Einwohner Bielefelds!
Westfälische Zeitung - Bielefelder Tageblatt
In dieser ernsten Stunde wird die Bevölkerung aufgerufen, höchste Ruhe und Besonnenheit zu wahren und äußerste Disziplin zu üben, damit unnötige Leiden für unsere Heimatstadt vermieden werden. Die Stadtverwaltung wird alles tun, was in ihren Kräften steht, um einen geordneten Gang der Verwaltung aufrecht zu erhalten. Ein jeder trage durch sein Verhalten dazu bei, daß Reibungen und Spannungen auf ein Mindestmaß herabgedrückt werden.
Die Lenkung der Lebensmittelversorgung und die Bewirtschaftung der Spinnstoff- und Schuhwaren sowie der Haushaltsgegenstände erfolgt in bisheriger Weise planmäßig. Dem Kleinhandel ist es schärfstens untersagt, Lebensmittel ohne Marken abzugeben. Die Ausgabe von Spinnstoffen, Schuhwaren usw. muß vorläufig bis zum 20. April gesperrt werden.
Alle Personen, die in den letzten Tagen Lebensmittel oder Textil- und Schuhwaren sowie Haushaltsgeräte aller Art aus öffentlichen Beständen oder Versorgungslagern ohne behördlichen Ausweis empfangen oder in Besitz genommen haben, sind verpflichtet, sie zurückzugeben, damit sie der allgemeinen Planbewirtschaftung zugeführt werden können.
Die Rückgabe hat vom Mittwoch, dem 11. bis Freitag, dem 13. April in der vorgeschriebenen Ausgehzeit zu erfolgen. Es sind abzuliefern:
Lebensmittel in der Turnerstraße 49 (Hauptzollamt!)
Textil- u. Schuhwaren, Leder u. Haushaltsgeräte im Stadttheater
Die Straßen dürfen nur den für den Geschäftsverkehr freigegebenen Zeiten betreten werden.
Es wird weiter darauf hingewiesen, daß von 18 Uhr bis 7 Uhr morgens auf Anordnung der Besatzungsmacht die Häuser in keinem Falle verlassen werden dürfen, da sich jeder, der in dieser Zeit auf der Straße angetroffen wird, der Gefahr aussetzt, ohne Anruf erschossen zu waren.
Bielefeld, den 10. April 1945.
Der Stadthauptmann Niestroy
Persönliche Botschaft des Britischen Oberbefehlshabers
(an die Bevölkerung des britischen Besatzungsgebietes in Deutschland.)
1. Ich bin von der britischen Regierung mit der Befehlsgewalt und Kontrolle des britischen Besatzungsgebietes in Deutschland betraut worden. In diesem Gebiet waltet zunächst eine Militärregierung unter meinem Befehl.
2. Mein unmittelbares Ziel ist es, für Alle ein einfaches und geregeltes Leben zu schaffen.
In erster Hinsicht ist dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung folgendes hat:
a) Nahrung,
b) Obdach,
c) Freisein von Krankheit.
Die Ernte muß eingebracht werden.
Die Verkehrswesen muß neu aufgebaut werden.
Das Postwesen muß in Gang gebracht werden.
Gewisse Industrien müssen wieder die Arbeit aufnehmen.
Dieses wird für Jedermann viel schwere Arbeit bedeuten.
3. Diejenigen, die nach internationalem Recht Kriegsverbrechen begangen haben, werden gesetzmäßig abgeurteilt und bestraft werden.
Das deutsche Volk wird unter meinen Befehlen arbeiten, um das, was zum Leben der Volksgemeinschaft notwendig ist, zu schaffen und um das wirtschaftliche Leben des Landes wieder aufzubauen.
4. In dem britischen Besatzungsgebiete sind viele deutsche Soldaten, Flieger und Matrosen. Sie wurden zur Zeit in besonderen Gebieten versammelt.
Die deutsche Wehrmacht, sowie alle anderen bewaffneten Verbände, werden entwaffnet und aufgelöst.
Alle deutschen Soldaten, Flieger und Matrosen werden nach ihren Handwerken und Berufen gemustert. In wenigen Tagen wird damit angefangen werden, sie von der Wehrmacht zu verabschieden, damit sie mit der Arbeit beginnen können. Vorrecht in der Dringlichkeit hat die Ernte, darum werden Landarbeiter zuerst entlassen. Die Entlassung von Männern in anderen Handwerken und Berufen erfolgt, sobald es praktisch möglich ist.
5. Ich werde dafür sorgen, daß alle deutschen Soldaten und Zivilisten mittels Rundfunk u. Presse über den Fortgang der Arbeit auf dem Laufenden gehalten werden. Der Bevölkerung wird aufgetragen, was zu tun ist. Ich erwarte, daß sie es bereitwillig und wirksam tut.
Gez. B. L. Montgomery
Feldmarschall
Oberbefehlshaber des britischen Besatzungsgebietes
Deutschland, 30. Mai 1945.