50 Jahre SPD in Oerlinghausen
Oerlinghausen. „Wenn der sozialdemokratische Verein in Oerlinghausen auch erst im Februar 1906 gegründet wurde, so herrschte doch schon seit Jahrzehnten ein starkes sozialistisches Wirken. Mit Rücksicht auf die eigenartigen Verhältnisse wurde zunächst- die lose Form der Betätigung aufrechterhalten, bis der allgemeine Arbeiterverein in den 90er Jahren entstand. Schließlich waren es aber gerade die Alten, die die klare Bezeichnung Sozialdemokratischer Verein wollten." So schreibt das „Lippische Volksblatt" im Februar 1931 unter der Überschrift „Parteijubiläum in Oerlinghausen" der das 25jährige Bestehen des SPD-Ortsvereins würdigt. Inzwischen ist wieder ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen. Es brachte die größten Umwälzungen für jeden einzelnen und die ganze Welt, die man sich nur vorstellen kann. Aus dem Brande des zweiten Weltkrieges aber, der die Ära der Hitler-Tyrannei abschloß, stieg der sozialdemokratische Gedanke in Deutschland, wie der Phönix aus der Asche, und heute steht der Ortsverein in Oerlinghausen gefestigter denn je. Heute und morgen werden seine Mitglieder mit ihren Freunden von nah und fern in würdiger Weise des 50-jährigen Bestehens gedenken. In der Feierstunde, die am Sonntag um 14 Uhr auf dem Schützenplatz beginnt, spricht der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Emil Gross. Zugleich werden zwölf Männer geehrt werden, die seit über 50 Jahren in den Reihen der Kämpfer für den Sozialismus mitstreiten, mit ihnen 79 andere, die über 25 Jahre dem Ortsverein angehören.
Das „starke sozialistische Wirken", von dem das Volksblatt schreibt, setzte schon in den Jahren vor dem Bismarckschen Sozialistengesetz ein. 1881 wurden in Oerlinghausen die ersten Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben. Sie lauteten auf den Namen Johann Most. Um die Mitte der siebziger Jahre kehrte der Zigarrenmacher Ebbinghaus aus Hamburg in das Bergdorf zurück. Er pflanzte den Keim des Sozialismus. Mit den Freunden aus Bielefeld fand man sich im Schopketal oder auf dem Tönsberg zu politischer Zwiesprache zusammen. Das Wirken Carl Schrecks wird unvergessen bleiben, der nie den Weg (zu Fuß) von Bielefeld nach Oerlinghausen scheute und hier, wie er selbst sagte, seine zweite Heimat fand.
Das Wirken des Arbeitervereins, zu dem sich Tabakarbeiter und Wanderarbeiter vor der Jahrhundertwende zusammengeschlossen hatten, trug 1900 seine ersten Früchte: unter den ersten sozialdemokratischen Abgeordneten, die in den lippischen Landtag einzogen, war als Kandidat des 7. Wahlkreises der Oerlinghauser Karl Becker.
Untrennbar verbunden mit der Arbeiterbewegung jener Jahre ist der Name Wilhelm Kronshage. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Bildung des Arbeiter-Turnvereins. Im Jahre 1906 sollte der Gesangverein zur Silberhochzeit des Kaiserpaares singen. Da weigerten sich die sozialistischen Mitglieder und gründeten den Arbeiter-Gesangverein „Solidarität". Der Konsum wurde gegründet. In diese Zeit der Aktivität fiel dann im Februar 1906 die Gründung des „Sozialdemokratischen Vereins", der sich ganz selbstverständlich in die Reihe der Sozialdemokratischen Partei stellte.