Bewußtsein schärfen für das, was vor uns war und falsch gelaufen ist
Naturwissenschaftlicher und historischer Verein tagte in Oerlinghausen - Göttinger Wissenschaftler spricht dem Germanengehöft Anerkennung aus
Oerlinghausen (hl). Seine diesjährige Jahreshauptversammlung hielt der naturwissenschaftliche und historische Verein für das Land Lippe am Wochenende in Oerlinghausen ab. In seiner Eröffnungsansprache ging der Vereinsvorsitzende und Leitende Staatsarchivdirektor Dr. Klaus Scholz auf den 950. Geburtstag Oerlinghausens und die 60. Wiederkehr der Erteilung der Stadtrechte ein. Er wünschte der Stadt und ihren Bürgern ein „kräftiges vivat, crescat, gloriat“ (sie möge leben, wachsen und gedeihen).
In einer kurzen Begrüßungsansprache bedankte sich Bürgermeister Horst Steinkühler für die guten Wünsche und sprach die Hoffnung aus, daß die Vereinsmitglieder immer daran denken mögen, daß Oerlinghausen, trotz seiner Randlage im Kreis, noch zu Lippe gehöre. Dem Verein, der zur Zeit 938 Mitglieder zählt (davon 30 in der Bergstadt), wünschte der Bürgermeister weiteren Mitgliederzuwachs und viel neues junges Blut. Es gälte schließlich das Bewußtsein dafür schärfen zu helfen, „für das, was vor uns war und nicht in Computersprache festhaltbar ist". Denn aus Geschichte könnte der Mensch erlernen, was falsch gelaufen sei und was besser oder anders hätte laufen müssen. Bei der wichtigen Arbeit, die lippische Geschichte aufzuarbeiten und jedermann zugänglich zu machen, komme dem Verein eine herausragende Bedeutung zu, meinte Steinkühler.
Den Anlaß der Jahresversammlung nutzten die mehr als 100 anwesenden Mitglieder zu einer eingehenden Besichtigung des Germanengehöfts. Zuvor hatte der Göttinger Wissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willerding über die „Paläoethno-Botanik" referiert. Er verschaffte den Mitgliedern einen Überblick über die Beziehungen von Mensch und Pflanzen über die Jahrtausende. Dabei hob er die herausragende Bedeutung des Nachbaus, der Rekonstruktion von historischen Wohnformen für die Bestätigung oder Verwerfung wissenschaftlicher Vermutungen hervor. Der Oerlinghauser Ortsgruppe des naturwissenschaftlichen und historischen Vereins sprach Willerding ausdrücklich seine Anerkennung für die Rekonstruktion altgermanischer Siedlungsformen aus.
[Bild: Zu einer Besichtigung des Germanenmuseums nutzten viele Mitglieder des naturwissenschaftlichen und historischen Vereins für das Land Lippe die Jahreshauptversammlung in Oerlinghausen. Foto: Hänel]