Blickfang auf zwölf Seiten

Für den guten Zweck: Der Foto-Kalender des Lions-Club Oerlinghausen findet immer mehr Liebhaber. Menschen, Gebäude und Szenen laden dazu ein, in Erinnerungen zu schwelgen

 

[Bild: Vorgeschmack: Horst Biere (l.) und Karl Banghard präsentieren den neuen Alt-Oerlinghausen-Kalender, der ab sofort erhältlich ist. Das bunte Titelbild zeigt den Simonsplatz an der Straßenkurve mit dem Alten Gasthaus Nagel. Auf dem September-Bild (r.) ist das seinerzeit gut besuchte Modegeschäft Paradies am Simonplatz (heute Cafe ZaBo) zu sehen. (© Karin Prignitz)]

Oerlinghausen. Der Simonsplatz, auf dessen altem Kopfsteinpflaster sich Kinder in Sonntagskleidung Anfang des 20. Jahrhunderts für ein Postkartenmotiv aufgestellt haben. Der weite Blick über Häuser und Wiesen bis zum Turm der Alexanderkirche im April 1926, als Oerlinghausen mit seinen damals 3.000 Einwohnern nach diversen Eingaben an das Fürstlich-Lippische Verwaltungsamt endlich die Stadtrechte erhielt. Viele weitere seltene Motive und interessante Informationen sind auf dem neuen Kalender "Alt-Oerlinghausen" zu entdecken.

Noch ist er druckfrisch verpackt. Spätestens im Januar aber dürfte der 30x35 Zentimeter große Kalender die Wände vieler Bergstädter Wohnungen zieren.

Zum mittlerweile dritten Mal haben der Journalist Horst Biere und Karl Banghard, Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen und derzeitiger Past-Präsident des Lions-Clubs, zwölf Bilder zu einem Gesamtwerk zusammengefügt. "Wir haben versucht, die Geschichte hinter dem jeweiligen Bild zu erzählen", erläuterte Horst Biere. Geschichten, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen seien. Alle aber beschäftigen sich mit markanten Ereignissen in der Bergstadt.

Für 16 Euro zu haben

•          Der in einer Auflage von 300 Stück gedruckte Kalender „Alt-Oerlinghausen" kostet 16 Euro.

•          Im vergangenen Jahr ist der gesamte Erlös in den Oerlinghauser Kinderfonds geflossen. Diesmal sollen vom Geld musikalische und kulturelle Zwecke in der Stadt unterstützt werden.

•          Die Kalender liegen in diversen Verkaufsstellen in Oerlinghausen aus, unter anderem in der Buchhandlung Blume und im Allianz-Büro Knörrich sowie in der Buchhandlung Lesegarten.Er ist auch bei der Neuen Westfälischen in Schloß Holte. Holter Kirchplatz 21 -23, erhältlich.

Einiger Recherchen hat es dafür bedurft. Bei der Auswahl der Fotos hingegen konnte aus dem Vollen geschöpft werden. Dank eines spektakulären Bilderfundes auf einem Oerlinghauser Dachboden, der einen Koffer voller guterhaltener Glasdias in Schwarz-Weiß beherbergte. Straßen und Menschen aus der Bergstadt früherer Jahre sind auf ihnen zu sehen, die seinerzeit von Volksschullehrer Hermann Diekmann fotografiert worden waren. Der Finder der Bildersammlung, Karl Heinz Kaldinski, hatte die Sammlung an Karl Banghard übergeben. Gemeinsam mit Horst Biere hat er die historischen Zeugnisse der Vergangenheit nun wiederum zu einem informativen und attraktiven Kalender zusammengestellt. Dabei begeistert nicht nur die Rarität, sondern auch die ausgesprochen gute Qualität der Bilder. Neben dem kolorierten Titelbild, auf dem der Simonsplatz zu sehen ist, gibt es ein weiteres farbiges Foto. Auf dem Dezember-Kalenderblatt ist die winterliche Hauptstraße mit dem verschneiten Aufgang zur Melmschen Apotheke und der Gastwirtschaft Georg Reuter (Altdeutsche Bierstube) zu sehen.

"Durch nachträglich filigrane Bildbearbeitung mit Gelb und Blau kam Farbe ins Bild", beschreibt Horst Biere den damals noch äußerst aufwendigen Prozess der Bearbeitung.

Karl Banghard verweist auf das Foto auf dem April-Blatt. "Ein kleines soziales Gemälde in Top-Qualität", das einen Ausflug in die Industriegeschichte der Stadt zeigt. Kinder vergnügen sich 1929 an einem mit Wasser gefüllten ehemaligen Schachtloch.

Dass Oerlinghausen einmal sein blaues Wunder erlebt hat, weil die Stadt eine Hochburg der Blaufärberei war, auch dafür gibt es den Fotobeweis. "Ein extrem seltenes Bild", konstatiert Karl Banghard.

Sicher ist, dass der dritte noch lange nicht der letzte Alt-Oerlinghausen-Kalender sein soll. "Es gibt noch viele schöne Fotos für die nächsten Jahre", sagt Horst Biere. Mittlerweile habe sich der Fundus sogar noch erweitert. Mit Bildern, die Oerlinghauser womöglich noch auf dem Dachboden gefunden haben. "Die beste Konservierung eines Bildes ist die", sagt Karl Banghard, "wenn man es veröffentlicht."