Oerlinghausen nahm Abschied von Stadtdirektor Kindsgrab
Eine vielhundertköpfige Trauergemeinde gab ihm das letzte Geleit - Lebt in der Erinnerung weiter
[Bild: Am Sonnabend nahm Oerlinghausen Abschied von Stadtdirektor Heinrich Kindsgrab. Hunderte begleiteten ihn auf seinem letzten Wege. Foto: FP (Pivit)]
Oerlinghausen. Über einer Trauergemeinde, die nach vielen Hunderten zählte, wölbte sich ein grauer Himmel, und auf halbstock gesetzte Flaggen blähten sich im Wind: Oerlinghausen gab Heinrich Kindsgrab das letzte Geleit, über dem Trauerzug kreiste die „Bergstadt Oerlinghausen", an den Tragflächen flatterte ein Trauerflor. Auch die Flughafengemeinschaft nahm Abschied, und im Geläut der Glocken schwang ein leises Klagen mit. Ein Meer von Blumen und Kränzen umgab den im Stadthotelsaal aufgebahrten Toten. Den hellen Eichensarg hüllte der Schein flackernder Kerzen ein. Es sang ein Schülerchor, und Pastor Möller stellte seifte Trauerrede unter das Wort aus Offenbarung 2, 10: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben". Er würdigte die Treue des verstorbenen Stadtdirektors, die Treue eines schlichten, einfachen Menschen, die bezeichnend für dieses erfüllte Mannesleben gewesen sei.
Männer der Freiwilligen Feuerwehr trugen den Sarg, begleiteten ihn mit brennenden Fackeln. Dumpf hallte die Musik der Feuerwehrkapelle, die dem Zug vorausmarschierte. Das Offizierkorps der Schützengesellschaft Oerlinghausen folgte den Männern der Feuerwehr, die Fahne der Schützengesellschaft und große Kränze, darunter die des Landkreises Lemgo und der Bergstadt, wurden dem Sarg vorangetragen, dem sich der lange Trauerzug anschloß.
Die Fahne der Schützengesellschaft senkte sich und still verharrte die große Trauergemeinde, als der Sarg in die Gruft hinabgelassen wurde. Ein Männerchor sang, und dann trat Bürgermeister Kramer an das offene Grab. Er bekannte: „Ich habe einen Freund verloren." Der Bürgermeister würdigte dann die Verdienste, die sich Heinrich Kindsgrab in den 14 Jahren seiner Amtstätigkeit um die Bergstadt erworben hat. Er sei allen ein Freund gewesen, wie man ihn selten finde. Gerade in den schweren Nachkriegsjahren hat der Verstorbene viel menschliches Verstehen gezeigt, und noch vor drei Wochen die Krönung seiner Stadtdirektorentätigkeit erleben dürfen, als er einen Vertrag unterzeichnet habe, wie ihn Oerlinghausen noch nie abschließen konnte, denn der Dreiecksvertrag befreie die Bergstadt von den Baulandsorgen. Bürgermeister Kramer sagte abschließend, daß Oerlinghausen dem Verstorbenen dankbar sei für alle Mühen und ihn nie vergessen werde.
Landrat Feldmann sprach im Auftrage des SPD-Ortsvereins Oerlinghausen und des SPD-Unterbezirks Lemgo. „Wir alle stehen erschüttert an dieser Gruft", sagte er. Der Name des Verstorbenen würde für immer eingegraben sein in das Buch der Geschichte der Bergstadt Oerlinghausen, für die Heinrich Kindsgrab in der Stille geschafft habe und doch groß gewesen sei. „Dem Freunde der Natur, dem Kampfgefährten und dem Sozialisten" mit diesen Worten sagte Emil Feldmann viel, als er am Grabe Abschied nahm.
Der Ehrenbürger der Bergstadt, Landespräsident a. D. Heinrich Drake, warf einen Strauß roter Nelken in das Grab und würdigte mit herzlichen Worten des Dankes das Wirken des Verstorbenen, der Jahrzehnte hindurch im öffentlichen Leben stand. OKD Dr. Rabus sagte von Heinrich Kindsgrab, daß er einer der „Stillen im Lande" gewesen sei, aber sein Schaffen und Wirken wäre erfolgreich gewesen. Namens der Stadtdirektoren des Landkreises Lemgo sprach Stadtdirektor Diederich. „Du wirst uns immer in guter Erinnerung bleiben." Auch Betriebsratsvorsitzender Ernst Dörschner und Schützenhauptmann Büker nahmen Abschied von dem Toten, zu dessen Ehren das Lied vom guten Kameraden erklang, als sich die Schützenfahne senkte, als Schützen und Feuerwehr ihren Kranz niederlegten .....
Viele traten an die Gruft; beugten sich vor der Majestät des Todes, nahmen stumm Abschied von einem Manne, der mitten aus dem vollen Schaffen gerissen wurde. Nun birgt ein kleiner Hügel das, was sterblich an Heinrich Kindsgrab war. Unvergessen aber ist das Wirken dieses Mannes, der in der Heimaterde für immer schläft, und bleiben wird die Erinnerung an einen Menschen, der viele, viele Freunde hatte.
[Bild: Stadtdirektor Kindsgrab]
p-t.