lut aulen Dagen
Gedicht von Friedrich Müssemeier
Ümme de Johrhunnertwenne,
vür seo lüttge achzig Johr'n,
was muin leuwet Örlinghiusen
osse Stadt nau nich gebor'n.
Eunfach was dämols im billig
de Verwaltungsapparot,
dorüm stond heu hauch in Ehren
bui den Borgern un den Stoot.
Dörpsvörsteuher jenner Dage
was, bui ollen geot bükannt,
Wert un Kaupmann Jüsken Ruiter,
"Aule Pappe" kortweg nannt.
Lag wat vor un moßt' man tagen,
sui, seo kämm teohaupe man
in der tweuten Gästestoben
bui den "Aulen Pappen" dann.
Was dat Protokoll niu schrieben,
unner teukend jeuder Wisk,
dann stell schwank de "Aule Pappe"
eunen Buddel uppen Disk.
Niu word foider debattieret,
buiteo schmickt un dröbber lacht,
fluidig auk de Kaijak ölget,
wuil heu droige worte sacht.
Woll de Korken nich mehr zwitschern,
seo bui twölw', um Middernacht,
was et Tuit, niu upteofleugen
doch met Vorsicht un Bedacht.
För der Hiusdür dann Gefummel
Wuil de Augen nich ganz klor,
feil, dat Schlöddellock teo finnen,
doch teowuilen bannig schwor.
Word de Heume nich erreiket,
wanner dür de Stroten man,
dann namm sick de "Aule Büker"
leuwevull det Sünners an.
Büker was dämols Nachtwächter;
un heu brocht' up jeuden Fall olle
de verirrten Schope
secker wieh'r in ehr'n Stall.
Jo, seo was't in Aulingsdagen.
Sutchen schlür man suinen Patt
dormoleunst, os nau Ömkhiusen
Kerkdörp was un keune Stadt.
Wat dorhen es, kümmt nie wieher,
nich in aulen Glanz un Strohl;
denn iut wuiter Fern' verklinget
us suin Griuß: "Et was eumol!"
Aus alten Tagen
Übersetzt von der KI *Gemini*
Ein Gedicht von Friedrich Müssemeier
Um die Jahrhundertwende,
vor so kleinen achtzig Jahren,
war mein liebes Oerlinghausen
als Stadt noch nicht geboren.
Einfach war damals und billig
der Verwaltungsapparat,
darum stand er hoch in Ehren
bei den Bürgern und dem Staat.
Dorfvorsteher jener Tage war,
bei allen gut bekannt,
Wirt und Kaufmann Jürgen Reiter,
kurzweg „Alter Papa“ genannt.
Lag was vor und musste man tagen,
sieh, so kam man
zusammen in der zweiten Gästestube
bei dem „Alten Papa“ dann.
War das Protokoll nun geschrieben,
unterzeichnet jeder Wisch,
dann stellte flink der „Alte Papa“
eine Buddel (Flasche) auf den Tisch.
Nun wurde weiter debattiert,
beigestimmt und drüber gelacht,
fleißig auch die Kehle geölt,
weil sie trockene Worte macht.
Wollte der Korken nicht mehr zwitschern,
so bei zwölf, um Mitternacht,
war es Zeit, nun aufzufliegen,
doch mit Vorsicht und Bedacht.
Vor der Haustür dann Gefummel,
weil die Augen nicht ganz klar,
fiel es, das Schlüsselloch zu finden,
doch bisweilen bärig schwer.
Wurde das Heim nicht erreicht,
wanderte man durch die Straßen,
dann nahm sich der „Alte Büker“
liebevoll des Sünders an.
Büker war damals Nachtwächter;
und er brachte auf jeden Fall
alle die verirrten Schafe
sicher wieder in ihren Stall.
Ja, so war es in alten Tagen.
Sachtchen schlich man seinen Pfad damals,
als noch Oerlinghausen Kirchdorf war
und keine Stadt.
Was dahin ist, kommt nie wieder,
nicht in altem Glanz und Strahl;
denn aus weiter Ferne verklingt
uns sein Gruß: „Es war einmal!“
Ein paar Anmerkungen zum Dialekt:
„Aule Pappe“: Das ist eine liebevolle Bezeichnung für den damaligen Dorfvorsteher Jürgen Reiter.
„Kaijak“: Ein plattdeutscher Begriff für die Kehle oder den Hals.
„Suchen“: Bedeutet sacht, vorsichtig oder gemütlich.
„Ömkhiusen“: Eine lokale Mundart-Variante für Oerlinghausen.