Tagung des Abwasserwerkes im Bürgerhaus
Leserbrief
Vor Gott und dem Gesetz sind alle Menschen gleich. So sollte es jedenfalls sein. Standesprobleme sind - dem Himmel und anderen sei Dank - selten geworden. Und doch hat man gelegentlich den Eindruck, daß es ein „Oben" und - in logischer Konsequenz - demzufolge auch ein „Unten" gibt. Auch wenn das nur vom räumlichen Standpunkt aus so gesehen werden kann. Immerhin: Wenn der Kulturausschuß im Bürgerhaus tagt, dann tagt er „unten", im Felsenkeller. Als der Eigenbetrieb „Abwasserwerk" jetzt seine Jungfernsitzung veranstaltete, mußte er natürlich in den großen Saal ins zweite Geschoß. Werdende Mütter, die dort zur Gymnastik regelmäßig zusammenkommen, mußten an diesem Tag auf die Musikschulräume ausweichen. Mußte das sein? Hatte man gar einen Besucherstrom erwartet, der diesen Standort mit 150 Sitzplätzen gerechtfertigt hätte? Gekommen sind dagegen fünf Zuhörer, darunter drei Stadtwerke-Angestellte, der Bürgermeister und ein Ratsherr, Insider also. Mithin: eine Veranstaltung unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Daß die Kultur im Keller ist - symbolisch jedenfalls -, wußten wir ja immer. Daß Abwässerfragen im zweiten Stock, sozusagen in der Nobel-Etage, behandelt werden, ist schwerlich nachzuvollziehen. Ich war nämlich immer dem kindlichen Glauben verhaftet, Abwässer seien aus dem Erdgeschoß besser zu entsorgen als aus oberen Stockwerken. Da muß ich mich wohl geirrt haben.