Reibereien um Oerlinghauser Stadtchronik
Politik will Veröffentlichung unbedingt vor den Lipper-Tagen
Oerlinghausen. Der Hauptausschuss hat eine Frist für die Herausgabe der Oerlinghauser Stadtchronik gesetzt. Bei der Kommunikation zwischen Autorin und Verwaltung lief nicht alles zum Besten.
Dieses Jahr ist für die Bergstadt ein besonderes. Vor 975 Jahren wurde Oerlinghausen erstmals urkundlich erwähnt. Dass der Ort vielleicht viel älter ist, wird von Archäologen angenommen, ist bisher aber noch nicht erwiesen. Zu solch einem Stadtjubiläum gehört neben einer Reihe von Veranstaltungen auch eine fortgeschriebene Stadtchronik. Diese sollte schwerpunktmäßig die vergangenen 25 Jahre beleuchten. Für diese Aufgabe wurde die Journalistin Karin Prignitz verpflichtet.
Nachdem Prignitz die Themen vorgetragen hatte und diese abgesegnet worden waren, begann sie, die Texte zu schreiben. Seit knapp einem Jahr schickt Prignitz, der als Fertigstellungsdatum Mitte Januar genannt worden war, kontinuierlich Texte an Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort. Erste Rückmeldungen erhielt sie erst in diesem Frühjahr. Bisher wurde die Politik nur sporadisch über den Fortgang der Arbeiten für die Chronik unterrichtet.
Die Grünen nutzten am Donnerstag den Hauptausschuss, um einige Dinge per Antrag festzuzurren. Wie Fraktionssprecher Thomas Reimeier sagte, habe die Bürgermeisterin in der Ratssitzung Anfang April sinngemäß erklärt, dass die Herausgabe der Chronik zu den Lipper-Tagen im September zwar angestrebt, aber noch nicht sicher sei. Der Ausschuss beschloss einstimmig, dass die Chronik spätestens drei Wochen vor den Lipper-Tagen zum Verkauf vorliegen muss. In nichtöffentlicher Sitzung stellte die Bürgermeisterin die Dinge aus ihrer Sicht dar und machte deutlich, dass die zeitliche Verzögerung nicht ihr zur Last gelegt werden könne. Schon vorher hatte sie den Ausschussmitgliedern gesagt, dass sie die Chronik nicht selbst schreibe und angemerkt, dass sie sehr fotolastig sei.
Karin Prignitz hingegen spricht von unklaren Vorgaben. "Bis zum Herbst war noch nicht klar, wo die Chronik gedruckt wird. Auch die Länge der Beiträge ist nicht genau festgelegt worden. Man sprach von 100 bis 150 Zeilen." Die lieferte sie zu den einzelnen Themenbereichen ab, mit dem Ergebnis, dass die Bürgermeisterin ihr jetzt mitteilte, dass sie "rigoros kürzen" werde. Die Themen über das Marianne-Weber-Institut, die Melm’sche Hirschapotheke und die Muthesius-Villa sind komplett gestrichen worden.
Prignitz: "Da die Chronik unter meiner Autorenschaft herausgegeben wird, möchte ich die Texte vor Drucklegung lesen, um entscheiden zu können, ob ich als Autorin überhaupt noch genannt werden möchte."