Vertrauliche Anlage für die Stadtchronik

'GESCHICHTE UND GESCHICHTEN OERLINGHAUSEN'

(Anlage nur zu den für meine Familie bestimmten Exemplaren)

Anliegend findet Ihr die Stadtchronik von Oerlinghausen.

 

Mutter und ich hatten sie schon vor fast einem Jahr in der Absicht bestellt, sie Euch Kindern zum Weihnachtsfest 1983 zu schenken. Die Herausgabe hat sich bis jetzt verzögert; zum Weihnachtsfest 1984 kommen die Bücher aber noch rechtzeitig.

Nachdem Euch bekannt ist, daß ich mehrere Jahre mit der Stadtchronik beschäftigt war, werdet Ihr bei Durchsicht des Inhaltsverzeichnisses die Frage stellen, was ich denn überhaupt daran getan habe.

Diese Frage könnte auch den Herren Diekhof, Gräfe und Pott gestellt werden.

Die Sache mit der Stadtchronik ist ganz anders verlaufen, als wir uns das vorgestellt hatten. Es ist immer wieder zu bedauern, daß Herr Prof. Hans Sprenger, und auch dann Herr Hunke, so früh haben sterben müssen. Nach dem Tod von Herrn Hunke hatte ich der Stadt Oerlinghausen schriftlich, und dem Stadtdirektor persönlich, meinen Vorschlag unterbreitet, der einen baldigen guten Abschluß der Stadtgeschichte gewährleistete. (Eine Mitwirkung meinerseits wäre dabei weniger notwendig gewesen, als bei der (jetzt herausgekommenen Ausgabe, so daß man mir persönliche Interessen nicht hätte nachsagen können.) Meinem Vorschlag gegenüber stand der von Herrn Gräfe, der Herrn Prof. Hansen vorschlug, dem ich mich anschließen konnte. Welche Gründe vorlagen, daß man weder meinen, noch den von Herrn Gräfe, annahm - dafür aber einem Werbebüro, in Verbindung mit einem Redakteur, die der Stadt ein Angebot unterbreitet hatten, den Auftrag gab - weiß ich nicht. Jedenfalls hat der Rat der Stadt so entschieden.

Die Autoren der ersten drei großen Abschnitte (s. Inhaltsverzeichnis) sind meist Wissenschaftler. Deren Ausführungen sind, wie mir gesagt wurde, hervorragend, und sie geben der Stadtgeschichte zweifellos eine besondere Note. Wenn uns - Oerlinghausern - manche Dinge bisher auch wohl anders geläufig waren, so sind uns diese neuen Darlegungen jedoch hoch interessant. Meine nachstehende Kritik bezieht sich nicht auf diese, und auch einige andere, Beiträge. Doch man wird sehen.

Der äußere Rahmen des Buches ist durch den Werbefachmann und Grafiker Horst Wasgindt aus Bielefeld sehr schön (und aufwendig) gestaltet, was sich naturgemäß auch im Preis niederschlägt. - Der Verkaufspreis von 39.- DM deckt die Kosten nur teilweise. Die Stadt bezuschußt m.W. jedes Buch mit mehr als 10.- DM. Bei einem einfachen Druck hätte für den Preis sicherlich weit mehr an Text bringen können. - Aber nachdem man nun Herrn Horst Wasgindt, im Verein mit dem Redakteur der Neuen Westfälischen, Herrn Dieter Burkamp, beauftragt hatte, blieb garkeine andere Wahl, als sich für diese teurere Reportagen-Ausgabe zu entscheiden.

Hier nun entstanden besondere Schwierigkeiten. - Wir (die Herren Diekhof, Gräfe, Pott, und auch ich) haben oft, bei uns oder bei Gräfes, im kleinen Kreis zusammengesessen, um Beiträge gründlich durchzugehen, um dann einige der Autoren zu Änderungen veranlassen zu müssen.

Ich will hier jedoch ein anderes Beispiel anführen: Als ich am 19.5.1983, für das Wochenende, vom Krankenbett Mutters aus Wyk nach Oerlinghausen kam, fand ich auf meinem Schreibtisch einen Brief der Stadt Oerlinghausen vom Vortag, mit dem Manuskript über den Beitrag 'Kunst u. Kultur...' von Gisela Burkamp, der Ehefrau des mit der Stadtgeschichte Beauftragten D. Burkamp. Mit anderen Sorgen belastet, hatte ich daran kein Interesse, außer daß ich den Beitrag kurz überflog. Da bot sich mir etwas so 'Ungeheuerliches' (relativ 'ungeheuerlich'), daß ich sofort eine Stellungnahme zur Stadt schickte. Zunächst war das folgendes: Der Bildhauer Berhold Müller-Oerlinghausen (er ist zwar in Oerlinghausen geboren, aber seit seiner Schulzeit hier nicht mehr ansässig) erschien in dem Manuskript für die Stadtchronik mit Familiengeschichte und Lebensbild, und wird dabei mit 200 Zeilen bedacht. Der Oerlinghauser Künstler Bruno Buschmann (zwar nicht hier geboren, lebt aber seit Jahrzehnten - also während der gesamten Zeit seines künstl. Schaffens - in dieser Stadt) erhält bloß 5 Zeilen.

Auf Grund meines Einspruchs wäre man (die Stadtverw., H. Wasgindt, der Autor?) verpflichtet gewesen, die Sache abzuklären. Es ging nicht an, daß die Autorin ihrem honorarpflichtigen Beitrag für die Stadtchronik womöglich nur das Manuskript eines von ihr vorher gehaltenen Vortrags über Berthold Müller-Oerlinghausen zugrunde legte, und, um bei Herrn Buschmann zu bleiben, diesen weiterhin lediglich mit ein paar Zeilen abfand. BMO hatte weiterhin 200 Zeilen, während sie Buschmann dann mit nur 36 Zeilen abspeiste.

Der Unterschied, etwa von einem Beitrag für eine Tageszeitung zu einer Stadtchronik, ist hier kaum beachtet. Diese Unverhältnismäßigkeit, dieser schwache Aufsatz, ist ein Ärgernis sondergleichen. Soviel weiß ich jedenfalls, daß sich der aufmerksame Leser bereits ein Urteil gebildet hat. Der Anstand allein (aus meiner Eigenschaft als Mitglied des Redaktions-Ausschusses) gebietet es, daß ich hier Stellung nehme. Dazu noch folgendes: Bruno Buschmann ist in der glücklichen Lage, die sich jeder Künstler erträumt: er ist auf Jahre hinaus mit Aufträgen versehen, dabei auch mit Aufträgen aus Wettbewerben größeren Formats (bei anonymer Wertung). Er ist nicht darauf angewiesen Verkaufs-Ausstellungen zu veranstalten. Mein Einspruch vom Mai 1983 an die Stadt war so ausführlich mit Daten belegt (und das in meiner damaligen 'Verfassung') daß allein diese Angaben Veranlassung genug hätte geben müssen, sich mit dem Werk von Herrn Buschmann zu befassen.

Und noch eins: Kunstsachverständige, Leute, die es beurteilen können, sehen Buschmann bedeutender an als BMO. Auch wenn ich das nicht beurteilen kann, beanstande ich, daß man den Abschnitt, der die kulturelle Szene der Bergstadt darstellen soll, in Sonderheit zur Ehrung Müllers, und zur Herausstellung des Kunstvereins, benutzt.

Die zur Verfügung stehenden Zeilen hätten für eine neutrale und umfassende Darstellung genutzt werden müssen. Die kulturelle Szene war bereits im vorigen Jahrhundert lebendig geworden. Und das hatte mit 'Jeder zweite im Verein' nichts zu tun. Die kulturellen Veranstaltungen der Vereine müssen - schon in Anbetracht der damaligen Verkehrsverhältnisse - doch außerordentlich rege gewesen sein. Über das 'Theaterspielen' in dem Bergdorf habe ich ausführliche und ausreichende Angaben gemacht. Die Autorin hätte sich schon ein wenig mehr Mühe machen können. - Die Sänger in Oerlinghausen, die Gesangvereine überhaupt, waren Mittelpunkt des kult. dörflichen Kulturlebens. Einen 'Theaterverein' gab es damals nicht. Es waren die Sportvereine, die hier Besonderes boten, schon um 1900, bes. aber nach 1920.

Die Volksschule und die Gehobene Privatschule (späteres Gymnasium) gaben den Eltern und der Bevölkerung, meistens jeweils zu Weihnachten, durch einen oder mehrere sogen. 'Elternabende' einen Überblick über die in den Schulen geleistete Kulturarbeit. Die Vorbereitungen dazu bestimmten dann wochenlang den Unterricht. Wenn man schon weiß, daß auch Oerlinghauser Kinder anerkannte Künstler und Gelehrte geworden sind, darf man ja auch wohl denken, daß der Grundstock dazu in der 'kulturellen Szene' des Dorfes oder der Kleinstadt zu suchen ist, die eben auch damals sehr lebendig war. Keineswegs ist das eine Entwicklung, die womöglich ihre Anfänge erst in den 70er oder 80er Jahren suchen muß.

Erheblichen Raum nahmen, innerhalb der 'kulturellen' Szene der Bergstadt, die Ausstellungen des Fotoclubs ein. Ganz ausreichende Angaben hätten zur Verfügung gestanden. Wenn ich mich an die damaligen Kritiken erinnere, wurde da echte Fotokunst geboten. Man hätte es heute noch nachprüfen können.

Aber das hätte man eben müssen. Es ist alles so schwach dargestellt.

Somit ist dieser Beitrag 'Kulturelle Szene' nur eine Erweiterung des davorstehenden Aufsatzes '...Katholische Kirche...'

Die Verfasserin, als praktizierende Katholikin, hätte hier besondere Sorgfalt walten lassen müssen.

In dem Beitrag 'Die katholische Kirchengemeinde St.Michael' erwähnt der Verfasser Frau Anna Wörner. - Auch Augustinus Reineke schreibt von ihr, zwar ausführlicher als Karl Henke, in seinem Buch 'Katholische Kirche in Lippe' (1983 im Bonifatius-Verlag Paderborn), Seite 184: '...zu großem Dank verpflichtet, nicht zuletzt aber auch der tapferen Frau Anna Wörner, die von 1912 an bis in ihr hohes Alter hinein im wahrsten Sinne des Wortes die Mutter der katholischen Gemeinde in Oerlinghausen war und blieb.'. Die kürzere Erwähnung in der Oerlinghauser Chronik wurde vom Redaktions-Ausschuß um Frau Bertha Nüschen [In dem Wohnzimmer der Frau Nüschen, Detmolder Straße 45, hat Pastor Kilian-Kirchoff die ersten kath. Messen in Oerlinghausen gelesen.] erweitert. Wegen der Länge des Gesamtaufsatzes mußte aber gekürzt werden, der dann auch die Erwähnung dieser beiden Frauen 'zum Opfer' fiel. Für das druckreife Manuskript sind sie dann von Herrn Pott doch wieder aufgenommen. Warum sie dann doch nicht erschienen, ist uns ein Rätsel. Von dem Einsatz dieser - und anderer - kath. Frauen habe ich manches miterlebt, von denen ich nur mit großer Hochachtung berichten kann. Schade, daß sie nicht erscheinen.

Ich führe noch einen weiteren Punkt an, weshalb man den Beitrag 'Kulturelle Szene...' ablehnen muß:

Ich, aber auch andere Herren, bin trotz persönlicher und schriftlicher Vorstellungen, nicht damit durchgekommen, daß in der Stadtchronik auch Prof. Seng mit aufgenommen wurde. Als das Buch dann endlich zum Abschluß kommen sollte, fehlte noch ein Bild von einer Schafherde, zur Dokumentation der Schafhaltung in der Senne. "Als ich dann die Federzeichnung (s. Seite 177) von der Schafherde auf meinem schwiegerelterlichen Hof aushändigte, kommentierte das Wasgindt mit: 'Prof. Seng kann doch mehr als ich dachte.' - So leichtfertig war man mit der Aburteilung. Hätte sich Herr W. z.B. bei Herrn Seng persönlich umgesehen, hätte er feststellen müssen, in welch einem erheblichem Maß er durch seine künstlerischen Arbeiten allein der Industrie unseres heimatlichen Raumes neue Antriebe gab, besonders aber auch den Staatsbädern Salzuflen und Meinberg neue Wege zeigte.

Ich hatte gerade in diesen Tagen Gelegenheit, zusammen mit einem anerkannten Künstler, einige Ölgemälde und Federzeichnungen von Prof. Seng zu besichtigen. Dieser, ja auch einigen von Euch bekannte Kunstmaler, Architekt, Bildhauer, - Prof. Dr. Dr. Dr. ..., brachte große Hochachtung vor dem Werk Sengs zum Ausdruck, hatte aber ebenso nur ein Kopfschütteln über die Behandlung, die S. in der Stadtgeschichte erfährt (wovon ich ihm erzählte).

Kunstwerke dieser Art - so meinte er - würden allerdings erst wieder einer späteren Generation (auf die wir hoffen dürften, und die im Streben nach Reinheit und Schamhaftigkeit ihr Leben gestalten wolle) Leitbilder sein.

Es läge Grund vor, die derz. Generation, die 'Kartoffelköpfe' (als Ausdruck ihrer inneren Zerrissenheit) zum Gegenstand ihrer Kunstbetrachtungen mache, nicht mit einer aufwachsenden neuen Generation, die sich durchaus nach der Harmonie (und dem Streben zu Gott nach dem Vorbild der Alten Meister) zurücksehne, und sich dahin ausstrecke, gleichzusetzen. (Die 'Kartoffelköpfe' gehörten allerdings zu seiner allgemeinen Betrachtung, und sie sind nicht speziell aufzufassen, wofür ja auch kein Grund vorläge.) - Ohne daß ich mit ihm darüber sprach, weiß ich natürlich, daß er damit kein 'zurück', etwa hin zu Riemenschneider, meint, sondern ein Vorwärts, vielleicht hin zu dem 1932 geborenen - deutschstämmigen - Jacob Wedel, dem Vater der Kirgisischen Kunst. Jetzt rede ich als reiner Laie, und lasse mich gern berichtigen, wenn ich meine, daß, etwa bei Riemenschneider und Wedel, die Harmonielehre, wie sie uns Gott z.B. bei seinen Anweisungen zum Bau der Stiftshütte (s. 2. Mose 36 ff) gab, einmal für die Kunst des 15. u. 16.Jahrh., und dann auch wieder für die des 20. Jahrhunderts, und für alle Zeiten überhaupt, Leitstern ist. (Wedel arbeitet besonders als Bildschnitzer.)

Wenn Prof. Seng z.B., ca. 85 Persönlichkeiten porträtierte, und nicht nur unbekannte, sollte man sich vor Augen führen, daß es heute kaum noch Porträtisten gibt. Berühmte Porträtisten fanden und finden auch heute noch Aufnahme in großen Lexikas. Wenn diese Parallele, in Bezuq auf Herrn Seng, auch wohl im groben nur herangezogen ist, - aber für die Stadt-Chronik hätte es doch reichen müssen?

Wenn er darüber ca. 1 Dutzend Gemeinde- und Stadtwappen entworfen hat, die die Kommunen heute schmücken, so kann er doch so unbedeutend nicht sein, als daß man ihn hätte in der Stadtgeschichte schneiden müssen. Die Gründe, weshalb er im Oerlinghauser Kunstverein nicht 'mittut‘ müßte man aber doch respektieren. Die Verfasserin hätte, als Autodidakt, ihre Grenzen erkennen müssen, und wenn sie sich nicht in der Lage sah, Prof. Seng überhaupt nur zu erwähnen, hätte jemand anders befragt werden müssen. Dem gestellten Thema (Oerlinghausen!) ist sie nicht gerecht geworden. Darüber hinaus ist manches andere (von Prof. Seng jetzt abgesehen) auch nicht aufgenommen, dessen Aufnahme aber erwartet wurde. In der Bestimmung dessen, was aufgenommen wurde, waren uns (vom Red. Aussch.) die Hände gebunden.

Davon ganz abgesehen, muß es ja Gründe haben, wenn auch andere im Kunstverein nicht mittun.

Wer wie ich, zum wiederholten Male, die Gelegenheit hatte, und zuletzt wieder in diesen Wochen, etwa sich in die Kostbarkeiten des österreichischen Barockmuseums und des Kunsthistorischen Museums in Wien, oder in die Werke der Staatl. Kunstsammlungen (Alte und Neue Meister), verbunden mit der Besichtigung des 'Grünen Gewölbes‘, beides in Dresden, einführen zu lassen, daneben den 'Schatz von San Marco' im Römisch-Germanischen Museum oder die Schätze des Wallraf-Richartz-Museums in Köln usw. besichtigen konnte, ist geneigt, wenn er nach Hause kommt, seinen eigenen 'Plunder' auf die Müllkippe zu fahren.

Wenn ich mich dann aber - zum Schluß - an das Ludwig-Museum in Köln, oder an 'Lecons de choses', seinerz. in der Kunsthalle Bern, mit ausgestellten verbeulten Kaffee-Kannen und 'ähnlichem Kunstwerk' erinnere, bin ich froh an dem Besitz Alter und Neuer 'Oerlinghauser Meister', wozu BMO (bei mir) auch dazu gehört.

Ich habe mir damit einen Anzug angemessen, der mir paßt. Sinngemäß wäre das auch allgemein anzuwenden.

Als der Oerlinghauser Kunstverein gegründet wurde, hatte ich den Gedanken, Förderndes Mitglied zu werden. Daß ich das dann nicht geworden bin, wird man sicherlich nicht einmal bemerkt haben.

In dem 'Kulturbeitrag' sind z.B. vollkommen übergangen, einmal die Kunstschnitzerei, obwohl der letzte Oerlinghausen Vertreter, Herr Fritz Hattenkerl, deswegen hätte noch befragt werden können, - ein Mann, der (schon begründet in seinem Studium) Hervorragendes geleistet hat, und zum anderen hat man es nicht einmal für nötig befunden, die Oerlinghauser Steinmetzmeister, begründet in den Sandsteinbrüchen und Sandstein-Werkstätten, besonders eben Reuter und Richter, zu erwähnen. Ich will jetzt nicht näher darauf eingehen, weil ja alles vorher schon gesagt worden ist.

Gehört denn das nicht zur Kunst, und in welchen Maßstab setzt man das z.B. zu den Arbeiten Berthold-Müller-Oerlinghausen?

Bei einer der letzten Abschlußbesprechungen war es unser (Pott und Westerh.) Vorschlag, daß im Inhaltsverzeichnis doch nicht immer wieder der Name Burkamp erscheine. Herr Wasgindt war - vielleicht aus rechtlicher Sicht - dagegen, ebenso energisch aber auch Herr Burkamp. Es ist dann so verblieben. In Wirklichkeit wollten wir Herrn B. doch nur einen Gefallen damit tun, wollten wir doch, daß die Stadtchronik nicht durch Kleinkariertheit belastet werde, und diese Profilierung seinem berufl. Ansehen nicht schade. Die im Inhaltsverzeichnis auf S. 5 angegebenen Artikel wären, wenn nun schon B. der Verfasser ist, doch dazu angetan gewesen, - die behandelten Geschichtsabschnitte in einem Guß zu umfassen, während sie jetzt als Reportagen erscheinen. Aber von Anfang an wurden wir (Pott etc.) doch vor diese fertigen Aufsatzthemen gestellt, ohne sie, jedenfalls grundsätzlich, ändern zu können. Sie wurden uns (jedenfalls mir) so fertig vorgesetzt.

Ein Teil der Fotos und Postkartenwiedergaben, die im Bildnachweis unter 'Stadtarchiv' (und auch an anderen Stellen) erscheinen, stammen von mir, von Herrn Fritz Stücke sen., und auch von Prof. Hans Sprenger, die mir von seiner Gattin, Frau Margarete Sprenger, jetzt in Heiligenkirchen wohnhaft, ausgehändigt wurden. Alle diese Fotos sind von mir dem Stadtarchiv übergeben, weil sie dort nach meiner Ansicht 'zweckentsprechender aufbewahrt sind.

Der Quellenangabe 'Stadtarchiv' habe ich aber zugestimmt.

Einen Teil der Aufnahmen aus meinem eigenen Besitz findet Ihr in unserer Ahnengeschichte.

Neben der für Euch schon früher aufgestellten Familienchronik (ich weiß heute wirklich nicht mehr, wie ich das zeitlich und arbeitsmäßig alles geschafft habe) wird die Stadtchronik von Oerlinghausen sicherlich auch von Wert für Euch sein. Soviel steht jedenfalls fest, daß sie ohne die Herren Pott, Diekhof und wohl auch mich (als noch unmittelbar Beteiligte an wesentlichen Ereignissen - andere waren damals ortsfremd, andere nicht in der Lage, andere negativ belastet) - nicht doch noch so zustande gekommen wäre. Spätere Generationen hätten die einschneidenden Ereignisse ab 1922 bis jetzt nur theoretisch zusammenbauen können.

Ich will hier auf Weiteres verzichten.

Zutreffend ist jedenfalls nicht, wenn der Autor Dieter Burkamp in dem Literaturnachweis nur 3 Quellen angibt.

Ich gehe davon aus, daß die von mir hereingereichten ausführlichen Beiträge über Oerlinghausen benutzt wurden, denn sonst hätte man manches nicht wissen können. Sicherlich sind die Hefte von Elisabeth und Adolf, aber auch der umfangreiche Aufsatz von Martin, mit verwertet worden.

Der Aufsatz von Martin ist zudem die einzige Dokumentation über die Vorgeschichte und den Bau der Südstadt überhaupt. Verständlich ist es mir nicht, warum man das nicht nachweist.

Ich brauche nicht zu betonen, daß ich persönlich keinen Wert auf eine Erwähnung lege; immerhin wäre es in der Ordnung gewesen, wenn die Geschwister (aufgrund ihrer Beiträge) erwähnt worden wären.

(Wie einige Chroniken von Herrn Reuter entstanden sind, habe ich ja gelegentlich erzählt. Als nämlich Bürgermeister Dreckshage und der Stadtdirektor Bollhorst Oma Westerheide zu ihrem 90. Geburtstag gratulierten, erzählte Dreckshage einiges aus der Stadtchronik Reuter. Als er fertig war, kommentierte Oma das mit: 'Jo, dat hädde van mui!' (Ja, das hat er von mir). - Das war nämlich so: Wenn Bürgerm. Reuter abends vom Dienst kam (er war Nachbar von uns, und Mutter und ich sagten zu ihm und seiner Frau 'Onkel August' und 'Tante Paula'), setzte er sich zu Oma in ihre Veranda und fragte: 'Marie, wo was dat doch (früher, bei der und der Sache)?' (Marie, wie war das doch...?), worauf Oma dann sagte: 'Aujust, dat was seo und seo...' (August, das war’so und so...).

Auf diese Weise ist manche alte Erzählung aus Oerlinghausen zustande gekommen. Der begrenzte Umfang, der bei der jetzt ’herausgegebenen Stadtgeschichte zur Verfügung stand, ließ nur Platz für einige seiner Erzählungen. Besser jedoch wäre es gewesen, wenn, wie oben schon angedeutet, Reuter im Original zu Worte gekommen wäre. Es erfordert die Redlichkeit, hier wenigstens zurückhaltende Kritik zu üben.

Durch die mitgegebene 'Fahne' muß auf Seite 160 die rechte Spalte ergänzt werden.

Auf Seite 153, rechte Spalte, 15. Zeile von unten, muß es heißen:

Erich Kühn, o. Prof. BDA Fachinstitut für Städtebau Lehrstuhl für Städtebau und Landesplanung Techn. Hochschule Aachen.

Bei Lesung des Manuskripts habe ich Herrn B. bereits darauf hingewiesen.

Das untere Foto auf der Seite 177 ist die Wiedergabe eines Fotos, das einen Teil des 'Bienenschauers' auf dem Hof Sültemeier zeigt. Als spezielle Bildunterschrift hätte man dazu die von mir hereingegebene Beschreibung verwerten müssen. Es war so, daß zur Zeit der Heideblüte die Imker von nah und fern ihre Völker zu Großvater brachten; er holte sie mit dem Pferdefuhrwerk vom Bahnhof ab, und die Imker stellten sie dann auf. Für die Mühe, die Großvater Sültemeier damit hatte, wurde eine geringe Gebühr berechnet. Meistens einmal in der Woche kamen dann die Imker, um ihre Körbe nachzusehen; das Foto zeigt das. Euer Großvater steht nicht darauf; die drei Männer sind fremde Imker. Nicht gewürdigt ist die Arbeit von Herrn Pott. Ohne sein Wissen fehlten viele, der Nachprüfung standhaltenden, Angaben. Viele Bildunterschriften sind von ihm (nicht die oben beanstandete auf Seite 177) zusammengestellt.

Es war zweckmäßig (es geschah auch mit meinem vollen Einverständnis), daß Herr Pott die für die Seite 186 vorgesehenen beiden Bilderläuterungen kürzte. Die Originalfassung ist für alte Oerlinghauser Bürger sicher interessant; Ihr könnt sie bei mir einsehen.

Als Mutter im Sommer 1983 in Wyk auf Föhr im Krankenhaus lag, und auch sonst durch ihre Krankheit, habe ich nur bedingt Einfluß auf die Gestaltung der Stadtgeschichte nehmen können. Jedenfalls habe ich damals durch Einschreibebrief dem Stadtdirektor Oerlinghausen mitgeteilt, daß mein Name, als Mitarbeiter, in dem Buch nicht erscheinen dürfe, andernfalls ich durch einstw. Verfügung die Herausgabe blockieren würde. Einer der Gründe dafür war die 'Unverhältnismäßigkeit' in manchen Aufsätzen. Ich habe dann nachher nicht mehr darauf bestanden, bedaure aber, nachdem das Buch vorliegt, daß ich dann doch davon abgegangen bin.

Es führt zu weit, hier weiteres zu erörtern. Es hat auch schon deshalb keinen Sinn, weil nichts mehr zu ändern ist. Ich sehe es aber als bedauerlich an, weil hier etwas profiliert wird, mit dem man Oerlinghausen nicht gerecht wird.

Man kann nur darstellen, was die Substanz bietet. Einfache Menschen, die Oerlinghausen eigentlich geprägt haben, erscheinen kaum, obwohl darüber ausreichend Angaben vorliegen.

Bei der ersten Sitzung (Stadtdirektor u. Mitarb., Arbeitsaussch., Redaktions-Aussch.) an der ich teilnahm, erregte ich bei den meisten der Anwesenden sofort äußerstes Mißfallen, weil ich laut den annähernd ersten Punkt der Tagesordnung 'Honorare' beanstandete. (Vorweg will ich sagen, daß zumindest die Herren Hansen, Gräfe und Pott keinerlei Honorare beanspruchten.) Mir wurde natürlich sofort klar, daß die Stadtgeschichte geschäftlich verhandelt wurde, und daß sich die Lieferanten der Stadtgeschichte natürlich (und verständlicherweise) nicht die Wurst vom Butterbrot nehmen lassen wollten. Wir (vom Red. Aussch.) waren der Meinung, daß die meisten Aufsätze August Reuter besser in einer (vielleicht) leicht geänderten Originalfassung erschienen wären. Diese waren in ihrer Abfassung so schön, und so ansprechend, wie man sie besser garnicht bringen kann. Aber bei der Auftragshergabe durch den Rat, bei der nun Honorare eine Rolle spielten, war das allerdings nun nicht mehr zu erwarten. Für die Kritik an der 'Burkamp-Chronik‘ (wie die Stadtchronik jetzt schon bezeichnet wird), sind die Mitglieder des Redaktions-Ausschusses die falschen Adressaten.

Man wird dem Buch nicht absprechen können, daß es Eindruck macht, und daß die Stadtgeschichte überhaupt herausgekommen ist, ist sicherlich wertvoll, denn an dem, was ich (wir) beanstande(n), werden viele keinen Anstoß nehmen.

Eigentliches Ärgernis gibt der Aufsatz 'Die kulturelle Szene...', gegen den ich - im Einvernehmen mit den anderen Herren - rechtzeitig Einspruch erhoben habe. Wenn die Autorin hier kein Einsehen zeigte, hätte man jedoch die Brüskierung anderer Künstler verhindern müssen, und hätte es auch können. Das entscheidende Wort hätte von anderer Seite kommen müssen.

Bei der Verfolgung unserer (schon oben angedeuteten Vorschläge) wäre es anders, und sicher auch besser, verlaufen.

Das Format, das Herr Wasgindt dem Buch gegeben hat, verdient hohe Anerkennung, und man kann ihm nur danken, daß er als ortsunkundiger so viel Einfühlungsvermögen gezeigt hat.

Wenn ich meine Gedanken zu der Stadtgeschichte so ausführlich niederschreibe, so hat das den Grund, damit diese womöglich bei einer zweiten Auflage berücksichtigt werden. Für eine Mitarbeit stehe ich dann allerdings nicht mehr zur Verfügung.

Herausstellen möchte ich aber, daß diese meine (und damit auch die der Herren Diekhof, Gräfe und Pott) Kritik jetzt nicht etwa nachträglich angebracht wird; sie ist mit Nachdruck immer so rechtzeitig vorgebracht, daß auch diese hätte in der Stadtchronik berücksichtigt werden können.

Nach dem Vertrag, den u.a. Herr Wasgindt mit der Stadt abgeschlossen hatte, lag bei ihm jedoch die Entscheidung, wobei ich der Ordnung halber erwähnen muß, daß er manches angenommen und berücksichtigt hat, konnte sich anscheinend aber bei dem Ehepaar B. nicht durchsetzen.

Bei dem Stellenwert, den die Stadtchronik seit Jahren eingenommen hat, ist es wohl erforderlich, diese Kritik anzubringen.

Nachsatz

Es ist noch zu fragen: Wenn den Familien Weber/Müller in dem Aufsatz 'Es geht nichts über Leinen' schon ausreichend Zeilen zur Verfügung gestellt wurden, welche Veranlassung bestand dann, diese Familien in dem Beitrag 'Die kulturelle Szene...' nochmals so ausreichend zu würdiqen? Bei dem geringen Räum, der (auf das Thema bezogen) zur Verfügung stand, hätte Marianne Weber (bei aller Würdigung ihrer Persönlichkeit) hier nicht als 'kluge Geisteswissenschaftlerin, Ehefrau und Gefährtin des Soziologen Max Weber‘ erscheinen dürfen. Sicher war sie das, aber das kann man doch nicht so zusammenhanglos - ohne Berücksichtigung des Themas - in diesen Aufsatz setzen (auf Kosten derer, die ein Anrecht auf Würdigung - unter diesem Thema - gehabt hätten).

Noch Nachsatz:

über die politischen Beiträge von Herrn Dieter Burkamp gab es zwischen ihm - einerseits und den Herren Pott, Gräfe und Diekhof (und auch mir) - andererseits erhebliche Auseinandersetzungen. Wenn auch manches geändert wurde, so sind diese Aufsätze doch allgemein unbefriedigend geblieben. Besonderen Ärger machte die redaktionelle Berichterstattung, die einfach nicht in ein solches Buch, das ansonsten Format hat, hineingehört. Als ungehörig empfanden wir, wie Burkamp z.B. die 'Wahlangelegenheiten', insonderheit in seiner, auch sonst redaktionellen Ablehnung Bürgermeister Diekhofs, darstellt, die über den 'Blick vom Tönsberq' nicht hinauskommen.

Für eine Kritik daran sind wir (die oben genannten vier Herren) die falsche Adresse.

24.11.1984

A. W.

 

Wie zu Anfang schon gesagt, ist dieser Kommentar nur für den erwähnten kleinen Kreis bestimmt. An einer weiteren Verbreitung liegt mir schon deshalb nicht, weil dadurch womöglich eine Verkaufshemmung einträte, während wir sehr daran interessiert sind, die Bücher schnellstens zu verkaufen, damit die Stadt Oerlinghausen von diesem „Schuldenberg“ herunter kommt.

Je früher die Bücher verkauft sind, umso eher ist Aussicht auf eine Neuauflage, bei der hoffentlich auch meine oben vorgebrachten Vorschläge berücksichtigt werden.

Man darf hoffen das der unten abgedruckte Zeitungsartikel eine gute Verkaufswerbung ist.

Deshalb nochmals meine Bitte um vertrauliche Behandlung.

1.12.1984

A. W.