Von alten „Schnatgängen“ (Grenzberichten)

 

Bis zum Jahre 1500 n. Chr. scheint unsere Senne - damit meine ich das Gebiet südlich des Menkhauser- und Barkhauser Berges - ein leeres, verlassenes Land gewesen zu sein. Die Heide war mannshoch, dick wie ein Spazierstock; in den Mulden stand fauliges Wasser, das nicht durch den Ortstein versickern konnte. Die Ortsbezeichnung “Fauler Grund" deutet noch heute darauf hin. In den Bachtälern und an feuchten Stellen wuchsen Weiden, Eichen und Erlen. Im Flurbuche ist die heutige Wohnstätte der Familie Jansen noch unter der Bezeichnung „In den Ellern“ eingetragen, und die Alten nennen sie noch „Ellernkotten“. Im unteren Teil der Senne lagen einige große Teiche, deren Fischreichtum den Bewohnern eine willkommene Bereicherung zu den kargen Mahlzeiten bot.

Dieses ganze weite Gebiet bis nach Stukenbrock hin wurde als Weideland benutzt; zu allen Jahreszeiten wurden die Schafe, Ziegen und die Rinder draußen gehütet, da man noch keine Stallfütterung kannte. In den Sommermonaten fanden die Tiere in den Niederungen ein bescheidenes Futter, im Winter mußten sie mit dem Heidekraut, das ja wegen seiner Größe aus dem Schnee hervorlugte, zufrieden sein. Gegen Mittag und Abend führte man die Tiere zum Bach, damit sie trinken konnten. „Drift- oder Triftwege“ führten an die Tränkestellen. So ist der Weg vom Pollmannskruge an der alten Schule vorbei und weiter bis nach Oerlinghausen unter dieser Benennung im Flurbuche eingetragen. Ein weiter Weg ging vom Bartholdskruge nach Oerlinghausen; er ist in den letzten Jahren umgepflügt und Weideland geworden.

Wem gehörte nun dieses große, weite Gebiet? Damals waren Grafen, Fürsten und Bischöfe die Herren im Lande. Sie wachten mit größter Aufmerksamkeit über ihren Besitz und ließen die Schnat (Grenze) öfters durch Schnatgänge überprüfen, dabei wurden die Ergebnisse oft schriftlich festgehalten. So heißt es im Lippspringer Vertrag von 1567: „Die Schnat geht straks den Hellweg aus durch den Schwartzen Teich und die Dalbke bis an die Schnatbüchen.“ Die folgenden Berichte werden dann immer präziser. 1598 wird berichtet: „Vor Welschmeiers Brock stehet ein Stein, ober dem Schwartzen Teich, vor demselben ist die lipp. Rose weggeschlagen.“ 1641 wird in einem solchen Berichte Kindsgrab erwähnt. Es heißt da: „Der Schnatfluß gehet hinter der Menkhauser Mühle her und hinter dem Kindsgraben, da sie dann den Namen Schopbeke verliert und Dalbeke genannt wird.“

Ein Schnatbericht von 1781 meldet: „Die Schopbeke, welche linker Hand unterhalb Friedhofs Kotten herunterkommt, fließet bis zum Menkhauser Mühlenstau. Von hier an dem preuss. Wiesenfelde und ferner bey lipp. Hütten Adolfs Kotten vorüber, wo sich in der Senne ein Stau befindet, wodurch das Wasser z. T. nach den lipp. In der Senne gelegenen Kotten und von da in den Schwartzen zum Dalbker Hof gehörigen Deich geleitet wird. N. B. (wohlgemerkt) Die Sennekötter müssen dieses Stau unterhalten, allein der Dalbkemeier muß das Holz dazu hergeben. Dieses Stau ist von der Herrschaft angelegt, und das Holzwachs an der Grenzbache hat die Landesherrschaft von alten Zeiten herprätendieret (verlangt). Die Hauptsache, die Söbbeke, laufet auf den Kindsgraben Kotten im Lipp, herunter und von da bei dem Dalbker Hoff vorbey bis an die Grenze der Grafschaft Rietberg, wo nicht weit von der Bache dreyherrisch gemeinder Grenzstein, so Lippe, Preussen und Rietberg voneinander scheidet, gestanden, so aber nicht mehr beyhanden. Der Einwohner auf dem Dalbker Hoff behauptet, es seien dieser Stein schon bey 10 Jahren nicht mehr beyhanden und also ein neuer Stein an dessen Stelle gesetzt werden muß.

[Bild: Ein „dreiherrischer Grenzstein“]

[Bild: Wenzel Wolf, Graf zu Rietberg - 1757]

Diese Grentze determiniert (bestimmt) vorbemelter preussisch, rietbergischer und lippischer abhanden gekommener Grenzstein. Dieser hat seine Bestimmung in Ansehung der lipp. Grenze auf dem oben an dem Weg befindlichen mit allen 3 Wappen behauenen Grenzstein, also daß die lipp. Grenze gegen die Grafschaft Rietberg mehr nicht als 24-30 Schritt breit ausmacht. Aller Vermutung nach mag die Grentze bloß um der Ursachen erwachsen sein, damit man recta, ohne Ravensberg und Paderborn zu berühren, aus dem lippischen ins Rietbergische Land und vice verha kommen konnte.

Nach einer cleveschen Schrift ist dieser verlorengegangene Stein Anno 1581 gesetzt worden und beide Steine 1602 noch bekannt gewesen.“ Später sind die beiden Steine wieder gesetzt worden. Sie stehen heute noch und sind von jedem Heidefreunde leicht aufzufinden.