Ostertage 1945 - Als Amerikaner die Stadt von den Nazis befreiten
Vortrag von Fritz Soll sen. beim „Stammtisch“ am kommenden Montag
Oerlinghausen (pivo). Ein dunkles, bislang noch unvollständig aufgearbeitetes Kapitel Oerlinghauser Geschichte soll am kommenden Montag, 1. April, ab 18 Uhr beim traditionellen „Stammtisch" des „Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe" ein wenig aufgehellt werden. Fritz Soll wird an diesem Abend über das Kriegsende in der Bergstadt berichten. Dabei wird es, wie der Referent gestern vor der Presse erläuterte, vor allem um die schon legendäre Auseinandersetzung zwischen den amerikanischen Befreiern und einigen uneinsichtigen Bergstädtern gehen. 72 Tote, darunter ein 15-jähriger und neunzehn 17-jährige, forderte dieses „absolut sinnlose Gefecht“ (Soll), das den Vormarsch der US-Truppen lediglich um zwei Tage verzögern konnte. Der Vortrag, der vor allem auch die jüngere Generation ansprechen soll, beginnt um 18 Uhr in den „Altdeutschen Bierstuben“.
Vor etwa einem Vierteljahr hatte Soll mit Hilfe der Presse die Oerlinghauser Bürger aufgerufen, Aufzeichnungen und Bilder aus diesen Tagen zur Verfügung zu stellen. Außerdem „kramte“ er im Stadtarchiv nach Informationen über das Kriegsende in der Bergstadt. Beide Versuche verliefen erfolgreich, was den engagierten Heimatforscher gestern dazu veranlaßte, sich bei den Bürgern und der Stadt für die Mithilfe zu bedanken.
Drei Tagebücher habe er gefunden, berichtete Soll stolz, dazu fünf Berichte, die nachträglich geschrieben worden seien. Zusammen mit den Aufzeichnungen aus dem Stadtarchiv und einigen Quellen der Amerikaner hätte sich dann ein detailliertes Bild der Ostertage 1945 ergeben. Beim Vortrag in den „Altdeutschen Bierstuben“ wird dieses kurze Kapitel Oerlinghauser Geschichte, das insgesamt fünf Tage dauerte, in seinen groben Zügen behandelt. Und damit man das ganze zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen kann, wird anschließend eine schriftliche Zusammenfassung der Ereignisse verteilt. Eine ausführliche Darstellung soll später einmal folgen.
Der Vorsitzende des „Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins“, Hermann Gräfe, der zugleich dem „Heimatkundlichen Verein im Lippischen Heimatbund“ vorsteht, nahm das gestrige Gespräch zum Anlaß, noch einmal auf die „Nachwuchsprobleme“ beider Vereine hinzuweisen. Laut Gräfe wollen die Verantwortlichen diesem drohenden Mitgliederschwund mit einem attraktiven Programm, das auch Zeitkritsches nicht ausspart, begegnen. Der Stammtisch am kommenden Montag sei ein Beispiel dafür, betonte Gräfe.