Krieg sollte uns Mahnung sein, immer den Frieden zu wollen

Fritz Soll schilderte das Kriegsende in Oerlinghausen - 83 Tote / 87 zerstörte und Schwerbeschädigte Häuser zu beklagen

 

Oerlinghausen (mc). Das Kriegsende in Oerlinghausen war Thema des heimatkundlichen und historisch-naturwissenschaftlichen Stammtisches, den der Verein am 1. Montag jeden Monats in der „Altdeutschen Bierstube“ durchführt. Zum Stammtisch, an dem rund 30 Personen teilnahmen, hielt Fritz Soll den einführenden Vortrag. Soll schilderte die Kriegsereignisse und das menschliche Elend, die Oerlinghausen kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs noch erreichten. „Die Tage von Ostern 1945 haben uns gezeigt, wieviel Not und Elend durch einen Krieg, auch wenn er nur 2 bis 3 Tage dauert, bringen kann“.

Bis Ostern 1945 hatte der Krieg Oerlinghausen verschont. Erst am 1. April um 18 Uhr begannen die Amerikaner mit der Beschießung der Bergstadt durch Artillerie und Panzer. Die Bevölkerung wurde zu diesem Zeitpunkt durch Flugblätter aufgerufen, die Stadt vorsorglich zu verlassen. Die Menschen flüchteten hauptsächlich nach Asemissen, Helpup und Währentrup. Die wenigen Luftschutzkeller waren sofort überfüllt. Ab dem 2. Kampftag durften dort nur noch die Kranken und alte Leute Zuflucht suchen. Alle anderen mußten sich woanders einen sicheren Platz suchen. Am 2. April, dem 2. Kampftag, „wogte der Kampf um Oerlinghausen den ganzen Tag hin und her". Die Kirche war von den Amerikanern besetzt. Die Deutschen hatten sich im Pfarrhaus verschanzt. Keine Seite könnte jedoch einen Erfolg verzeichnen. „Die Nacht brachte für die Oerlinghauser keine Ruhe. Hellrot leuchtete der nun bewölkte Himmel, denn ans Löschen der brennenden Häuser war nicht zu denken. Wasser und Strom waren ausgefallen“. Erst der Morgen des 3. Kampftages brachte die Entscheidung. Hillegossen, Lage und die Dörenschlucht waren von den Amerikanern besetzt worden. Oerlinghausen war von den deutschen Verbänden nicht mehr zu halten, bis 22 Uhr hatten die Amerikaner die ganze Stadt besetzt.

Zu beklagen waren 83 Tote (72 Soldaten und 11 Zivilisten), 10 ausgebrannte und zerstörte Häuser, 23 Schwerbeschädigte und 54 nur zum Teil beschädigte Häuser. Hinzu kamen Plünderungen und Beschlagnahmungen. Fritz Soll folgerte am Ende seines Vortrags aus den Kriegsereignissen: „Das waren die Ostertage 1945 in Oerlinghausen. Diese sollten uns auch heute, 40 Jahre danach, Mahnung sein, immer den Frieden zu wollen!“ Soll hob die Verpflichtung der Kriegsgeneration hervor, der Jugend die damaligen Verhältnisse und Ereignisse genau zu schildern. Hermann Gräfe, Vorsitzender des Heimatkundlichen und des Naturwissenschaftlich-Historischen Vereins, bedankte sich bei Soll für den Vortrag. Auch er forderte die Anwesenden auf, sich der Vergangenheit ständig bewußt zu sein. „Wer Sich der Vergangenheit nicht erinnert, wird mit der Gegenwart Schwierigkeiten haben".

[Bild: Fritz Soll sen. (stehend) schilderte am Montag beim heimatkundlichen und naturwissenschaftlich-historischen Stammtisch in der „Altdeutschen Bierstube“ die Kriegsereignisse Ostern 1945 in Oerlinghausen. Zu diesem Vortrag kamen zahlreiche Mitglieder und Interessierte aus Oerlinghausen und Umgebung. Links neben Soll: Herrmann Gräfe, Vorsitzender des Heimatkundlichen und Naturwissenschaftlich-Historischen Vereins.                    Foto: Marxcord]