Bürger auf Schmugglerrouten

Freizeit: Die Wandertage mit Bürgermeister Dirk Becker und kundigen Wanderführern werden offenbar immer beliebter. Diesmal ging‘s ins lippisch-preußische Grenzgebiet

 

[Bild: Ganz in Grün. Die Naturparkführer mit den laubgrünen Jacken begleiteten die Wanderung mit vielen Informationen: Wilfried Kohlmeyer (v. l.), Edda Affeldt und Otmar Lüke. Rechts neben Kohlmeyer steht Bettina Schneider von der Stadt Oerlinghausen, die für die Organisation der Tour verantwortlich war. | © Horst Biere]

[Bild: Spaß am Wandern. Über 100 Teilnehmer waren diesmal zum Startpunkt am Rathaus zur Herbstwanderung mit Bürgermeister Dirk Becker gekommen. | © Horst Biere]

Oerlinghausen. Wandern boomt offenbar immer mehr in Oerlinghausen. Weit mehr als 100 Teilnehmer waren diesmal zur Herbstwanderung mit Bürgermeister Dirk Becker gekommen. „Da hat unsere Initiative, die wir im Frühjahr gestartet haben, noch einmal um 50 Prozent zugelegt“, sagte Dirk Becker und freute sich, als er die große Schar der Wanderfreunde am Rathaus willkommen hieß. Und nachdem das Frühjahrs-Wanderziel einen Besuch des Naturschutzgroßprojektes in der Senne bildete, ging es nun auf der Herbstwanderung durch die Schopke und über die Lämershagener Berge zum Bartholdskrug.

„Vor zwei Jahrhunderten stand der Bartholdskrug genau an der lippischen-preußisch Grenze. Also werden wir heute durch die frühere Schmugglergegend zum bekannten Schmugglerlokal wandern“, verriet Dirk Becker schmunzelnd. Mit dabei waren als Experten die Naturparkführer Edda Affeldt, Otmar Lüke und Wilfried Kohlmeyer. Wilfried Kohlmeyer war es auch, der die etwa acht Kilometer lange Wanderroute zum Bartholdskrug mit vielen interessanten Informationen garnierte.

So erwähnte er im Schopketal die große Bedeutung des Baches Schopke für die Wasserbewirtschaftung Oerlinghausens in früheren Jahren.

Auch als „Energielieferant“ diente der Schopkebach. „Denn allein drei Mühlen haben vor Zeiten hier mit Genehmigung der lippischen Regentschaft, das Korn der umliegenden Bauernhöfe gemahlen“, erklärte Kohlmeyer. Über die zahlreichen Besitzwechsel von Gütern und Höfen zwischen den Ravensberger- und lippischen Grafenhäusern sprach er im Bereich Markengrund. Es habe ständige Grenzprobleme zwischen den beiden autonomen deutschen Kleinstaaten gegeben.

Die Einkehr im Bartholdskrug bildete dann eine willkommene Rast für die zahlreichen Wanderfreunde. Aber hier gab es nicht nur einen Imbiss zur Stärkung für den Rückweg sondern auch wieder zahlreiche Details aus der wechselvollen Geschichte des Kruges. Wanderführer Otmar Lüke beschrieb, wie zu Zeiten vieler Zollgrenzen und kleiner deutscher Staaten die „Schmuggelmafia“ arbeitete. Otmar Lüke: „Die Waren aus Übersee beispielsweise transportierte man mit Binnenschiffen die Weser hinunter bis zum einzigen lippischen Hafen in Erder. Dort wurden die Güter für das preußische Bielefeld mit Pferd und Wagen über Land bis in die Lippische Reihe und zum Bartholdskrug gebracht“. Bei Nacht und Nebel trugen dann junge Leute in Zusammenarbeit mit dem Schankwirt des Kruges die Güter illegal über die Grenze.

„Ein gefährliches Unternehmen, denn die preußischen Grenzsoldaten fackelten nicht lange und schossen gezielt auf die Schmuggler“, berichtete Lüke, „aber so sparte man die hohen Zölle, die die Waren verteuert hätten“. Mit vielen neuen Eindrücken versehen wanderten die Teilnehmer nunmehr auf direktem Weg durchs Schopketal zurück zum Startpunkt am Rathaus. Es war, so hörte man von mehreren Wanderfreunden, wieder einmal eine gelungene Mischung aus geschichtlichen Informationen und attraktiven Wanderstrecken in der Oerlinghauser Naturlandschaft.