Arkaden hätten für Oerlinghausen zu großstädtisches Gepräge
Wichtige Vorentscheidungen im Bau- und Planungsausschuß - Art der Pflasterung bringt Kostendifferenz von 119 000 Mark
Oerlinghausen (Piet). Auf die Arkaden, die im ursprünglichen Plan für die Neugestaltung des Rathausplatzes enthalten waren, will Oerlinghausen verzichten. Ebenso auf einen Anbau im äußersten Winkel des bisherigen Rathauses. Das sind die wichtigsten Änderungen aus dem Plan, der im Bau- und Planungsausschuß, wie bereits gestern kurz berichtet, von Landschaftsarchitekt Kortemeier aus dem Büro Brinkschmidt und Partner vorgelegt wurde. Der rechte Teil des Platzes soll durch eine 1,20 Meter hohe Mauer vom übrigen Terrain abgegrenzt werden. Davor stellt sich der Planer in der Blickachse, sowohl von der Hauptstraße als auch von der Ravensberger Straße, eine Brunnenanlage vor. Um diesen Brunnen herum sollen Sitzgelegenheiten gruppiert werden. Die alte ,,Scheune“ am Eingang des Rathausplatzes soll nach Meinung des Planers „aufgewertet werden“.
Kortemeier vertrat die Auffassung, er sei viel glücklicher darüber, wenn die Bebauung gegenüber der Rathausfront bis an den Platz herangeführt werde. Baudirektor Pieper vom Amt für Stadt-bildpflege in Münster war allerdings in einigen Punkten gegenteiliger Meinung. Eine „energische“ Mauer sei nicht unbedingt ein städtebauliches Mittel, könne aber der Höhenregulierung dienen. Pieper wies darauf hin. auf keinen Fall „alles zu eng zu machen“: „Es gibt einige sensible Dinge in diesem Bereich, die man im Detail auch unterstreichen sollte“. Im Gegensatz zu Landschaftsarchitekt Kortemeier war er der Auffassung, daß die Bebauung nicht bis an den Rand des Rathausplatzes heranreichen müsse. Die Gestaltung der Fassadenseite könne auch zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden. Die Arkade. die ursprünglich im Plan enthalten war, sei „nicht nur zu großstädtisch, sondern auch ein fremdes Element, das in einer Stadt der Größenordnung Oerlinghausens nicht angebracht sei, daß die Anlieger der Rathausstraße ihre Geschäfte nicht unbedingt und um jeden Preis erweitern wollten, liege klar auf der Hand, zumal in diesem Bereich keine Expansion zu erwarten sei. Diese Entwicklung müsse man beratend lenken, damit das Rathaus nicht, wie es Pieper drastisch formulierte, „vor einem Fahrradschuppen steht“.
Als wichtige Details bezeichnete Pieper auch die „Möblierung des Platzes“: „Mit Waschbetonbeeten können Sie jeden Platz kaputtmachen.“ Im übrigen machte er die Ratsherren darauf aufmerksam, daß es sinnvoll sei, sich einmal in anderen Städten und Gemeinden ähnlichen Zuschnitts umzusehen und getrost dem Urteil der Fachleute zu folgen. denn: „Das ist sicherlich nicht das erste und gewaltigste Werk, das in der Bundesrepublik gebaut wird.“
Ausschußvorsitzender Günter Weise bescheinigte dem Baudirektor aus Münster, daß er „als vollendeter Ästhet die gute Stube geschmückt habe“. Eine längere Diskussion im Bauausschuß schloß sich um die Beschaffenheit des Pflastermaterials an. Landschaftsarchitekt Kortemeier berichtete, daß bei einer Betonpflasterung pro Quadratmeter etwa 60 Mark benötigt würden Nehme man Porphyrsteine so müßte man 70 bis 80 Mark bezahlen, sollte man sich gar für Granit, Sandstein oder einen anderen Naturstein entscheiden, wären pro Quadratmeter 150 bis 180 Mark fällig. Allein die Differenz im Material macht etwa 119.000 Mark aus, bei Gesamtkosten von 935.000 Mark eine erklägliche Summe. Wie Bauamtsleiter Friedel Potthast mitteilte, geht man davon aus. daß nach dem bisherigen Stand der Zuweisungen 248.000 Mark als Zuschüsse des Landes sicher sind Da der Platz allerdings von 2.300 auf 3.400 Quadratmeter ausgeweitet wurde, mithin erhöhte Kosten fällig werden will man erneut einen Zuschußantrag bei der Bezirksregierung in Detmold stellen. Der Eigenanteil, den die Stadt für die Rathausplatzsanierung aufbringen mußte, liegt derzeit noch bei 500.000 Mark Bauamtsleiter Friedel Potthast deutete an, daß man möglicherweise andere Sanierungsmaßnahmen zurückstellen müsse, um den Rathausplatz zu finanzieren Die Diskussion über die geänderten Pläne soll jetzt in den Fraktionen fortgesetzt und dann erneut im Bauausschuß weitergeführt werden.
[Bild: So könnte nach Meinung von Baudirektor Pieper die Seite gegenüber dem Rathaus einmal aussehen. Natürlich müsse in jedem Falle mit den Anliegern Rücksprache genommen werden, meinte der Gast aus Münster.]