Brief von H. Diekmann an F. Soll

betr. Hattenkerl

 

Rektor i.R. Herm. Diekmann

4811 Oerlinghausen, 7. März 1968

 

Sehr geehrter Herr Soll!

In den Intelligenzblättern vom 15.März 1806 (eintausendachthundertsechs) finde ich folgende Urkunde, die für ihre Familie von Bedeutung sein dürfte. Ich lasse sie in der damaligen Schreibweise wörtlich folgen. Sie lautet:

„Auf Anbringen der Gläubiger wider den leibfreyen Hoppenplöcker Hattenkerl Nr. 4 hieselbst, ist von hochfürstl. Regierungskanzley per decretum vom 13. v. M. der Conkurs erkannt, daher zum öffentlich meistbietenden Verkaufe der Stätte, wozu ein Wohn- und ein Leibzuchthaus, 5 Schefl. 5 Mtz., Garten 2 Schfl. 5 Mtz. fädig und 9 Schfl. 5 Mtz. wüste liegendes Land, auch die Gemeinheitsbenutzung gehört, terminus auf Mittwochen den 17ten k. M. April angesetzt, in welchem Kauflustige sich einfinden können und der Bestbietende den Zuschlag, mit Vorbehalt der Genehmigung Hochfürstl. Regierungskanzley zu gewärtigen hat.

Zugleich werden Alle und Jede, welche an gedachtem Hattenkerl und dessen Stätte Anspruch und Forderung haben,  zu deren Angabe und Bescheinigung auf eben den Termin an hiesige Amtestuße bey Strafe der Ausschließung von der Concursmasse hierdurch verabladet.

Oerlinghausen den 15ten März 1806

Fürstl. Lippisches Amt daselbst.“

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Drei weitere Urkunden aus demselben Mont desselben Jahres melden ihre Stätte zum Verkauf an. Es sind:

I. der contributionsfreye Neuwohner Friedrich Köttelbrink 95 auf dem Berge (neben der Stätte Kramer, Hofbükers Garten, wird verkauft an Berkemeyer einem Vorf. von Wilh. Hofbüker)

II. der Leibfreye Straßenkötter Niemann oder Simon Friedhof Nr.62, Neues Wohnhaus, ein Garten von ohngefähr ½ Schefl. S. und die Gemeinnutzung gehört

III. Ferdinand Wistinghausen hat mehr Schulden als der Werth dessselben beträgt. Sämtliche Wistinghauser Gläubiger werden zum terminus eingeladen.

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Hattenkerl war vor dem 30-jährigen Kriege (1607 war die Schule erbaut) Küster, daneben HopfenpflücKer für die Brauerei. Er war ein Vorfahre des oben genannten Hattenkerl.

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Wie kam es zu den Konkursen? Das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ war 1806 durch die Machtpositionen des Korsen (Napoleon I), aufgelöst zu existieren. Der Korse teilte die Länder nach seinem Gutdünken auf. 1805 war ein Hungerjahr. Die armen Bewohner hatten nichts zu essen, kein Brot, die Ernte war vernichtet durch die vielen Durchmärsche napoleonischer Truppen. Käufer fanden sich schlecht.

So behielt auch Hattenkerl seinen Hof. Interessant ist die Auszählung seines Besitzes. Überprüfen Sie einmal Ihren heutigen Besitz mit dem damaligen!

 

Viel Freude an meinen Aufzeichnungen! Gruß an Ihre Frau!

Ihr Herm. Diekmann