50 Goldmark Belohnung ausgesetzt
Auszug aus der „Freien Presse“
Trotz des unaufhaltsamen Wachsens der Bewegung, diese Jahre waren alles andere als leicht. Gustav Diekhof, einer der Alten, der vom ersten Tage des Bestehens des Ortsvereins an mitgemacht hat, erzählt: „Bis nach Schötmar und weit in die Senne hinein, haben wir Flugblätter verteilt. Da kam es schon vor, daß die Hunde losgemacht und auf uns gehetzt wurden. Oder die Polizei kam und nahm uns die Flugblätter weg. Damals erhielt der Wähler bei der Wahl auch noch keinen Stimmzettel mit dem Namen der Kandidaten aller Parteien. Vor dem Wahllokal versuchte man die Leute anzusprechen und ihnen die Stimmzettel seiner Partei zu geben. Wie froh war ich, als ich einmal in Kachtenhausen vier Stimmen geworben hatte."
Viel Schmunzeln gab es in Oerlinghausen, als einmal vom Tönsberg die rote Fahne wehte. Die Feuerwehr wurde alarmiert und zog sie ein. Für die Ergreifung der „Übeltäter" war eine Belohnung von 50 Goldmark ausgesetzt worden; die wollte sich aber niemand verdienen.
Auch im Weltkrieg kam die Arbeit des Ortsvereins nicht zum Erliegen, und schon bei den ersten demokratischen Wahlen nach dem Völkerringen, stellte die Sozialdemokratische Partei eine erhebliche Anzahl der Abgeordneten und errang in den zwanziger Jahren die Mehrheit im Gemeinde- und später Stadtparlament.
Dann kamen die dunklen Jahre des Naziregimes. Bewaffnete SA rückte in die Bergstadt ein und besetzte das Rathaus. Viele aufrechte Sozialdemokraten verloren ihre Arbeitsstelle und blieben lange Jahre arbeitslos. Mancher floh oder verzog, um den Nachstellungen zu entgehen. So auch Hausmann, der damalige Leiter der Konsumverkaufsstelle, der flüchten mußte, dann aber doch eingekerkert wurde und heute noch unter den durch die Verfolgung erlittenen Schädigungen leidet.
Aber auch diese Zeit ging vorüber. 1945 wurde die Arbeit sofort wieder aufgenommen. Mit 150 Mitgliedern begann der Ortsverein. Heinrich Kramer war der erste Ortsvereinsvorsitzende, der ein Jahr später der erste sozialdemokratische Bürgermeister Oerlinghausens wurde. 230 Mitglieder zählt der Ortsverein heute und ist damit der größte im Kreise Lemgo. Und noch immer gehen von Oerlinghausen, wie schon damals in den Zeiten des ersten harten Kampfes befruchtende Impulse ins Land weitum. Politisch bewußte Menschen setzten einen Meilenstein auf den Weg in eine glücklichere Zukunft.
-hue-