Leinenhopsers Einkehr beim Pollhanswirt
Ich wanderte durch die Senne im brennenden Sonnenschein,
Und kehrte, mich zu erquicken, bei Pollhans, dem Schenkwirth, ein.
Da saßen vier junge Männer, von Ansehen blühend und frisch,
Mit ihnen ein schmuckes Weibchen an einem eichenen Tisch.
Die Männer in blauen Kitteln mit zierlich gestutztem Bart,
Doch übrigens schlicht gekleidet nach dortiger Landmannsart.
Es standen da Milch und Kaffee, in Kannen sauber und blank,
Auch brachte die Wirtin Tassen und Kuchen aus einem Schrank.
Die Männer griffen zur Pfeife, zu Zunder und Stahl und Stein,
Indessen schenkte das Weibchen den dampfenden Kaffee ein.
Das fesselte meine Blicke mit wahrer Zaubergewalt,
Ich konnte nicht ab sie wenden von jener Engelgestalt.
Mit seidenen Ringellocken umwallte das schwarze Haar,
Ein Antlitz mit feinen Zügen und funkelndem Augenpaar.
Dann sprachen sie miteinander sehr leise minutenlang,
Doch hört ich bei ihrem Flüstern nicht heimischer Worte Klang.
Und näher der lautern Rede aufmerkend, werd ich beehrt,
Es waren Laute, die gerne man jenseits der Alpen hört.
Sie alle sprachen so richtig, so zierlich, gewandt und fein;
Man hört's in einer Taverna Italiens selten so rein!
Ich drückte in gleicher Sprache laut meine Verwunderung aus.
„Wir sind", sprach lächelnd der jüngste der Männer, „nicht weit von Haus.
Im lippischen Oerlinghausen ist unserer Heimat Herd;
Wir sind nur einige Stunden zu ruhen hier eingekehrt.
Von hier noch ist Oerlinghausen kaum eine Meile entfernt;
Wir haben jenseits der Alpen wie dort man redet gelernt.
Wir reisen dahin alljährlich und bleiben recht lange dort;
Mit hier verfertigtem Leinen ziehn wir von Ort zu Ort.
Die aber, mein liebes Weibchen, fand ich am Arnostrand auf;
So lang ich als Kaufmann reise, ist sie mein glücklichster Kauf.
„Ich denke, liebe Lauretta, daß dir auch der Preis gefällt."
Sie lächelte schelmisch, erwidernd: „Ja, wenn er die Probe hält."
„Signora", fragt ich, „vertauschen Sie denn Ihr Vaterland,
Mit seinen hesperischen Fluren hier gegen der Senne Sand?"
„Warum nicht?" sagte sie freundlich, „die Liebe macht alles süß,
Sie macht auch die öden Wüsten Verliebten zum Paradies."
„Doch", sagte ihr Mann, „die Senne ist nicht unsers Bleibens Ort,
Das Städtchen Oerlinghausen liegt schön auf den Bergen dort.
Hier sind wir noch auf der Reise, doch nahe an unserm Ziel.
Lauretta wird's reizend finden, wo's immer mir wohlgefiel."
Ich wünschte ihm Wohlergehen, dem glücklichen jungen Paar.
Lauretta möge vergessen, wie schön es am Arno war.