Witterungverhältnisse aus dem Amte Oerlinghausen
Lippische Landeszeitung Nr. 33 vom 09. Februar 1880
Für gewöhnlich nimmt man an, daß die Kälte in hochgelegenen Orten stärker ist als in tiefer liegenden. Allein es ist nicht immer der Fall. Es heißt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme.
In letzterer Zeit hatte Schreiber dieses Artikels, Gelegenheit, einen auffallenden Kontrast in den Wärmeverhältnissen zwischen dem hochliegenden Oerlinghausen und den tiefliegen Gegenden hiesigen Amts beobachten zu können. Die tieferliegenden Gegenden hatten des Morgens bei Sonnenaufgang 6 - 9 Grad Kälte. Sie war am stärksten in den Orten, welche an der Windwehe oder an offenen Gewässern liegen. In Oerlinghausen fiel dagegen das Thermometer selten unter Null. Es herrschte bei völliger Windstille daselbst eine reine laue Luft, wie man dieselbe in jetziger Jahreszeit daselbst selten genießen kann; eine Luft, welche der Luft in den klimatischen Kurorten der Schweiz ähnlich sein muß.
Ob im ersten Falle das offene Wasser eine große Menge Wärme verschluckt oder die Verdunstung desselben dies starke Fallen der Temperatur bedingt, wage ich nicht zu entscheiden.
Vielleicht findet sich jemand veranlaßt, uns hierüber nähere Auskunft zu ertheilen.