Unter Napoleons Fahnen

Auszüge aus dem Buch „Erinnerungen lippischer Soldaten aus den Feldzügen 1809/1814“.  Herausgegeben von Eckart Kleßmann 1991.  Bielefeld - Westfalen Verlag 1991

 

Das Batallion Lippe in Kowno (Kauen) Seite 206 / 207

Der Franzose wurde bei unseren nachherigen Abzüge,  wie wir aus der Entfernung sehen konnten,  wie fast alle seine Cameraden,  die sich mit Geld überladen hatten, von den Kosaken gespießt, und seiner schönen Gold und Silbermünzen beraubt. Daß Hilker und ich uns nachher über unsere Dummheit grimmig ärgerten, bedarf wohl keiner Versicherung.  Am allerglücklichsten war unser Sergeant Rötteken (Sohn eines früheren Pächters der Meierei Johannettenthal) und die Soldaten Pehle aus Oerlinghausen, Seiger und Veit aus Lipperode. Ich habe schon erzählt, daß diese beiden mit den ersten Geldwagen auf der Straße nach Gumbinnen vorausgesandt waren. Unterwegs, etwa eine Stunde nachher, hatten die Franzosen sie indeß angefallen und ihren Geldwagen geplündert, bei welcher Gelegenheit unsere genannten Leute aber ein Fäßchen erbeuteten, daß 100.000 Franken in lauter doppelten Napoleond'or enthielt, welche sie sich teilten und nachher auch behalten haben. Wie wir damals hörten soll die französische Kriegscasse bei Kowno eine Summe von 20 Millionen Franken an Freund und Feind verloren haben.

Seite 215

Als wir am anderen Morgen bei Tagesanbruch unseren Weg fortsetzen wollten, erschienen der Sergeant Rötteken, die Soldaten Pehle und Seiger mit ihren Goldstücken, die sie glücklich bis hierher gebracht hatten. Den Soldaten Veit aus Lipperode hatten sie im Getümmel unterwegs vermißt, und konnte dieser nach ihrer Meinung liegengeblieben oder erfroren sein - weil er nicht gut marschieren können - oder von den auflauernden Bauern oder Juden erschlagen und seines Geldes beraubt sein. Eines dieser Schicksale ist ihm auch zu Theil geworden, denn wir sahen ihn niemals wieder.

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(Sergeant Rötteken) Derselbe beschenkte bei Gelegenheit dieser Collation mehrere Cameraden und ein gleiches thaten auch der Sergeant Krugmeier aus Berlebeck und der Soldat, jetziger Polizeidiener Pehle aus Oerlinghausen, so daß ich bei dieser Austeilung eine Summe von über 200 Rthlr. bekam, welche ich in Danzig dem damaligen Quartiermeister,  jetzigen Herrn Regierungsrath Piderit übergab und nachher in Detmold aus der Militärcasse wieder ausgezahlt erhielt.

 

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Fritz Soll sen.