Wertvolles Geschenk an die Lipper

Gräfin Amalie von Dohna stiftete der Alexanderkirche in Oerlinghausen 1688 eine Orgel

Von Werner Höltke und Bernhard Preul

 

Beim Besuch der Oerlinghauser Alexanderkirche, deren buntverglaste Chorfenster einen herrlichen Blickfang bieten, lohnt es sich auch, die prachtvolle, 1688 erbaute holländische Barockorgel auf der Empore zu betrachten.

Was mag die lippische Herrschaft bewogen haben, der Oerlinghauser Kirche in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, nur 30 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg und ein paar Jahre nach der „Münsterschere Invasion" durch die Regimenter des Fürstbischofs Bernhard von Galen, eine so wertvolle Orgel zu stiften?

Bei der Heirat von Graf Simon Henrich zur Lippe mit Gräfin Amalie von Dohna war ihr holländisches Erbe Brederode dem Hause Lippe zugefallen. Durch die Anwesenheit des Großen Kurfürsten als Trauzeuge bei der 1666 in Kleve stattgefundene Hochzeit wurde dokumentiert, daß die Besitztümer von Amalie von Dohna auch in der Mark Brandenburg beträchtlich waren. Die durch eine gewisse Prunksucht bekannte Gräfin hatte bei den Jagdausflügen der gräflichen Gesellschaft Oerlinghausen und seine Kirche kennengelernt und sich bewogen gefühlt, der Kirche eine Orgel zu stiften.

In der Zeit des Orgelbauens hat das lippische Grafenpaar die Dorfschaft Oerlinghausen mehrfach besucht. Als Hinweis auf die großzügigen Spenden trägt die Orgel ein aufwendig geschnitztes hölzernes Wappen, das den Einfluß der Amalie von Dohna deutlich macht: die aufrechtstehenden Löwen und die gekreuzten Geweihe des von Dohnaschen Familienwappens beanspruchen die gesamte rechte Seite. Die lippische Rose wird auf zwei Schildern, ebenso der Stern für Sternberg mit der daraufsitzenden Schwalbe für Schwalenberg dargestellt. Das Wappen von Vianen, der lippischen Besitzung in Holland, stellt drei weiße Maueranker dar, während das Wappen von Ameiden einen mit roten Eisenhütlein belegten Querbalken zeigt. Die französische Herzogskrone über dem Wappen soll den Lebensstil des prunksüchtigen französischen Hofes wiedergeben, den die lippische Herrschaft nachzuahmen versuchte.

[Bild: Die prachtvolle, 1688 erbaute, holländische Barockorgel ist mit einem Wappen geschmückt.]

Im Laufe der Zeit mußten öfters Reparaturen an der Orgel wegen Geldmangels zurückgestellt werden, die Klangregister waren am reparaturanfälligsten. Als 1820 die Blasebälge auseinandergefallen und von manchen Pfeifen nur noch die Füße vorhanden waren, kam man um eine größere Erneuerung durch Orgelbaumeister Iverding aus Dringenberg nicht herum.

Die Alexanderkirche in Oerlinghausen: Die durch ihre Prunksucht bekannte Gräfin hatte bei den Jagdausflügen der gräflichen Gesellschaft Oerlinghausen und seine Kirche kennengelernt.

In den Jahren 1886 bis 1888, als Pastor Reber die Oerlinghauser Kirche betreute, wurde an der Orgel wieder ein gründlicher Umbau vorgenommen. Hierbei wurden die Pfeifen von 48 auf 54 Töne erweitert. Diese Arbeiten führte damals der Orgelbauer Klasmeier aus Kirchheide bei Lemgo aus.

Erwähnenswert ist das Wirken von Lehrer Dreier als Organist der Kirche. In den drei Jahrzehnten seiner Tätigkeit wurde er nicht nur in Oerlinghausen als Meister des Orgelspiels bezeichnet.

Schon vor dem zweiten Weltkrieg hätte dje Orgel jedoch gründlich überholt werden müssen. Da anderes Vorrang hatte, wurde die von Pastor Schwarz des öfteren gestellte Forderung nicht erfüllt. Bei der Konfirmation des Jahrgangs 1929 im Jahre 1943 erklärte Pastor Schwarz, daß ihm von höchster Stelle ein Umbau der Orgel nach Kriegsende versprochen sei.

Bei den Kämpfen in und um die Kirche waren am 1. Ostertag 1945 im gesamten Kirchenbereich größere Schäden entstanden. Auch an der Orgel waren mehr als 100 Pfeifen zerschossen.

Für die Erneuerung des Prospektes wurde im Sommer 1946 die Firma Gustav Steinmann aus Wehrendorf bei Vlotho beauftragt. Die Arbeiten waren gut gelungen und so war es kein Wunder, daß das erste Konzert auf der Orgel von Karl Brenker aus Lemgo ein einzigartiges Erlebnis wurde.

Beim Rückblick auf die Geschichte der mehr als 300 Jahre alten Barockorgel möchte man ihr in den nächsten Jahrzehnten gute Organisten wünschen, die durch ihr Spiel die Besucher mit dem schönen Klang der Orgel erfreuen.