Oerlinghausen als Luftkurort

Auszug aus dem Buch „Die lippische Bergstadt Oerlinghausen“ von 1930

 

Schon 1892 begannen die ersten Bestrebungen, Oerlinghausen zur Sommerfrische zu erheben. Weitblickende Geschäftsleute machten zuerst Reklame durch eigenartige Abbildungen, wie sie heute niemand mehr zu Reklamezwecken verwenden würde. Der eine empfahl den Ort dem anderen, und es dauerte nicht lange, da war der Ruf der Schönheit unserer Berge und Wälder vor allem in das Industriegebiet gedrungen. Die Gasthöfe stellten sich bald aus dem Fremdenverkehr um und wetteiferten darin, den Fremden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

[Bild: Haus Georg Müller / Photo: Beckmann]

Besondere Pensionshäuser wurden gebaut, und der Verschönerungsverein legte am Tönsberg und im Schopketal bequeme Promenadenwege an.

Der Hermannsweg, jener berühmte Kammweg des Teutoburger Waldes, führt mitten durch Oerlinghausen, durch rote Kreuze gezeichnet. Überall laden Bänke den Wanderer zu kurzem Verweilen ein. Der Ausbau der Wege kam allerdings durch den Krieg ins Stocken. Seit drei Jahren aber richtet der Verschönerungsverein hieraus wieder seine besondere Aufmerksamkeit und ist eifrig bestrebt weitere Verbesserungen durchzuführen.

[Bild: Haus Weber / Phot: Weber]

[Bild: Kastanienblüte im Park / Photo: Weber]

Auch der Verkehrsausschuß hat in den letzten Jahren viele Erfolge zu verzeichnen gehabt. Auf unserer Strecke Bielefeld-Hameln wurden neue Züge eingelegt, eine gute Autobusverbindung zum Bahnhof wurde geschaffen und seit Dezember 1929 verkehrt ferner anderthalbstündlich ein Autobus auch zwischen Oerlinghausen und der zwölf Kilometer entfernten Großstadt Bielefeld.

[Bild: Löns-Gedenkstein aus dem Tönsberge / Photo: Niemeyer]

Unter unseren mannigfaltigen Spazierwegen nimmt das idyllisch gelegene Schopketal die erste Stelle ein. Das mitten im Walde gelegene Schopkebad ist an heißen Sommertagen der Tummelplatz nicht nur unserer schwimmfreudigen Jugend, sondern auch älterer Semester. Ein Hauptanziehungspunkt ist aber auch die nahegelegene Senne, eine stille, warme Heide, die Hermann Löns mehrfach durchwanderte und der er in einer seiner Schriften ein wundervolles Kapitel widmete. Dem Dichter der Heide ist in Oerlinghausen auch ein Denkmal gesetzt worden. Der am Tönsberg herrlich gelegene Löns-Stein lädt so manchen Naturfreund ein, einen andächtigen Blick in die schöne Heide zu werfen. Unterhalb des Löns-Steins ersteht eine neue Wanderhütte des Vereins der Naturfreunde, und der Verband Deutscher Jugendherbergen hat im Jahre 1928 aus dem Tönsberge ein neues Heim errichtet, das als Musterherberge gelten darf und weit in die Lande grüßt. Tausende junger Freunde haben die Jugendherberge im letzten Sommer besucht.

Aber auch unsere Gaststätten, unsere Hotels und Pensionen rüsten sich von neuem, erholungsbedürftige Wanderer in den kommenden Ferientagen aufzunehmen, und alle sind bemüht, ihr Bestes zu tun, damit es den Gästen in Oerlinghausen wohlgefällt.

[Bild: Haus Dr. Martheus / Photo: Büker]