Alte Flurnamen bei Oerlinghausen - Nachtrag
Auszug aus „Heimatland Lippe“ 1962
Dem Aufsatz des Herrn Otto Rehme im „Heimatland Lippe“ Nr. 4/1962 über Tiere und menschliche Körperteile in unseren Flurnamen mochte ich gern einiges hinzufügen. Alter und augenblickliche Gebrechlichkeit erlauben mir zur Zeit nicht das Nachlesen der Aufzeichnungen beim Katasteramt, ich führe daher aus dem Gedächtnis an:
Keohbraken (Kuhbraken), Keohdrift (heute Triftweg), Kanuinkenbrink, Ziegenbrink, Hasebrink. Lapuinenkreog (nicht Lupinenkrug), am Stukenbrocker Weg ein einsames Haus, eine alte Schmugglerbleibe, deren Name sich auf Kaninchen oder Hasen bezog. Erwähnt sei hier der Kötelbrink, Sammelpunkt der Herde vor dem Austrieb zur Weide. In Bielefeld hat man den Ausdruck bereits im vorigen Jahrhundert durch das Wort „Kesselbrink“ getarnt, hier ist er verschwunden. Bocksick - als Straßennamen heute „Boksiek“ geschrieben - hat nichts mit Böcken, sondern mit Buchen zu tun. Ich neige zu der Annahme, daß auch der von Herrn Rehme genannte Name Bockstal eine Buchenniederung bedeutet. Up’n Eikensteert ist ein Feldstück mit Wohnstätte in Asemissen. Pansheide, entstanden aus Pagensheide, ein Ortsteil in Asemissen, wo früher Jungpferde in mehr oder weniger Freiheit gehalten wurden. Schopke = Schopbieke ist der Bach, in dem die Schafe gewaschen wurden. Saugrund, ein nach Süden abfallender Taleinschnitt des Menkhauser Berges. Taubengrund heißt eine liebliche Waldlichtung in Oerlinghausen-Nord, nahe der Hanegge. Gauseflucht ist das Geländestück, an dem die Detmolder Straße nach Osten in ein starkes Gefälle übergeht. Krähenbruch, Gehölz in der Nähe des Oerlinghauser Bahnhofes. - „Breitees“, die Benennung des Geländes könnte durchaus zutreffen; auch das Katasteramt hatte bereits im vorigen Jahrhundert den Namen in seinen Karten mit „Breitars“ verhochdeutscht. Dennoch liegt hier ein Irrtum vor. Der richtige Name ist „Breite Esch“; eine Straße in dem jetzt besiedelten Gebiet hält diesen Namen fest. Judennase ist ein Teilstück des Weges zwischen Scherenkrug und Oerlinghausen. Filliespatt heißt ein schräg über den Tönsberg hinter dem Ehrenmal vorbeiführender Weg, den einst ein Mann namens Fillies bis zu seiner Behausung an den Hinterbergen unzählige Male gegangen war. Das Katasteramt hat aus dem Wege einen „Filiuspfad“ gemacht.
Karl Hölter, Oerlinghausen