Ein Jugendzentrum in Oerlinghausen

Auszug aus dem Oerlinghauser Anzeiger

 

In den letzten Jahren ist die Diskussion um ein Jugendzentrum in Oerlinghausen verstärkt aufgeflammt. Nachdem die SPD-Oerlinghausen die Errichtung eines Jugendzentrums (JZ) in ihr Wahlprogramm für die Kommunalwahl am 5. Mai 1975 aufgenommen hatte, wurde von der hiesigen Gruppe der Jungsozialisten eine Jugendzentrumsinitiative e. V. ins Leben gerufen. In ihren Bemühungen bestärkt durch die Aktivitäten dieses nunmehr parteipolitisch unabhängigen Vereins hat die SPD-Fraktion des Stadtrates Oerlinghausen einen Antrag auf Errichtung eines Jz eingebracht. Auf der Ratssitzung am 29. September dieses Jahres beschloß der Rat, die Verwaltung zu beauftragen, einen geeigneten Standort für ein Jugendzentrum in Oerlinghausen zu ermitteln. Warum nun einen Neubau errichten, wird sich nun mancher Bürger fragen. Die SPD-Fraktion hatte zunächst in ihre Überlegungen einfließen lassen, ob nicht die Kellerräume des Schulzentrumanbaus für diese Zwecke nutzbar wären. Doch eine Anfrage beim Landschaftsverband Westfalen/Lippe in Münster mit der Zielsetzung einer Überprüfung dieser Möglichkeit wurde abschlägig beschieden. Erstens war den Münsteranern die Fläche zu gering bemessen und zum zweiten besteht die Vorschrift, daß ein Jugendzentrum ein separater Bau zu sein hat. Damit schied diese Lösung aus. Nun votierte der zuständige Ausschuß, der Ausschuß für Jugend, Soziales und Sport, auf Antrag der SPD für einen Neubau in Form eines Hauses der offenen Tür (HOT). Ein Haus der offenen Tür hat, im Gegensatz zu einem Haus der halboffenen Tür, verschiedene Vorteile. Ein Haus der offenen Tür muß an mindestens drei Tagen in der Woche geöffnet sein und eine Nutzungsfläche von 635 qm aufweisen. Das mag im ersten Moment als eine gewaltige Zahl erscheinen, doch wenn man bedenkt, daß darin Seminarräume, Hobbyräume, Spiel- und Unterhaltungsräume, Diskothek und sanitäre Anlagen inbegriffen sind, so relativiert sich diese Zahl erheblich.

Für einen Bau dieser Größe, so wird vom Land Nordrhein-Westfalen vorgeschrieben, muß ein Grundstück von 3.000 bis 5.000 qm vorhanden sein. Dies, um für Parkplätze etc. zu sorgen. Aber was kostet die Stadt so ein Jugendzentrum? Wenn alle Vorschriften - 635 qm Nutzungsfläche, 3.000-5.000 qm Grundstücksfläche - erfüllt sind, übernimmt das Land 50 %, der Kreis 25 % der Baukosten. Es verbleiben für die Stadt ebenfalls 25 % der Baukosten und die Kosten für den Grundstückskauf, sofern sich das vorgesehene Gelände nicht in städtischer Hand befindet. Außerdem erhält die Stadt sowohl vom Land als auch vom Kreis Zuschüsse für das Personal, dessen ein JZ bedarf. Im Haus der offenen Tür Hövelhof, das erst vor 1 ½ Jahren fertiggestellt und vom Landschaftsverband Westfalen/Lippe als mustergültig hingestellt worden ist - übrigens führte der Ausschuß für Jugend, Soziales und Sport am 13. Oktober eine Besichtigung dieses Hauses durch -, gibt es insgesamt vier Sozialarbeiter(innen).

Die Besichtigung in Hövelhof ergab folgende interessante Ergebnisse:

1. Für die Stadt ergaben sich insgesamt nur 60.000,- DM Zuschüsse pro Jahr; im Vergleich zum Hallenbad gering.

2. Die Jugendkriminalität ging in dem Zeitraum von 1 ½ Jahren, die das JZ nun besteht, erheblich zurück. Vorher führend im Bezirk, rangiert Hövelhof nun in dieser traurigen Bilanz unter ferner liefen. Dies ist, so meinen wir, ein sehr erfreulicher Effekt eines JZ.

Es liegt nun an der Verwaltung, ein geeignetes Grundstück zu finden. Weiterhin werden auf Antrag der SPD-Fraktion im Haushalt des Jahres 1978, der zur Zeit aufgestellt wird, bereits 250 .000 DM für das Jugendzentrum aufgenommen und die Planungen vorangetrieben.