Der „süße“ Heldentod im Artilleriefeuer
Propaganda und Realität im ersten Weltkrieg
Bielefeld (aja). Das Ende des ersten Weltkriegs jährt sich am 11. November zum 70. Mal. Vier Mitarbeiter des Westfälischen Museums für Archäologie - Rita Veale, Daniel Berenger, Hannelore Smolka und Dr. Werner Best - haben in ihren privaten Beständen gestöbert und dabei erstaunliche Dokumente aus den Kriegsjahren ans Tageslicht gefördert. Die sehenswerte Schau „Russenköpfe und Franzosenblut" mit französischen Zeichnungen, deutschen Feldpostkarten und Briefen ist bis Ende November im Foyer des „Dichtwerks" zu sehen.
Trotz des martialischen Titels stellt die Ausstellung ein unmißverständliches Plädoyer gegen den Krieg dar. Denn die unerträglichen Propagandasprüche auf Feldpostkarten und patriotischen Abbildungen aus französischen Zeitungen werden mit einem Einzelfall konfrontiert, der dem verlogenen Glorienschein bitterste Kriegsrealität entgegenhält.
Rita Veales Großvater Richard S. zog als junger Mann nach Frankreich und wurde am 25. September 1915 auf dem Feld getötet. Er schrieb an seine Familie in Bielefeld Briefe von der Front, die statt Hurrapatriotismus Verzweiflung spüren lassen. Die ausgestellten Briefe sind das Zeugnis eines Mannes, der den Krieg nicht wollte. Von seiner Familie getrennt, wurde er gezwungen, in einem fernen Land an einem völlig sinnlosen Morden teilzunehmen. Als Lohn dafür gab es dann den „süßen" Heldentod fürs Vaterland, sprich das elende anonyme Verrecken im Artilleriefeuer.
Daniel Berenger steuerte Zeichnungen des Historikers Gabriel Hanotoux bei. der von 1894-1898 französischer Außenminister war. Obwohl Hanotoux angeblich objektiv berichten wollte, sprechen die Zeichnungen eine deutlich patriotische Sprache.
Dr. Best und Hannelore Smolka haben deutsche Post- und Ansichtskarten aus der Zeit 1914-18 gesammelt, die alle nur vorstellbaren, billigen Klischees über das wunderbare Soldatendasein feilbieten. Bielefelder Besonderheit: Die Welle von nationalem Chauvinismus schwappte auch auf die von Bodelschwinghschen Anstalten über. Sie veröffentlichten eine Serie von Ansichtskarten, die geistig behinderte Kinder in Uniform, beim Marschieren in Reih und Glied und Fahnen schwenken zeigte.