Der Landerbusch
Der Landerbusch ist seit 1920 städtischer Besitz und gehört zu dem ganzen Komplex den die Stadt damals von den Berkemeierschen Erben, der Familie Limberg zu Detmold erworben hat. Die Berkemeiers hatten diesen Besitz 1752 aus der Konkursmasse des letzten Vogtes Bracht erworben. Auf den Flurkarten hat dieser ganze Komplex die Bezeichnung "Die Lander“. Sowohl das Landerhaus (bis 1828 war es nur der Landerkotten) als auch sämtliche heute bebauten Grundstücke rechts des Landerweges und der Landerbusch bis unten zum Bach gehörten dazu, insgesamt mit einer Größe von 17.193 m2. Zu diesen Erwerb im Jahre 1920 gehörten auch noch Senne-Tönsberg und Holzteile (vorm Obernberge) in einer Größe von 52.241 m2.
Seit 1928 war der Landerbusch ein Vogelschutzgehölz, wovon durch Umweltsünden nichts übriggeblieben ist. Der tiefe Taleinschnitt, der früher den Hauptbestandteil des Vogelschutzgehölzes bildete, fing da an wo heute das Pumpwerk für die Abwasserleitung steht. Die Talsohle lag etwa 10 - 12 mtr. unter dem jetzigen Niveau.
Drei Quellen traten im oberen Teil zutage. Zudem nahm die Schlucht die Oberwässer vom südwestlichen Teil des Tönsberges auf, welches über die Niedernstraße - Göddernstraße auf natürlichen Wege dorthin abfloß. Seit 1930 zusätzlich den Kanalüberlauf Göddernstraße.
Die bei Gewittern sehr stark abfließenden Wassermengen führten viel Sand mit sich und hatten im Laufe von Jahrzehnten die Talsohle vollkommen eingeebnet, so daß das Quellwasser nur ganz langsam abfloß. Die im Talgrund stehenden Kopfweiden trugen zu der dort herrschenden Fauna und Flora bei.
Der Hohlweg der in dieses Tal führte begann früher (vor 1950) schon vor dem Hause Landerweg 10, machte dann hinter dem Hause Landerweg 16 einen Knick und führte steil zur Talsohle. Wenn man den Taleingang benutzte stieß man auf der Talsohle auf die alten Grundmauern einer Privat - Brauerei des früheren Besitzers Berkemeier aus den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Gleich dahinter, in der Böschung, ein aus Bruchsteinen gesetzter Felsenkeller (Bierkeller) der ledigen Gebrüder Berkemeier, Fritz und Karl die zu dieser Zeit das Landerhaus bewohnten. Dieser Felsenkeller war 1945 Zuflucht vieler Bewohner aus der näheren Umgebung, als die Kriegsfurie über Oerlinghausen hinweg raste. Dann war er einige Jahre Eiskeller des Eismannes Heißenberg welcher an der Ecke Rathausstraße - Webereistraße einen Kolonialwarenhandel betrieb. Seit eh und je war er aber Sitz zahlreicher Fledermäuse, bis bei der Auffüllung des Tales durch die Müllabfuhr der Eingang zum Stollen verschüttet wurde. Bis heute (1991) ist dieser Keller noch nicht eingestürzt und schlummert vor sich hin.
Die Hauptquelle befand sich am Böschungsfuß unterhalb des Hauses Landerweg 16 fast auf der Talsohle (Siehe Bild vom Eiswinter 1928). Diese Quelle war so stark das sie damals den ganzen Steinbült und Landerweg mit Trink- und Waschwasser versorgen konnte, da alle Wasserleitungen eingefroren waren.
Wenn früher auch der Landerbusch zu den Landwehren gezählt wurde, so kann ich diesem nicht folgen. Wenn ich sehe, wieviel Hohlwege in 60 Jahren ausgeflossen sind (Mein Alter ist jetzt 70 Jahre). Wie stark war doch in den letzten Jahrhunderten der Pferdefuhrwerkverkehr und wie stark wurde die Erde gelockert und floß ab. Das gilt auch für einige andere Plätze die früher als Landwehren bezeichnet wurden.
Wenn ich zum Schluß nochmals auf den Landerbusch zurückkomme, muß ich heute sagen: Durch die Verfüllung mit Müll und Bauschutt ist hier eine echte Ökonische zerstört worden.
Fritz Soll sen. 9/1991