Was die Öffnung an der Alexanderkirche in Oerlinghausen noch bedeuten kann

Pastor Klaus Sommer hat eine alternative Erklärung für das vermeintliche Seuchentor

 

[Bild: Für diese kleine Öffnung und ihre Bedeutung an der Alexanderkirche in Oerlinghausen gibt es unterschiedliche Interpretationen. | © Horst Biere]

Oerlinghausen. Es sorgte schon früher für Rätselraten bei Besuchern und Wanderern - das kleine Bauwerk an der Alexanderkirche, das wie ein Eingangstor gestaltet ist. Nun, im Zuge der Corona-Krise, identifizierte Inge Berghoff das Törchen an der Ostseite der Kirche als Sichtdurchlass, damit Seuchenkranke in vergangenen Zeiten am Gottesdienstteilnehmen konnten.

Das sieht Pastor Klaus Sommer jedoch anders. Und er kann sich dabei auf die Erkenntnisse des Bauhistorikers Roland Piper berufen, der vor einem Jahrzehnt die Architektur der Alexanderkirche bewertet hat. Er sagt: „Die kleine Mauernische, die von außen an den Chor der Kirche wie ein kleines Heiligenhäuschen gearbeitet worden ist, stellt an diesem Ort nichts Ungewöhnliches dar. Große Kirchen haben an dieser Stelle oft eine sogenannte Scheitelkapelle, die eigentlich immer der Mutter Gottes Maria geweiht ist.“

Sogenannte Scheitelnische

In romanischen Kirchen finde man häufig hinter dem Hochaltar eine sogenannte Scheitelnische an der Innenwand der Kirche. Diese Nischen sind oft mit Fresken aus dem Leben der Mutter Gottes oder ihrer Grablegung geschmückt.

Die kleine Scheitelnische am Chor der Alexanderkirche dürfte deshalb wahrscheinlich der Mutter Gottes gewidmet gewesen sein und enthielt in vorreformatorischer Zeit eine Madonnenfigur, die gerade auch in Notzeiten von den Gläubigen zum Gebet und zur Verehrung aufgesucht worden ist.

Fenster ergibt hier keinen Sinn

Pastor Klaus Sommer: „Ein Fenster, um an dieser Stelle am Gottesdienst teilnehmen zu können, macht keinen Sinn, da der Blick auf die Rückseite des Hochaltars gefallen wäre.“