Ostern 1945 - Am 3. April war für Oerlinghausen der Krieg vorbei

40 Jahre danach erinnerte Fritz Soll an die Geschehnisse und Folgen des Krieges in der Bergstadt

 

Oerlinghausen (mib). Ostern vor 40 Jahren fand der grausame Zweite Weltkrieg sein Ende. Wenn auch nur wenige Tage, so gehörte doch auch das kleine Städtchen Oerlinghausen zu den Schauplätzen dieses Krieges. Am 1. April 1945 abends um 18 Uhr begannen mit dem ersten Artilleriebeschuß auch die Kämpfe in der Bergstadt. Welche Not und welches Elend die Oerlinghauser Bevölkerung in diesen Tagen erlebte, daran erinnerte Fritz Soll mit seinem Vortrag beim Stammtisch des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins, zu dem sich Mitglieder und viele Interessierte am Montag in der »Altdeutschen Bierstube« einfanden.

Die traurige Bilanz dieser Kriegstage: 72 deutsche Soldaten und fünf Zivilisten mußten ihr Leben lassen, zehn Häuser brannten total ab, 23 wurden schwer- und 54 Bauten zum Teil beschädigt. Die Bevölkerung wurde von Plünderungen und Beschlagnahmungen heimgesucht, noch Ende Mai 1945 kamen sechs Kinder durch herumliegende explodierende Munition ums Leben.

Wie die Kriegsgeschehnisse in Oerlinghausen abliefen, faßte Fritz Soll aus schriftlichen und mündlichen Beiträgen damals Betroffener zusammen: Am 30. März kam der Befehl Adolf Hitlers, den Teutoburger Wald »bis zum letzten Mann« zu verteidigen. Am gleichen Tag traf auch die Munition für die Verteidigung Oerlinghausens ein. Sie wurde im Rathaus- und Postamtskeller gelagert. Ein 24jähriger Oberleutnant wurde zum »Kampfkommandant« für die Bergstadt ernannt. Der Volkssturm besetzte die offenen Panzersperren - bis Karfreitag gab es vier davon in den Straßen.

Ostersamstag ertönten die ersten Frontgeräusche: Die Amerikaner hatten Paderborn besetzt. Oerlinghauser Männer und Frauen baten den Kommandanten, Oerlinghausen nicht zu verteidigen, doch die Antwort soll gelautet haben: »Ich werde aus diesem Nest ein zweites Stalingrad machen.« Die Familien packten ihr Fluchtgepäck, Luftschutzkeller gab es in der Bergstadt nur wenige. Am Ostersonntag rückten die Amerikaner an und begannen um 18 Uhr mit der Beschießung durch Artillerie und Panzer. Im gesamten Stadtgebiet fiel die Strom- und Wasserversorgung aus. Etwa 200 Personen flüchteten sich in den Luftschutzkeller an der Tönsbergstraße.

Am 2. Ostertag drangen die Gegner bis zur Kirche vor, besetzten den Turm und errichteten dort einen Maschinengewehrstand. In einem kleinen Terrain von etwa 100 Metern rund um die Kirche trafen die Fronten aufeinander, wogte der Kampf den ganzen Tag. Zahlreiche Häuser brannten. An das Löschen war nicht zu denken, womit auch, Wasser gab es nicht.

Am Dienstagmorgen, dem 3. April, stürmten die letzten Reserven der deutschen Soldaten vom Schopketal herauf und vom Tönsberg herunter zum Gegenangriff. Die Frontlinie verschob sich hin und her, doch mittags hatten die Amerikaner das Gebiet wieder eingenommen. Nach Aussage eines amerikanischen Offiziers stand ein Bombenangriff auf Oerlinghausen unmittelbar bevor, doch da legten die Gegner ihre orangefarbenen Fliegertücher aus - das Zeichen, den Angriff zu stoppen. Das Bombergeschwader der Amerikaner wurde in letzter Minute zurückgerufen. Ein Bombenangriff hätte vermutlich das Ende Oerlinghausens bedeutet, doch es kam nicht mehr dazu. Die deutschen Soldaten gaben ihren Widerstand auf. Um 16 Uhr am 3. April verließ die letzte deutsche Kampfgruppe Oerlinghausen in Richtung Helpup. Um 22 Uhr war ganz Oerlinghausen von den Amerikanern besetzt.