Naei, dat dau ick nich!

Leser erinnern sich an das Kriegsende - Volkssturmmann: Ausguckposten auf dem Mühlenbrink

 

Bielefeld-Dornberg. Helga Mönkemöller, Auf dem Kley 7, wohnte als Kind in Kirchdornberg. Sie erlebte aus nächster Nähe mit, wie sich die Kirchdornberger auf das Eintreffen der Amerikaner vorbereiteten:

Es begab sich zu der Zeit (etwa acht Tage vor Ostern), daß auch in Kirchdornberg der Pastor zusammen mit der Lehrerin beratschlagte, wie man wohl die einrückenden Amerikaner empfangen sollte. Der Entschluß, diesen mit einem weißen Bettuch entgegenzuziehen, wurde doch nicht in die Tat umgesetzt.

Der Ortsgruppenleiter trommelte, als es dann ernst wurde, seine Volkssturmmänner auf dem Schulhof zusammen. Die Parade war mehr bunt als militärisch, teils trug man Zivil, teils Uniform. So manchem war klar, daß die vorgetragene Verteidigungsstrategie wohl nicht mehr erfolgreich sein würde. Ganz besonders funktionierte das Gehirn in dieser Hinsicht beim Volkssturmmann K. Er drehte sich um aus der gerade ausgerichteten Reihe, drehte dem Ortsgruppenleiter seine Hinterpartie zu, hechtete mit einem eleganten Stützschwung über den Lattenzaun und ward nicht mehr gesehen.

Nachdem die Panzersperre am Ortseingang aufgebaut war, wurde diese Festung von einem echten preußischen Bergwerksdirektor (ein Bergwerk gab es wirklich in Dornberg) im Spritzenhaus bewacht. Volkssturmmann L. war als Ausguckposten auf dem Mühlenbrink postiert und hatte dort die erste Feindeinsicht. Da aber noch in Jöllenbeck gekämpft wurde, kam in Kirchdornberg noch keiner der anrückenden Feinde in Sicht.

Volkssturmmann L. hatte von Zeit zu Zeit im Spritzenhaus Bericht zu erstatten. Dies tat er auch um die Mittagszeit und erhielt den kategorischen Befehl: „Volkssturmmann, bringen Sie mir das Essen!“ Dies wurde nochmals kategorisch wiederholt. Doch Volkssturmmann L. sagte: „Naei, dat dau ik nich!“ Sprach's, ging gelassen in seine heimatlichen Gefilde und aß selbst zu Mittag. Der pflichtbewußte Vorgesetzte mußte hungrig bleiben. Er hatte nämlich der Aufforderung von Volkssturmmann L. „Hal Di dat Essen sümst!“ nicht Folge geleistet.

Vielleicht ist, so makaber es sein mag, oft zum Kriegsende (der Feindeinmarsch war letzten Endes in Kirchdornberg ganz unblutig) noch etwas Lustiges passiert.