Zieht man jetzt ab - der Kampf ist aus

Pastor Pawlowski redete Soldaten gut zu

 

Eine entscheidende Rolle bei der Verhinderung weiteren Blutvergießens in der Stadt Bielefeld während des Einmarsches der Amerikaner kommt mit Sicherheit Pastor Karl Pawlowski zu, dem Begründer und Leiter des Johanneswerks. Es hatte am Mittwoch nach Ostern, als er gerade mit seinem Fahrrad nach Bethel fuhr, die weiße Fahne am Bielefelder Rathaus gesehen und daraus die einzig richtigen Schlüsse gezogen, indem er einer Abteilung deutscher Soldaten, die gerade an der Ecke Gütersloher Straße und Kreuzstraße in Stellung gehen wollte, mitteilte, der Kampf sei aus. Sie sollten man abziehen. Sein gutes Zureden half. Die Soldaten rückten durch die Hindenburgstraße ab.

[Bild: Pastor Karl Pawlowski]

Doch Pastor Pawlowski ließ es damit noch nicht bewenden. Er übermittelte persönlich die Nachricht vom Hissen der weißen Fahne am Rathaus auch dem Kommandanten der amerikanischen Panzerspitze.

Möglich, daß das Schlimmste ohnehin deshalb verhindert wurde, weil die Amerikaner keine Widerstandskraft und keinen Verteidigungswillen mehr erwarteten und auch nicht vorfanden. Ganz sicher aber hat Pastor Pawlowski in diesen dunklen Stunden der Stadt einen großen Dienst erwiesen.

Auch als schon zwei Stunden lang amerikanische Panzer durch die Stadt rollten, vermied er durch sein Eingreifen ein Zusammentreffen zwischen ihnen und einer etwa 300 Mann starken deutschen Abteilung, die auf der Jöllenbecker Straße in Richtung Güterbahnhof marschierte, voll bewaffnet und, wie es in einem Bericht Friedrich Karl Kühlweins für den Historischen Verein heißt, „in bester Ordnung“. Pawlowski geleitete diese deutsche Truppeneinheit zum Johannesstift und wies sie weiter in Richtung Vilsendorf. Es handelte sich vermutlich um eine Einheit aus Gütersloh, die bis zum Abend des 4. April in Kirchdornberg gelegen hatte.

Pawlowski war es auch, der den völlig zusammengebrochenen NS-Oberbürgermeister Fritz Budde am Abend des Einmarschtages nach Bethel brachte, wo dieser sich einige Tage verborgen hielt, ehe er für drei Jahre in ein Internierungslager gesteckt wurde.