Fühlen uns regelrecht ins soziale Abseits gedrängt
Oerlinghausen (CHa). »Sogar die SPD-Mitglieder sind sprachlos. Wir sind wütend, enttäuscht, ich kann kaum sagen, wie. 20 Jahre wurde uns die Umgehung L 751 n versprochen. Unsere Vorgärten haben wir in gutem Glauben geopfert.« Klaus Biere, Sprecher der Bürgerinitiative »Ruhiges Oerlinghausen«, ist längst nicht mehr ruhig, macht seinem Ärger Luft. »Jahrelang wurde uns gesagt, bleibt mal zufrieden, das läuft schon. Jetzt haben wir so gut wie keine Hoffnung mehr, daß die Straße gebaut wird.«
Mit Klaus Biere haben 124 weitere Anwohner der stark verkehrsbelasteten Landstraße 751 einen weiteren Versuch unternommen, sich gegen die Streichung der Oerlinghauser Ortsumgehung aufzubäumen. Innerhalb weniger Tage haben Klaus Biere und Waltraud Bartsch Unterschriften gesammelt und die langen Namenslisten mit einem Brief an den nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Christoph Zöpel geschickt. Sie reagierten damit auf die von der SPD getragene Entscheidung des Straßenbauausschusses des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, die Maßnahme aus dem aktuellen Ausbauprogramm zu streichen.
[Bild: Klaus Biere, Sprecher der Bürger-, Initiative »Ruhiges Oerlinghausen«. Foto: Haase]
Die Bürgerinitiative »Ruhiges Oerlinghausen« fordert in ihrem Schreiben, daß die Ortsumgehung Oerlinghausen erneut in den Landesstraßenausbauplan aufgenommen wird und ihr Bau bis 1991 abgeschlossen ist.
Wut und...
»Die jetzige L 751 ist die einzige Paßstraße durch den Teutoburger Wald im lippischen Westen und wird als schnellste Verbindung aus Richtung Bielefeld-Hillegossen zur A 33 in Richtung Paderborn benutzt. Die Durchgangsstraße wird von nahezu 20.000 Fahrzeugen am Tag befahren«, schreiben die Oerlinghauser. »Lärm und Immissionen haben das erträgliche Maß bei weitem überstiegen. Menschliches Wohnen und Nachtruhe, wie sie den meisten Menschen gegönnt ist, haben wir Anlieger nur in der Zeit von Mitternacht bis gegen fünf Uhr morgens. Fünf Stunden, die zur Regenerierung einfach nicht ausreichen. Wir fühlen uns ins soziale Abseits gedrängt!«
Die Bürgerinitiative appelliert: »Das Projekt darf nicht an der Kostenfrage scheitern. Die Notwendigkeit für den Bau und seine zügige Verwirklichung dürfte doch jetzt nicht mehr zur Diskussion stehen. Damit die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau der Straße gegeben sind, erwarten wir den Planfeststellungsbeschluß noch in diesem Jahr«, so Klaus Biere und Waltraud Bartsch in dem Brief an Verkehrsminister Zöpel.
Die »Kostenfrage« will die Bürgerinitiative so nicht akzeptieren: »Wenn man sieht, was rund um Oerlinghausen gebaut wird und wieviel Geld bereits in die Planung gesteckt wurde, dann frage ich mich, welche Maßstäbe eigentlich angelegt werden«, so Klaus Biere im Gespräch mit der OERLINGHAUSER ZEITUNG. Er zählt auf: die Verbindung zwischen Leopoldshöhe und Bad Salzuflen, die Anbindung der Ostwestfalenstraße an die A 2 und der Ausbau der Landstraße zwischen Leopoldshöhe und Oerlinghausen. »Gerade die L 751 n hat eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Region, und die wird gestrichen«, meint Klaus Biere.
...Verzweiflung
Große Hoffnungen, daß sich das Blatt doch noch wendet, haben die Anwohner nicht mehr. »Wir haben schon so viel unternommen, wir wissen gar nicht, wie wir dort weiterleben sollen. Auch die verzweifelten Versuche, unsere Häuser zu verkaufen, waren zwecklos, wir bleiben darauf sitzen.«