Heiße Zeiten in der Schopke
Stadtgeschichte - Eine Wanderung in die Geschichte der frühen Oerlinghauser
Badekultur. Werner Höltke erzählt von zugeknöpften Badekleidern und Pumphosen
[Bild: Das moderne Freibad: Unser Bild zeigt die Preisverleihung nach einem DLRG-Wettbewerb in den 70er Jahren. Peter Natermann und Helmut Hunecke zeichnen die Kinder- und Jugendlichen aus. | © Foto: Dieter Burkamp]
[Bild: Geschichtswanderung: Zu einem Spaziergang mit Werner Höltke in die Freibadkultur vergangener Tage trafen sich am zugewachsenen Schopkebadteich die Oerlinghauser und Ubbedisser Heimatfreunde. | © Biere]
Oerlinghausen. Es muss zu Kaisers Zeiten wohl ein echtes Freizeitzentrum gewesen sein - das Schopketal und sein attraktives Schwimmbad darin. „Wenn man mit unseren Vorfahren über das Schopkebad sprach, dann leuchteten bei vielen die Augen“, schwärmt Heimatforscher Werner Höltke noch heute. Mit einer großen Gruppe von Oerlinghauser und Ubbedisser Heimatfreunden steht er vor einem heute eher unscheinbaren kleinen Teich, in dem Schilfpflanzen und Entengrütze das Bild bestimmen. Nebenan, wo früher eine gutbesuchte Gaststätte zum Biergarten einlud, lernen in einer Hundeschule die jungen Vierbeiner Disziplin und Wohlverhalten.
„Hier haben nicht nur viele Menschen das Schwimmen gelernt, sondern hier trafen sich auch die Sänger der Oerlinghauser Gesangvereine zum gemeinsamen Singen. Und viele Vereine feierten in der beliebten Gastwirtschaft ihre Feste“, erklärt Werner Höltke der Wandergruppe am Rande des früheren Schwimmpools. Manche Besucher hätten am Vatertag oder am 1. Mai wohl große Probleme gehabt, den Heimweg alkoholisiert aus der Schopke zu finden.
Bauer Wöstenfeld habe 1895 einer Gruppe von Freibadfreunden, die sich „Schopkevetter“ nannten, ein großes Areal in der Schopke verpachtet. Es waren die Oerlinghauser Kaufleute Wilhelm Nagel, Georg Sprenger, Hermann Weeke und Heinrich Freitag. Sie begannen umgehend mit Bauarbeiten. Man schachtete einen Badeteich aus, staute das kalte Quellwasser und baute zusätzlich ein Badehaus mit mehreren Umkleidekabinen. Durch den angrenzenden Sandberg, auf dem die Kinder spielen konnten, kam sogar eine gewisse Standatmosphäre auf. Und alsbald öffnete auch eine erste Gastwirtschaft ihre Pforten.
[Bild: Schopkefreibad anno dazumal: Im Schopketal traf sich früher ganz Oerlinghausen und Umgebung zu Freizeit und Baden. Repro © Foto: Horst Biere/Sammlung Höltke]
Es habe großer Trubel im Schopketal um 1900 geherrscht, sagt Werner Höltke. An schönen Sommertagen traf sich „ganz Oerlinghausen, Ubbedissen und Lämershagen“ in der neuen Freizeitanlage. Anfangs allerdings sorgten strenge Baderegeln für Zucht und Ordnung. „Gleichberechtigung gab es noch nicht, die Frauen und Mädchen durften nur montags, mittwochs und freitags nachmittags das Bad besuchen“, erzählt er.
Forellen und Karpfen hielten das Wasser sauber - 50 Jahre modernes Freibad
Vor genau einem halben Jahrhundert, an den ersten Julitagen 1967, brach für die Oerlinghauser Badefreunde eine neue Zeit an: Das hübsche und moderne Freibad am Kalkofen ging in Betrieb. „Ein Aquamarin im Teutoburger Wald“ titelte die Neue Westfälische seinerzeit über die frische, hellblaue Farbgestaltung.