Amtspersonen

Auszug aus dem goldenen Buch der Stadt Oerlinghausen von August Reuter

 

Amtmänner

Als der Landvogt Bracht im Jahre 1712 entlassen war, wurde an seine Stelle der Amtmann Johann Henrich Hilmar aus Schötmar berufen. Da es damals noch keine Amtswohnung in Oerlinghausen gab, und da eine passende Mietwohnung nicht vorhanden war, so war Hilmar gezwungen, sich ein eigenes Haus zu bauen, welches da gelegen hat, wo jetzt das Rathaus [Anmerkung: heute Stadthotel]. steht. Nach seinem Tode 1725 trat die Witwe das Haus an die Rentkammer ab. Seitdem hat es als Amtshaus und Beamtenwohnung gedient, bis 1839 das jetzige Amtsgerichtsgebäude (Hauptstraße 32) gebaut wurde. Den neben dem Amtshause liegenden großen Garten behielt die Regierung in Besitz; sie besitzt ihn noch heute und hat 1888 durch den Baurat Hermann ein Gerichtsgefängnis darin erbauen lassen, das von den Oerlinghausern, die um Spitznamen nie verlegen waren, Hermannsdenkmal genannt wird. Das alte Amthaus aber wurde 1839 an E. B. Nagel verkauft und in eine Gastwirtschaft umgewandelt, die von Nagel 1846 auf Bode und 1863 auf Simon Thermann überging. Simon Thermann heiratete eine Tochter des Brauereibesitzers F. Becker vom Keller und verzog später nach Bielefeld, wo er eine Weinhandlung gründete. Sein Nachfolger in Oerlinghausen war der Gastwirt Engelhard, den wir später in Bielefeld als Besitzer des jetzigen Restaurants Lindenhof am Nebelswall wiederfinden. Engelhard verkaufte den Oerlinghauser Gasthof an den Hotelier Heinrich Kiffe. Nach dessen Tode waren Hartwig Breuker (bis 1920) und Schweck Besitzer. 1921 erwarb es der Hotelier Fritz Vogeler, bis es 1923 wieder in öffentliche Hand kam und Rathaus wurde. Von dem alten Amthause aber ist nichts mehr wahrzunehmen; Heinrich Kiffe, ein tüchtiger Hotelier, der leider allzufrüh verstarb, hat das Haus, das von ihm "Hotel Stadt Bremen" getauft wurde, in allen Teilen umgebaut und wesentlich erweitert. Der früher dazugehörige Garten mit Kegelbahn ist heute Möbelfabrik der Firma Fritz Heißenberg.

Auf Hilmar folgte als Amtmann Rudolf Krecke aus Oesterholz, der bis 1745 lebte. Dann wurde der Amtmann Ramus von Horn mit dem Titel "Amtsrat" nach Oerlinghausen berufen, und gleichzeitig wurde die Vogtei Oerlinghausen vom Amte Detmold losgelöst und zu einem selbstständigen Amte gemacht. Ramus entstammte einer französischen Familie, welche ursprünglich de la Ramee, hieß. Unter seiner Amtszeit wurden die Schrecken des 7jährigen Krieges nach Oerlinghausen getragen. Er starb im Jahre 1759.

Ihm folgte Alexander Meyer der vorher kurze Zeit Vogt zum Falkenberge gewesen war. Die allgemeine Unsicherheit während des 7-jährigen Krieges veranlaßte Meyer, die Regierung zu bitten, sie möge gestatten, zur Sicherheit der herrschaftlichen Gelder 1 oder 2 Mann als Wache in das Amthaus zu bestellen, weil in letzter Zeit so viele Diebereien vorgekommen wären. Im folgenden Jahre trat - auch infolge des Krieges - ein Brotmangel im Lande ein, der im Amte Oerlinghausen besonders empfindlich gewesen sein muß, denn Meyer schrieb an die Regierung:

"Der Mangel an Brotkorn in der Dorfschaft Oerlinghausen nimmt so überhand, daß, wie ich soeben mit innigster Rührung vernehme, verschiedene arme Leute aus Mangel des Brots sich zu Bette legen und vor Hunger verschnaufen wollen."

Er bittet deshalb die Regierung, Sorge zu tragen, daß von auswärts Korn nach Oerlinghausen geschafft werde. Die Regierung antwortete, der fremde Roggen sei noch nicht eingetroffen, aber auf dem letzten Landtage sei beschlossen worden, daß die entbehrlichen Früchte dem, der sie nicht verkaufen wolle, gegen Bezahlung fortgenommen und den Notleidenden überlassen werden sollen. Demgemäß solle der Amtmann verfahren. Erinnerungen an den Weltkrieg und die schwere Nachkriegszeit tauchen wieder auf, wenn man dies liest.

Weiter berichtete Meyer 1762 an die Regierung, der "Amts- und Gehorsamspfahl" - d.h. der Schandpfahl - sei in Abgang gekommen. Da es ihm ohne diesen nicht möglich wäre, den Befehlen der Regierung in Bezug auf Fuhren, Schanzarbeit usw. Geltung zu verschaffen, so habe er den Gehorsamspfahl wieder aufrichten lassen. Er bittet nun die Regierung um ihre Zustimmung zu dieser mittelalterlichen Institution. Und diese Zustimmung wird ihm nicht nur erteilt, sondern es wird ihm auch aufgegeben, im Falle von Ungehorsam und Widerspenstigkeit den nötigen Gebrauch davon zu machen.

Nach etwa 20-jähriger Dienstzeit erhielt Meyer den Titel Amtsrat, woraus man schließen möchte, daß die vorgesetzte Behörde mit seinen Leistungen und seiner Führung durchaus zufrieden gewesen sein muß. Aber später kamen üble Sachen vor. So mußte 1784 gegen ihn ein Verfahren wegen Bestechung eingeleitet werden. Es stellte sich dabei heraus, daß er von Twelmann auf der Osterheide ein Kalb, eine Gans, 6 Pfund Butter angenommen hatte und daß daraufhin die gegen Twelmann verhängte Zuchthausstrafe in die Strafe des Ungehorsamspfahls an 2 Sonntagen umgewandelt wurde. Meyer wurde zu einem Verweis und zu 50 Gulden Strafe verurteilt. Bald nachher müssen weitere Ungehörigkeiten vorgekommen sein; denn im Jahre 1786 wurde er abgesetzt. Er zog nach Detmold oder Heiligenkirchen (?), wo er kümmerlich lebte.

Schon während der letzten Jahre seiner Amtstätigkeit in Oerlinghausen war ihm Friedrich Philipp Ernst Rötteken als Amtsschreiber beigeordnet. Nach seiner Entsetzung wurde dieser sein Nachfolger. Rötteken heiratete die Witwe des letzten Meiers zu Barkhausen und kam so in den Besitz des Gutes Niederbarkhausen, das er dann später an Tenge aus Osnabrück verkaufte. Im Jahre 1814 erbat und erhielt er seine Entlassung mit einem Ruhegehalt von 300 Thalern.

Röttekens Nachfolger waren:

L. Hausmann, der nur 3 Jahre in Oerlinghausen blieb und 1817als Amtmann nach Horn ging.

Plage, bisher Amtsschreiber in Varenholz, starb hier nachlanger Krankheit am 24.Dez.1835.

Th. Heldmann [Fußnote: Heldmann sorgte für den Bau eines neuen Amthauses, das während seiner Amtszeit 1839 auch vollendet wurde. Es ist das jetzige Amtsgericht.], vorher Amtsschreiber in Brake, wurde 1848 als Regierungsrat nach Detmold berufen.

W. Caspari, vorher Syndicus der Stadt Blomberg, ging 1857 als Amtmann nach Schötmar und wurde später Kammerdirektor. Sein Sohn, der Geheime Justizrat Caspari in Cassel, hat 1925 seinen 80.Geburtstag in Oerlinghausen gefeiert.

Aug. Wessel, bisher Amtsassessor in Oerlinghausen, kam 1864 als Amtmann nach Detmold. Ich stelle nachträglich fest, daß August Wessel am 27. April 1857 zum I Beamten der Ämter Sternberg und Barntrup unter Beförderung zum Amtmann ernannt wurde (gez. Reuter, 11.12.52).

Ferner:

A. Böhmer, vorher Amtsassessor in Schötmar, ging 1872 als Amtmann nach Lage und wurde später Landgerichtsdirektor. Er ist der Vater des in Detmold wohnenden Geheimen Baurats Böhmer und des Geheimen Regierungsrats Böhmer.

F. Führer, vorher Assessor, erhielt den Titel "Kammerrat".

Während Führers Amtszeit wurde 1877 in Lippe die Justiz von der Verwaltung getrennt. Das "Amt" Oerlinghausen wurde Amtsgericht, die Verwaltungsbehörde kam nach Schötmar. Unser Dorf gehörte zur Amtsgemeinde Oerlinghausen im Bezirk des Verwaltungsamts Schötmar. Dessen Leiter waren: 1877 Amtsrat von Meien, dann bis 1895 Amtmann Piderit, später in Detmold, und Amtshauptmann Heldmann, der später Geheimer Regierungsrat in Detmold war, und seit 1910 Landrat Krieger in Schötmar.

Amtsrichter in Oerlinghausen aber waren nach Führer:

Dr. Caesar       bis 1898,

Heidsiek          bis 1900,

Böhmer          bis 1905,

Marten           bis 1910,

Huxholl           1911 - 1919,

(Vakanz          v. 1919 - 1922),

v. Ludwiger    seit 1922.

 

Amtsschreiber und Auditoren

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde in Oerlinghausen neben dem Amtmann ein Amtschreiber, später Assessor tituliert, angestellt, der in erster Linie Hebungsbeamter war, und dessen Stelle wieder in Fortfall kam, als Justiz und Verwaltung getrennt wurden. Bei dieser Trennung wurden neue Posten geschaffen: beim Amt der Amtssekretär, beim Gericht hier der Gerichtsschreiber oder Gerichtssekretär, deren erster Arend Feyen (gestorben 1921) wurde.

Der erste Oerlinghauser Amtschreiber war der spätere Amtmann Rötteken, ihm folgte im Jahre 1799 Joh. Heinrich Niemeyer, dann 1821 Ludwig Tasche, die beide juristisch nicht vorgebildet waren. Tasche starb 1825; sein Nachfolger wurde Overbeck, der bis dahin Amtsauditor in Horn gewesen war. 1836 mußte Overbeck wegen seiner unordentlichen Rechnungsführung den Abschied nehmen. Im folgenden Jahre wurde der Auditor Eduard Meyer Amtschreiber. Er erbaute sich das Haus Detmolderstraße 10, das jetzt den linken östlichen Flügel des Kontorgebäudes der Firma Carl Weber & Co bildet. Das Haus erwarb 1850 Carl David Weber. Eduard Meyer war ein kluger Mann, der auch an den Geschehnissen im Dorfe Oerlinghausen Anteil nahm. Im Jahre 1845 richtete er eine Eingabe an den Dorfvorstand, man möge doch nicht zugeben, daß die großen Buchen am Tönsberg gefällt würden. Der Vorstand möge dafür sorgen, daß diese Zierden der Gegend und Zeugen alter Zeit erhalten blieben. Oder man solle ihm die beiden Buchen verkaufen. Diese beiden Bäume müssen gewaltige Exemplare gewesen sein; sie sind auf einem alten Bilde im Rathaus deutlich zu erkennen und gaben der ganzen Gegend dort oben das Gepräge, sie trägt noch heute den Namen "Unter den Buchen" [Anmerkung: oder auch "Unter den großen Buchen"]. Es ist die Gegend zwischen der Hermannstraße und dem Wege, der zu den Sandsteinbrüchen führt, also dort, wo heute das Haus von Fräulein Schmidt (Pustkuchen) steht. Auch ein Schützenfest ist "unter den Buchen" gefeiert. Eduard Meyer hat mit seiner Eingabe keinen Erfolg gehabt. Die großen Buchen fielen der Axt zum Opfer, wahrscheinlich, weil das Land, auf dem sie standen, mit aufgeteilt wurde, und weil die Bäume für den Ackerbau hinderlich waren.

Auf Meyer folgte 1846 August Wessel, vorher Auditor in Varenholz. Er erhielt als erster im Jahre 1848 den Titel Amtassessor und wurde 1857 Amtmann in Oerlinghausen. Die weiteren Assessoren waren: Wilhelm Piderit, 1857 -  1862, der von hier als Amtmann nach

Schwalenberg und später nach Detmold kam. Weiter: Ferdinand Führer von 1862 - 1872, der hier Amtmann wurde, und endlich Albrecht Busse, der später Landgerichtsdirektor war, und mit dem die Reihe der Oerlinghauser Amtsassessoren ihren Abschluß findet.

Als Auditoren standen in Oerlinghausen:

G. Speck                     1816

E. Meyer                     1831

A. Wessel                   1839

Joh. Neubourg

Dr. A. Caesar              1843

F. Caesar                     1851

F. Heldmann              1853

Brandes                      1859

Melm                          1861

Clüsener                     1864

Clemen                       1866

Schmidt                      1870

An dieser Stelle sei auch einer erwähnt, der nicht Amtschreiber in Oerlinghausen war, der es aber gern werden wollte: Christian Dietrich Grabbe. Als nämlich der Amtschreiber Tasche 1825 gestorben war, meldete sich Grabbe für diese Stelle. Das Gesuch dieses genialen Dichters an den Fürsten ist - abgesehen von den vorgeschriebenen schwülstigen Anreden - so charaktervoll, wahr und eigenartig, daß ich es hier wiedergeben muß:

Durchlauchtigster Fürst!

Gnädigster Herr und Regent!

Durch den Tod des Amtschreibers Tasche in Oerlinghausen ist die dortige Amtschreiberstelle erledigt worden. In der Meinung, daß dieser Posten weder zu den wissenschaftlich bedeutenden, noch zu den lucrativsten gehört, wage ich mich zu demselben zu melden. Mein Wille besteht aber in nichts weniger, als hierbei, wenn Bessere und Verdientere sich bewerben sollten, mit diesen in Wettstreit zu treten, - vielmehr bitte ich alsdann, mir huldreichst die abschlägige Antwort zu schenken und mein Gesuch tacite zu reponieren. Nur zweierlei möchte ich gehorsamst versichern: 1) Daß, wenn ich bis jetzt noch nicht unmittelbar, oder doch sub titulo als z.B. Amtsauditor, dem Lande diente, dieses Versäumnis eher an den Umständen als an mir liegen mußte, wie denn das Beispiel anderer nicht angestellter junger Juristen ebenfalls beweiset; dagegen habe ich aber versucht, und versuche noch täglich und stündlich, diesen äußeren meist quantitativen Mangel durch das Studium nach innerer juristischer Qualität (die vielleicht den nämlichen Werth besitzt) zu ersetzen; 2) ist es nicht bloß oder vorzüglich mein persönliches Interesse, welches mich zu gegenwärtiger Bitte veranlaßt, sondern es ist der reine - in Hinsicht meines Vortheils sehr uneigennützige Wunsch, meinen Eltern jede Beschwerde, die sie mit mir haben könnten, zu nehmen, und ihnen bei ihrem hohen Alter die Hoffnung zu verschaffen, in jedem Fall bei ihrem Sohn Unterstützung finden zu können. Aus solcher Quelle sind, wenn auch keine Vortrefflichkeiten, doch wenigstens keine schlimmen Folgerungen zu ziehen. Indem ich nun alleruntertänigst bemerke, mich gern jeder etwaigen Beschränkung oder Nebenbedingung unterwerfen zu wollen, wage ich Ew. hochfürstliche Durchlaucht! in pflichtschuldigster tiefster Untergebenheit zu bitten, mir, wenn es als paßlich erscheinen sollte, die Stelle des Amtschreibers zu Oerlinghausen gnädigst zu verleihen.

Ersterbend

Durchlauchigster Fürst und Herr!

Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht!

alleruntertänigster Ch. Grabbe.

 

Die Eingabe trägt die Aufschrift:

An

Serenissimi Regentis

Hochfürstliche Durchlaucht!

Bittschrift

des Advokaten Grabbe in Detmold

betr. die Anstellung als Amtschreiber zu Oerlinghausen

Sie ist von der Kanzlei mit dem Datum vom 29.Dezember 1825 versehen. Eine Antwort ist darauf, Grabbe's Wunsche entsprechend, nicht erteilt worden.

 

Vorsteher und Bauerrichter

Seit Aufhebung des Vogtamts, begegnen wir auch Vorstehern der Dorfschaft Oerlinghausen, so: Grote 1730, Stratmann 1756, Tölke 1759, Röding 1762 (Rödings Feld heißt das Gelände an der Marktstraße zwischen Boksiek und Grütehaus), Nagel 1763, Ebbinghaus 1766, Ullrich 1768, Nagel und Berkemeier 1796 usw. Die Chronik der Gemeindevorsteher, die im 18. Jahrhundert neben dem Amtmann nur eine unbedeutende Rolle spielten, muß späterer Fortsetzung vorbehalten bleiben. Die Quellen sind spärlich.

Die Bauerrichter hatten die Steuern und Gefälle zu heben und waren daneben dem Vogt in der Ausübung der Polizeigewalt behilflich. Die Namen der Oerlinghauser Bauerrichter sind uns seit 1595 fast lückenlos erhalten. Sie wurden aus den Bewohnern der Dorfschaft entnommen und waren in der Regel nur kurze Zeit mit dem Amt betreut. Es waren:

Johann Koch              1595

Joh. Woestmann       1646

Joh. Möller                 1597

Bernd Grote               1662

Jasper Nagel              1598

B. H. Köttelbrink       1680

Johann Reker             1600

Valentin Blasius         1681

Jobst Kamann             1601

Joh. Jürgen Möller     1682

Johann Möller           1603

Joh. Kord Lilmeyer     1705

Kord Ebbinghaus       1604

Blome                         1708

Christoph Kramer      1613

Ebbinghaus                1713

Jobst Kamann             1624

Herm. Tölke               1717

Henrich Blome           1617

Philipp Tölke              1734

Kord in Groten Hove 1628

Peter Brune               1757

Joh. Redeker              1633

Ullrich                         1783

Jürgen Nagel              1638

Düning                       1786

Henrich Nagel             1645               

 

Jäger und Grenzschütz

Schnatjäger, auch Schnatschütz oder Grenzschütz genannt, waren:

Striep                         1707

Bentrup                      1737

Milse                           1769

Kressel                        1724

Weber                         1739

Sie wohnten im Jägerhause, Kolonat Nr.14, jetzt Gasthof Hartz, Hauptstraße 21.