Nichteinreichnung eines SPD-Vorschlages zum neuen Gemeinderat 1933

 

Nichteinreichung eines SPD-Vorschlages zum neuen Gemeinderat nach dem Gleichschaltungsgesetz, am 26.4.1933. (Gleichschaltungsgesetz v. 3.4.1933)

Befragung von Fritz Prasse am 4.2.85 in der Müllerburg. (Fritz Prasse war von 1932 - 1933 Ratsmitglied in Oerlinghausen.

Frage: Warum haben die Sozialdemokraten im April 1933 zur Neubildung des Gemeinderates (Nach dem Gleichschaltungsgesetz) keinen eigenen Wahlvorschlag eingereicht?

Antwort: Die Sozialdemokraten hatten einen Wahlvorschlag vorbereitet. Zu der Zeit war das Rathaus aber schon laufend von SA - Hilfspolizei besetzt. Ein jeder der irgendetwas im Rathaus wollte, mußte sich erst bei der SA-Hilfspolizei melden. Diese entschied dann ob der betreffende in das gewünschte Amt vorgelassen wurde. Es wäre also mit einer SPD Vorschlagsliste unmöglich gewesen bis zum Wahlleiter vorgelassen zu werden. Man hätte zu dieser Zeit den Personen die eine Unterschrift geleistet hatten bestimmt irgendwelchen Repressalien ausgesetzt.

Man entschied sich also, die Vorschlagsliste beim Unterbezirk, bei Emil Feldmann abzugeben, mit der Bitte diesen Vorschlag über die Regierung in Detmold nach Oerlinghausen weiterzuleiten. Hierbei stellten sich für Emil Feldmann so viele Schwierigkeiten auf, das er es nicht für verantwortlich hielt die Liste weiterzuleiten. Drei Parteigenossen aus Oerlinghausen machten sich also auf den Weg um die Liste bei Emil Feldmann wieder abzuholen. Die Genossen waren: Fritz Prasse - Gustav Soll - Richard Koch. Auf dem Rückweg von Detmold trennten sich die 3 in Währentrup, Richard Koch, der die Liste bei sich hatte, ging über Wistinghausen - Naturfreundehaus. Die beiden anderen gingen über Oetenhausen nach Oerlinghausen. Auf der Detmolderstraße wurden dann die beiden schon von SA Hilfspolizei erwartet und durchsucht. Man fand nichts und ließ sie laufen. Am Abend desselben Tages trafen sich diese 3 Genossen dann in der Wohnung von Richard Koch und entschieden sich die Liste sofort zu verbrennen, was auch sofort geschehen ist.

Kurze Zeit später bekam auch Fritz Prasse - wie August Hausmann - ein Aufenthaltsverbot für Oerlinghausen. Er mußte seine Stadt verlassen.

 

Oerlinghausen im Februar 1985

Fritz Soll sen.