. Der Gegner kämpfte sich mit 85 Divisionen auf den Rhein vor. Ihm standen zu diesem Zeitpunkt nur 55 deutsche schwache Verbände gegenüber. Die deutschen Infanterie-Divisionen waren anstatt 12.000 Mann nur noch 5.000 Mann stark. Hinzu kam die Luftüberlegenheit beim Gegner. Als dann noch am 7. März 1945 die Rheinbrücke bei Remagen den Amerikanern unversehrt in die Hände fiel, wurde dieser Brückenkopf besonders stark verteidigt. Die 9. und die 1. US-Armee stießen getrennt vor und trafen sich am 1. April 1945 bei Lippstadt, sie hatten damit die Heeresgruppe B eingekesselt. Der Befehlshaber, Feldmarschall Model, versuchte noch auszubrechen, es gelang aber nicht. Der Kessel hielt sich noch bis zum 15. April. Einige Divisionen kapitulierten einige Tage später. Feldmarschall Walther Model wollte das Ende nicht miterleben. Er erschoß sich am 21. April in den Wäldern von Duisburg.
Durch den Verlust der im Ruhrkessel befindlichen 20 deutschen Divisionen mit etwa 325.000 Soldaten war eine Lücke in der Verteidigung entstanden, die eine Breite von 300 km ausmachte. Es war hier eine schwierige Aufgabe, eine Verteidigungslinie aufzubauen. In dem bereits 5 Jahre andauernden Krieg standen in Camisonstädten natürlich keine vollwertigen Einheiten mehr bereit. Es waren AJarmeinheiten zu bilden.
[Bild: Bei Annäherung der Amerikaner in den letzten Märztagen 1945 war die Wewelsburg bei Paderborn durch die SS teilweise gesprengt worden. In der 1123 erstmals erwähnten Burg wurde 1934 eine Reichsführerschule eingerichtet. Reichsführer der SS Heinrich Himmler hielt sich in der Burg oft auf; er hatte dort auch seinen Begräbnisort gewählt („Walhall“). Längst ist die Wewelsburg wiederhergestellt und in ihren Räumen befinden sich jetzt das Kreisheimatmuseum und eine Jugendherberge.]
Inzwischen hatten die Engländer den Niederrhein bei Wesel überschritten. Auch dort wurden Verteidigungskräfte gebunden. Nach Schließung des Kessels bei Lippstadt stießen die 9. und 1. US-Armee weiter nach Osten vor. Die militärische Befehlsgewalt in diesem Raum lag in den Händen des Generalkommando VI. AK. Dieses gab am 30. März 1945 gegen 22 Uhr Befehl zur Besetzung und Verteidigung des Teutoburger Waldes an den Wehrmachtskommandanten von Bielefeld, Generalmajor Becher. Ihm war bereits vorherein Sicherungsbezirk gegen alliierte Luftlandungen übertragen worden, der folgende Landkreise umfaßte: Minden, Lübbecke, Osnabrück, Melle, Halle, Bielefeld, Herford, Lemgo und Paderborn. Als Grenzen waren gegeben die Enge bei Hilter (rechts) und die Straße Bad Lippspringe Hom (links). Die Heeresgruppe Blaskowitz kämpfte im Norden, die Kampfgruppe Karst im Süden. Zur Verfügung standen im Verteidigungsbereich Becher etwa 6.500 bis 7.000 Mann.
Schon der erste geplante Einsatz an der Enge bei Halle - Werther ging fehl. Der nach dort beorderte Standortälteste von Gütersloh traf nicht ein. Am 31. März 1945 gegen 9.00 Uhr stießen durch diese Lücke amerikanische Panzer (9. US-Armee) und konnten sich kampflos in Richtung Herford bewegen. Mit den weiter nördlich befindlichen deutschen Gruppen konnte keine Verbindung mehr gehalten werden.
Im Süden traf die 1. US-Armee im Vorfeld des Teutoburger Waldes bei Paderborn auf kampfkräftige Einheiten. Über das Kampfgeschehen vom 30. März 1945 schreibt ein beteiligter Amerikaner: „Es war ein Tag, daran wird man sich sein Leben lang bis ins hohe Alter erinnern und die Geschichte erzählen.“ Die Rede ist von einem Ort, der sechs Meilen von Paderborn entfernt liegt. „Nach Überwindung eines kleinen Baches erreichten wir die ersten fünf Häuser. In diesem Augenblick wehrten sich die Deutschen mit Panzerfäusten und sonstigen Waffen. Der Ort war befestigt und verteidigt von mehr als 200 Hitler-Jungen und SS-Männern, welche aus allen denkbaren Fenstern und Löchern schossen.“ Die Amis hielten auch in der Dunkelheit ihre Stellungen, wo sie gerade saßen. Zwei Panzer schossen die Deutschen in der Nacht ab. Am anderen Morgen kamen zwei „Panther“, sie wurden aber durch 90-mm-Kanonen außer Gefecht gesetzt. In dem „harten gründlichen“ Kampf wurde das Dorf allmählich besetzt. Keiner von den Amis wußte, wo er solange gekämpft hatte. Es war Kirchborchen. Die amerikanischen Landser hatten inzwischen ihre eigene Bezeichnung für diesen Ort: „Bazooka-town“ (Panzerfaust-Dorf).
[Bild: Panzer der3. US-Pz. Div. im Raum Paderborn.]
In Kirchborchen waren 45 der deutschen Verteidiger gefallen. In Nordborchen mußte der Ortsteil Jammertal sehr leiden, zahlreiche Bauernhöfe gingen in Flammen auf. Sechzig tote Deutsche wurden nach dem Kampf bestattet.
Die Verteidigung von Wever vor Paderborn dauerte vom 30. März bis 1. April 1945. Die Einwohner hatten drei Tage und zwei Nächte im Mühlenholz zugebracht Als sie zurückkehrten, fanden sie überall Granattrichter, zerstörte Licht- und Telefonleitungen. Ein 44-jähriger Landwirt (Friedrich Brand) und eine 9-jährige Schülerin (Maria Meier) waren zu Tode gekommen. Fünf amerikanische Panzer standen ausgebrannt in und um Wever. Im Ortsbezirk lagen 27 Gefallene, davon acht deutsche Soldaten.
Die hier eingesetzten jungen Waffen-SS-Soldaten waren zu kurzfristig ausgebildet in den Kampfgeworfen worden. Sie haben sich in den Dörfern um Paderborn verbissen zur Wehr gesetzt. Ohne Ablösung und ohne schwere Waffen bluteten die einzelnen Gruppen dort aus. Die Verteidigung der weitgehend durch Fliegerangriffe zerstörten Stadt Paderborn war wesentlich schwächer. Mehrere abgeschossene Sturmgeschütze blieben im Stadtgebiet zurück. Geringe Verluste sind während des Einmarsches in Paderborn entstanden.
Die Anzahl der im Umkreis von Paderborn gefallenen Deutschen zeigt nachstehende Aufstellung:
Henglarn 38, Etteln 35, Büren 13, Neuenbeken 13, Haaren 10, Altenbeken 9, Dörenhagen 8, Husen 8, Herbram 5, Steinhausen 5, Lichtenau 5, Harth 5, Kleinberg 5, Ebbinghausen 4, Atteln 3, Meerhof 3, Dalheim 2, Alfen 2.
Diese sind auf den Heldenfriedhof Bödekken umgebettet.
Eingesetzt war in dem Kampfraum vor Paderborn die 3. US-Panzer-Division. Kommandeur war General Maurice Rose. Er, Sohn eines Rabbiners, hatte sich durch aggressiven Fleiß zum General hochgearbeitet. An einem Abend, die Truppe legte nach dem Tagesmarsch im Raum Paderborn Pause ein, stand er mit zwei Offizieren im dunklen Mondlicht an einem deutschen Panzer, den sie erbeutet oder abgeschossen hatten.
[Bild: US-General Courtney H. Hodges (links) und Generalmajor Maurice Rose (davor) bei einer Truppenbesichtigung. M. Rose, Kommandeur der 3. US-Panzer-Division, hier sechs Tage vor seinem Tode. Bei Paderborn schoß ihn ein deutscher Panzerkommandant im abendlichen Dämmerlicht mit einer MG-Garbe nieder.]
Rose hielt sich oft bei seinen Landsern in vorderster Linie auf. Plötzlich sahen sie auf der dunklen Straße in einer Waldschneise einen weiteren Panzer und darauf soeben die Gestalt des Panzerkommandanten. Dieser drehte das MG und feuerte. Getroffen sank General Rose nach vorn. Die beiden Offiziere konnten entkommen. Der tote General wurde, wie alle gefallenen amerikanischen Soldaten, in ein weißes Tuch gehüllt ins rückwärtige Gebiet geschafft. In Ittenbach (bei Königswinter) wurde er zunächst beerdigt.
Deutsche Gottesdienstbesucher und Soldaten der 3. US-Panzer-Division hatten im Paderborner Raum eine besondere erste Begegnung. Es war ein einzigartiges Messerlebnis, über das der Vikar Hermann Bieker persönlich schreibt:
„Um den Einwohnern den Weg zur Kirche in den Nachbarort zu ersparen, wurde am 3. April 1945 in einer Scheune des Hofes Güllenstern Gottesdienst abgehalten. Die Einwohnerschaft war stark vertreten. Die Tennentüren waren wegen der Kälte geschlossen. Da geschah es, daß plötzlich das Opferungslied in den Kehlen verstummte. Instinktiv drängte alles zum Altar. Von der Straße hörte man das Motorengeräusch vorbeieilender Panzerspähwagen. -Nolite expavescere -. Frauen drängten zitternd nach vorn, klopften nervös auf den Altar: „Herr Vikar, sie kommen! Sie sind schon da!“ Ich wandte mich um und sagte: „Wir machen weiter! - Sursum corda. Herbemus ad Dominum“, antworteten die Jungen und Gemeinde.
Doch in die Präfation hinein drängte sich das überwältigende erschütternde Geräusch der anrückenden Panzer, von denen der erste sich knirschend und krachend auf der Straße vor dem Hause drehte und auf unsere Tenne zulief. Schon drang das Kanonenrohr durch die Öffnung der Tür herein. Die Ketten des Panzers krachten gegen die Tür. -Nolite expavescere-. Das war ein eigenartiges Sanktus. Kommandostimmen wurden hörbar. Der Panzer setzte zurück. Die Tür wurde geöffnet Zur Wandlung war alles still. Nur die vorbeiziehenden Panzer kündeten vom Ernst der Lage. Als ich mich zum „Ecce Agnus Die“ umwenden konnte, sah ich folgendes Bild: Der Panzer mächtig im Scheuneneingang stehend, das Rohr auf den Altar gerichtet, die kniende Gemeinde und unter ihnen mit entblößtem Haupt die Besatzung des amerikanischen Panzers, kniend vor dem Gott der Sieger und Besiegten.
Die Begegnung mit den ersten einrückenden Truppen war natürlich sonst ganz anders: Man schaute inn die Mündungen von Gewehren und Maschinenpistolen, und nicht selten ist ein harmloser Einwohner, der sich nur auf der Straße aufhielt, bei der Besetzung eines Ortes erschossen worden.
Im Norden, im Anschluß an die 9. US-Armee hatten sich die Engländer und Kanadier vorgearbeitet. Als sie am 3. April bei Bevergern auftauchten, schlug ihnen von den Hängen des Teutoburger Waldes heftiges Flakfeuer entgegen. Sieben englische Panzer waren vernichtet worden. Darauf brachten die Briten ebenfalls Geschütze in Stellung. Am nächsten Tag begann konzentriertes Feuer zu den Hängen des Birgter Berges, zum Lager Berg und nach Gravenhorst. An der Reichsstraße 219 und in den Orten entstanden heftige Kämpfe. Fahnenjunker des Wehrkreises XI (Hannover), Lehrgänge der Kraftfahrtruppenschule Hannover, der Unteroffizier Schule in Celle und Reste der 490. Infanterie-Division leisteten hier harten Widerstand. Ein englischer Kriegsberichter schreibt darüber: „Aber sie kämpften todesmutig, obwohl sie fast ausschließlich noch leichte Waffen besaßen. Es wurde soviel Explosionsstoff in jene Wälder geworfen, daß niemand mehr dort weiterkämpfen konnte.“ Auf diesem Schlachtfeld blieben auch sehr hohe Verluste: 408 Deutsche, etwa die gleiche Zahl Engländer waren gefallen. Und etwa 600 verwundete deutsche Soldaten konnten sich noch zurückziehen oder gerieten bald in Gefangenschaft. Vierzig ausgebrannte britische Panzer standen herum.
Nachdem Bielefeld bei Halle nördlich umgangen war, versuchte die 2. US-Panzer-Division auch südlich auf der Autobahn den Teutoburger Wald zu überwinden. Dabei gerieten sie in und um Ubbedissen in Abwehrkämpfe. General Becher hatte in diesem Raum noch Ersatztruppenteile aus Herford eingesetzt. Der Gegner wurde abgewiesen und konnte hier zunächst keinen Boden gewinnen.
Auf Oerlinghausen bewegte sich eine andere Einheit und traf dort am 1. April gegen 10 Uhr ein. Verteidigungsvorbereitungen waren getroffen, auch einige Volkssturmmänner waren im Einsatz. Den ersten Angriff wehrten sie ab. Die 2. US-Panzer-Division verlegte starke Schützengruppen an die südlichen Berghänge und brachte Artillerie in Stellung. Gegen 18 Uhr begann die Beschießung. Einige Häuser gerieten in Brand. Auch in der Osternacht (1./2. April) dauerte das Geplänkel an. Am nächsten Morgen entwickelten sich die Kämpfe südlich Bielefeld bis Oerlinghausen. Das hier eingesetzte Ausbildungs-Bataillon 64 schoß an diesem Tag drei amerikanische Panzer ab. Bis zum nächsten Tag dauerten die Häuserkämpfe an. Erst gegen 16 Uhr (3. April) flaute das Kampfgeschehen ab, und die deutschen Soldaten zogen sich in Richtung Helpup zurück. Die amerikanischen Verluste wurden mit 300 Toten beziffert, die deutschen mit 71.
Im Raum Ubbedissen ließ der deutsche Widerstand an diesem Nachmittag auch nach. Hillegossen und Ubbedissen waren am Abend in Feindeshand.
In Bielefeld war Oberst Sommer als Stadtkommandant eingesetzt. Die ihm zugewiesenen Truppen hatten sich an ihre Stellungen gehalten und waren in Kämpfe um Bielefeld bisher nicht verwickelt worden. Am Morgen des 4. April setzte sich eine amerikanische Panzerkolonne am Stadtrand von Bielefeld in Bewegung. Einige Gruppen leisteten Widerstand in unterschiedlicher Härte. Die Stadtmitte erreichten die Amerikaner erst gegen 17 Uhr, da sie immer wieder aufgehalten waren.
Ein weiterer Teutoburger-Wald-Übergang mußte von Augustdorf aus erkämpft werden. Von dort überquert eine Straße nach Pivitsheide den Gebirgszug. An dieser Paßstraße, der sog. „Dörenschlucht“, verteidigte die Kampfgruppe Reinhold. Augustdorf wurde noch vor der Verteidigung am 1. April durch Artillerie beschossen. Insgesamt wurden dabei 51 Häuser beschädigt. Gegen 18 Uhr waren zwei Frauen auf dem Weg, um ihr Vieh zu versorgen. In ihre Nähe schlug eine Granate. Frau Minna Heistermann, die einen Kinderwagen mit sich führte, war auf der Stelle tot. Die Kissen im Kinderwagen wurden völlig zerfetzt Wie durch ein Wunder blieb aber das darin hegende Kind unverletzt.
In der Nacht zum 2. April stießen amerikanische Panzer bis zum Sägewerk Büker vor, am Morgen fuhren sie in Richtung Dörenschlucht. Im Gebiet des Mergelweges (jetzt Gärtnerei Sannert) hatten sich Waffen-SS-Männer eingegraben. Im Verlauf des mit ihnen geführten Kampfes wurden auch die Häuser in Brand geschossen. Sechs Panzer waren inzwischen im Kirchweg aufgefahren und beschossen deutsche Stellungen in der Dörenschlucht. Von weitem waren die Erdfontänen zu sehen. Es war nicht zu glauben, daß dort jemand überleben könnte. Aber die Deutschen feuerten noch, als amerikanische Infantrie nachrückte. Bereits am ersten Vormittag hatte die Kampfgruppe sieben Panzer abgeschossen. Die Kämpfe wurden auch noch am 3. April fortgesetzt. An diesem Tag war auch der Kampfkommandant von Detmold, Major Höhle, dort erschienen. Er hatte einen ROB-Lehrgang zugeführt. Danach wurden sechs weitere Panzer erledigt. Der Kampfgruppe Reinhold waren hier auch Teile der panzerlosen Besatzungen der dritten SS-Panzer-Division „Totenkopf“ unterstellt, die als IV. Abteilung in das SS-Pz. A.u.E.-Regiment Holzer eingegliedert waren.
Erst am Mittwochmittag (4. April) endete der Kampf, nachdem die Soldaten zurückgezogen waren. Das umkämpfte Gelände, ein Kalkwerk, trug deutliche Spuren. Es starben dort 35 Deutsche und eine unbekannte Zahl von Amerikanern. Ein kleiner Ehrenfriedhof in der Schlucht erinnert an das harte Ringen an dieser Paßstraße.
Eine Einheit, die die „Kampfgruppe Goerbig“ darstellte, war auf dem Truppenübungsplatz Senne inzwischen eingeschlossen worden. Generalmajor Goerbig konnte aber mit seinen Soldaten ausbrechen.
[Bild: Wenige Tage nach dem Ende der Kämpfe: Ein Feldgrab in der Dörenschlucht.]
Im Raum Detmold wurde die Gruppe in die Rückzugs-Gefechte eingegliedert.
Von Paderborn stießen amerikanische Verbände auf der Reichsstraße 1 vor. In Richtung Horn sollte der Teutoburger Wald überwunden werden.
Wie war die Lage in Bad Lippspringe? Eine aus Richtung Benhausen eingetroffene kleinere deutsche Einheit hatte sich am 2. April 1945 morgens gegen 8.00 Uhr i n der Detmolder Straße zur Verteidigung eingerichtet. In der Mittagszeit waren folgende weitere Truppenteile vorhanden:
a) Am sogen. „Pfingststuhl“ zwei 8,8 cm-Flakgeschütze mit 30 Mann unter Führung eines Leutnants,
b) vor Marienloh vier deutsche Panzer.
[Bild: Die jetzige Friedhofsanlage in der Dörenschlucht. Das Kreuz ist beschriftet:
Wanderer, verweile und sieh unsere Gräber und laß Dich mahnen! Tue das Deine zur Wahrung des Friedens!]
Diese Lage veranlaßte den Kaufmann Franz Rudolphi, sich bei den deutschen Kommandeuren dafür einzusetzen, daß sie von einer Verteidigung absehen. Auch Bürgermeister Lange bemühte sich und erreichte tatsächlich, daß die Panzer und auch die Geschütze abgezogen wurden. Rudolphi plante mit Dr. Siepmann, Gutsbesitzer Zünddorf und Fabrikant Grüber noch weiter, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Diese vier Herren traten um 18.50 Uhr mit einem Auto und weißer Fahne eine Fahrt zu den amerikanischen Truppen an. Bürgermeister Lange lehnte eine Beteiligung ab und erteilte auch keine schriftliche Vollmacht Die Parlamentäre erreichten die Spitze der Panzeröstlich von Paderborn. Der Empfang soll „eisern“ gewesen sein. Herr Grüber verlangte den General zu sprechen mit dem Hinweis, sie seien Bevollmächtigte des Bürgermeisters von Bad Lippspringe. Es kam statt des Generals ein junger Offizier und stellte sich als Bürgermeister von Paderborn vor. Als Herr Grüber nochmals nach dem General […..]