In der Breitengrund
Gedicht von Wilhelm Kalkreuther
Es gibt kein schöneres Fleckchen Erde
umsäumt von dichtem Waldesgrün.
Hier weile ich so oft, zu gerne
dort zieht's mich immer wieder hin.
Der Vogelsang, die Blumenpracht
Welch‘ Herz hätt da nicht auch gelacht?
Willst Du ‚ne schöne Baumblühte Seh‘n
mußt Du hier mal spazieren gehn.
Dann öffnen sich Herz und Sinne weit,
zu dieser schönen Frühlingszeit!
Die Stille, das leise Faunenrauschen,
hier könnte ich immer, immer lauschen.
Kein Straßenlärm von weit und breit,
führwahr, hier ist noch alte-schöne Zeit.
Naturfreund! dies wundersame Erdenrund!
Eine Oase der Ruhe-geliebte Breitegrund.
Wende ich nun meinen weiten Blick
und schaue hinab in's weite Tal,
liegt vor mir die alte Heimat
im Morgensonnenstrahl.
Wie lieblich mir heute noch alles erscheint,
wo wir als Kinder gespielt, gelacht und geweint,
Jahr um Jahr kehrte unser Schwalbenpaar zurück,
für uns‘re Lieblinge war es auch ein Heimatglück.
Munter flogen die Tierchen ein und aus,
wie wir Kinder fühlten sie sich bei uns zu Haus.
Ja so manche Erinnerung wird wieder wach,
wir war‘n glücklich mit den Eltern unter einem Dach.
Jetzt ist man alt, wie wäre es schön,
könnte man noch einmal mit Kinderaugen seh‘n.
Wilhelm Kalkreuther erlebte seine Jugend auf der elterlichen Stätte in Währentrup am Wäldchen, wo seine Eltern außer der Landwirtschaft ein Kolonialwarenlädchen betrieben und wo sein Vater als Naturheilkundiger galt. Er erlernte den Kaufmannsberuf und betrieb in Lage einen Holzhandel. Später zog die Familie ins Elternhaus von Frau Kalkreuther in die Steinbruchstraße in Oerlinghausen. Wilhelm Kalkreuther ging im Ruhestand viel in die Breitegrund und hat hier oft, wie Frau Flasche erzählt, sinnend in die Richtung seines Vaterhauses schauend, seine letzten Jahre verweilt, wobei auch obiges Gedicht entstanden ist.
Ernst Meier Oktober 1983