In der Heimat, in der Heimat, da gabs ein Wiedersehn
Von Willi Soll
Denk ich zurück an meine Ferientage
im schönen Teutoburger Wald
war es doch schön wenn wir uns trafen
beim Pumpenhaus im Schopketal.
Wohin, brauchten wir nicht überlegen
gingen wir doch auf Heimatwegen,
ob wir zu drei oder zu zwei
unser Kurs hieß Senne - Lippereihe.
Wo das Schopkebächlein krumm sich windet
seinen Weg zur Senne findet,
Wenn auch nicht
sehr Wasserreich
mündet in den Dalbketeich.
Und so kamen wir bald an
bei dem Hause Hüttemann,
wo der Sennebauer pflügt und düngt
Korn und Heide zur Scheune bringt.
Man ging nicht einfach irgendwo
wir gingen über Kindsgrabhof,
dann weiter bis zum Pollmannskrug
wo man Pickert essen kann genug.
Wo man trinkt den guten Lipperkorn
in Lemgo- Oerlinghausen- bis Paderborn
Wo unsere Mama einst geboren
baut man heute' E.-Motoren,
wo die Kunststoff-Industrie
Konjunktur hat wie noch nie
Keine Feier ohne Eier
sagte Bauer Sültemeier,
Dann braucht man nicht weit mehr gehen
wo die Südstadt wird entstehen.
Wo schwitzend hinter seinem Pflug,
ging Wilhelm Kopp aus dem Lupinenkrug.
Wo die Segelflieger steile Kurven drehen
sich die Bergstadt aus der Luft ansehen,
wo man Steine preßt und gleich verladet
wo man Tore schießt und kühl man badet,
wo man Kalk brennt ohne Ende
für viel schöne Häuserwände.
Wo man außerdem dann noch
schöne Möbel macht bei Richard Koch.
Wo man sich wohl fühlt wie zu Hause
beim kühlen Trunk in der Germanenklause,
und wer da glaubt, Er hat noch nicht genug
der nimmt noch einen im Kastanienkrug.
Wo sich Rentner treffen am Wochenende
in der schönen Waldesruh,
schütteln einander kräftig die Hände
prosten sich brüderlich zu,
Wenn alle am Stammtisch recht fröhlich sind
ein Gruß von mir, aus der Stadt im Nordseewind.
Wer stets gesorgt für gutes Bier,
"Haus-Kochsiek" in der Bergstadt hier
Wo Moritz sagte, Irma geh voraus
bringe den Segen in unser Haus.
Wo von Pustkuchen bis Löhr
die Straße gleicht wohl einem Nadelöhr.
Wo bei Niewald- Ehlebracht
Zieglerarbeits-Verträge wurden gemacht.
War es der Eimer, war es der Pott
ging man zu Klempner Tintelnot,
Wo Siegfried oft saß auf der Lauer
gegenüber auf der Mauer,
doch mancher Kunde ihn verließ
und ging lieber zu Paradies.
War es die Uhr, so ging man tenger
zum Uhrenmeister Georg Sprenger.
Hemdenpaase, Linnen un Twernt
koffte man bui Altenbernd,
Drei Häuser weiter war man dann
bei Fridrich Wilhelm Westermann.
Für fünfzehn Pfennige in bar
schnitt Putzer-Reuter uns das Haar
und wenn er es gut geschnitten hatte
Twindig Penge, gruissen Pappe.
Ja man erzählt sich heute noch Witze
von den Gendarmen „Mottenfritze"
hatte Er mal einen beim Schlawitchen
gings ab nach Vorwerk hin ins Kitchen
kam so ein Häftling nicht gleich frei
und wurde dessen ungeachtet
schon bald nach Detmold hin verfrachtet
und Vorwerk hatte grade geschlachtet
bekam er erst noch Wurstebrei.
las viele Alte wohl noch wissen
wenn die Gardrobe war zerschlissen
ging man zu Kaufmann Asemissen,
man kaufte preiswert und auch gut
zu Pfingsten auch den Sommerhut.
Herr Mangelbecker nebenan
das war bestimmt kein armer Mann,
Er rauchte Pfeifen kurz und lang
doch von den Tabakblättern nur den Strang
und saß dann oft in der Veranda
bis Abends spät mit der Amanda.
Bald stand man dann nach Freitag - Weeke
bei August Reuter an der Theke,
und sah nach Wachsmuts Apotheke.
Hach Heinrich Bremer klein und rund
so cirka hundertachtzig Pfund,
verkaufte Öfen Herde Besen,
behüt‘ ihn Gott, ein feiner Kaufmann
ist er stets gewesen,
er schenkte auch Bier und Schnäpse ein
für Alt und jung und groß u. klein
und ging ein Gast des Abends heim
rief Er, auf Wedersehen, kuck mal wieder rein
Wo heute der Stadtdirektor thront
hat Joel Meyer einst gewohnt, stets Kavalier und immer eitel
von der Sohle bis zum Scheitel,
den Schnurbart immer spitz gedreht
mit Schnurbartwichse und Pomade
wie ihr es heute nicht mehr seht
Gern standen wir als Kinder dann
vor dem Schaufenster bei Meierjohann
wir drückten uns die Nase platt
ganz neiderfüllt, wer hat der hat.
Bei Bäcker Büker gegenüber
steht heute wie ihr wißt für alle,
für den Busverkehr die Wartehalle.
Wo die Busse kommen, gehen
Reisende sich wieder sehen,
Wo man scheidet, weint und winkt
leise ein Abschieds - Liedel singt.
Wo Busfahrer starten unverdrossen
nach Sieker über Hillegossen,
vorbei an Feldern, Flur und Weide
nach Detmold über Pivitsheide.
Einmal am Tag fährt auch ein Wagen
über Königshof und Lämershagen.
Wer Sinn für schöne Häuser hat,
der fährt nach Süd und Sennestadt.
Und kommt man nach der Heimat wieder
Viel Jugendfreunde sieht man nicht wieder,
Habe über viele nachgedacht,
an August Ober, August Bracht
mit den man heute noch mal lacht,
Auch sonst noch mal eine treue Seele
Freund Gustav Becker, Robert Schütte
am Welschenweg, noch Heinrich Pehle.
Liegt auch schon mancher alte Knacker
bei Kindsgrab auf dem Gottesacker.
Aber, wo im Näh und Webesaal
heute wie anno dazumal,
helle klare Mädchenstimmen
schöne Heimatlieder singen.
Wo oben an des Tönsbergs Höhn
Am Philosophen oder Piperweg
zum Ausruhen schöne Bänke stehn,
die dort gerne spazieren gehen
Und sollte mal ein Leid geschehen
sie werden niemals aus einander gehen.
Wo unten vor dem Landerhause
viele Bergstadtfrauen machten Pause
weil sie sich meistens übernahmen
wenn sie weit aus dem Preus‘schen kamen
mit Heide oder Fichtennadel-Pucken
um nach der Kirchenuhr zu kucken.
So was konnte man nur finden
beim Landerhaus mit den drei Linden
Wo man singt schön war die Jugendzeit
wo Alt und Jung das Herz erfreut
Ja, dort tat ich gern verweilen
dorthin die Gedanken eilen,
deshalb sende ich dir gerne
Geburtstag-Grüße aus der Ferne,
Bremerhaven - Weserstrand
Oerlinghausen - Heimatland.
6. September 1968
[Dein Bruder Willi]