Auf dem Tönsberg
Gedicht von Ludwig Altenbernd
Zerstreute Trümmer, band- und mörtellos,
Gesunkne Pfeiler, eingefallne Bogen,
Umwuchert vom Gestrüpp, von Heid’ und Moos
Vielleicht seit tausend Jahren überzogen;
Rings um des Berges sturmgepeitschten Grat
Die überwachs'nen steinerbauten Wälle,
In ihrem Kreise diese Trümmersaat,
Genannt die Hünenkirche, die Kapelle.
Fern des Cheruskers Bild am dunklen Teut,
Von dessen Gipfel sonn’ge Lichter schwanken,
Verklärend ihn, so scheint ’s, von Zeit zu Zeit,
Gleich wie des Weisen Stirne die Gedanken: —
Hier weht ’s wie Odem alter Zeit fürwahr,
Wie das Geflüster langentschwundner Tage;
Doch das Verborgne macht ’s nicht offenbar,
Hier schweigt der Stein, und stumm ist selbst die Sage.
Vom Tal herüber tönt der Glocke Klang;
Ich seh im Geiste gläub’ge Scharen ziehen
Den Berg hinan in andachtsvollem Drang
Und still auf dem geweihten Boden knieen.
Ob Heid’, ob Christ, kein Wächter weist zurück
Den Wanderer von dieses Betraums Schwelle;
Die Glocke schweigt. Ein letzter Sonnenblick.
Und wie ein Amen haucht's durch die Kapelle.
Ludwig Altenbernd