Der Bergstadt fehlte die Kohle
In Oerlinghausen suchten Bergleute immer wieder nach dem schwarzen Brennmaterial, mit mäßigem Erfolg
[Bild: Kalkofen am Barkhauser Berg, die Fotorarität entstand Anfang der 1930er Jahre. Der Tagebau von Kalkstein wurde erst vor 25 Jahren eingestellt. (© Horst Biere)]
Oerlinghausen. Zahlreiche Höhlen und Schächte durchbohren ihn - den Tönsberg. Immer wieder suchten Bergleute hier nach Kohle. Aber die Ausbeute war eher mager. Ein industrieller Bergbau mit Fördertürmen und Kokereien blieb der Bergstadt deshalb erspart.
Bereits um 1600 holte Graf Simon VI. Bergleute aus dem Harz ins Land, die in der Bergstadtfachmännisch Kohle abbauen sollten. Zuvor hatte man einige Brocken an den Hängen des Tönsbergs gefunden, und der Graf war erpicht auf diese autonome lippische Energiequelle. Bergmeister Georg Starcke, der Führer der Bergleute, konnte anfangs in der Tat einige Zentner gefundene Kohle ins gräfliche Schloss nach Brake melden.
Doch die Oerlinghauser stöhnten unter der Belastung des Bergbaus, denn er war teuer. Auch zeichneten sich die Harzer Bergleute nicht durch mustergültiges Verhalten aus. Gröhlend, pöbelnd und sturztrunken sollen sie nachts oft durch die Straßen gezogen sein. Die Folge: Es gab Sabotageakte der Oerlinghauser gegen den Bergbau. Holzlieferungen stoppten, Maschinen und Geräte wurden in die Schächte gekippt. Zudem wurde immer weniger Kohle gefördert. 1611 stoppte Graf Simon das Projekt.
Später gab es immer wieder neue Abbauversuche - ohne Erfolg. Erst die engagierte Fürstin Pauline (1769-1820) hatte fast zwei Jahrhunderte später mehr Glück. Ein neuer Stollen, der von der Grüte aus Richtung Tönsberg gegraben wurde, lieferte tatsächlich so viel Kohle, dass die lippische Rentkammer (Finanzbehörde) weitere Bergbaugelder bewilligte.
Ende 1813 hatte der Schacht bereits eine Länge von fast 100 Metern erreicht, und man förderte an manchen Tagen bis zu "2 Fuder" - fast zwei Tonnen. Das "Schwarze Gold" aus Oerlinghausen kam dem Bad Salzufler Salzwerk zugute, das sonst den Brennstoff doppelt so teuer außerhalb des Landes kaufen musste. Doch bald stellte sich Ernüchterung ein, denn die Ausbeute an Kohle wurde immer dünner und unwirtschaftlicher. Mitte des 19. Jahrhunderts glaubte endlich auch die lippische Landesregierung, dass sich in Oerlinghausen kein wirtschaftlicher Kohlebergbau erreichen ließ.
Doch der Oerlinghauser Bergbau hatte auch sein Gutes. Durch Probebohrungen aus Fürstin Paulines Zeiten fand sich bitumenhaltiges Schiefergestein am Nordhang des Tönsbergs, dessen Abbau sich noch bis 1928 rentierte. Sehr nützlich waren auch die Stollen an der Tönsbergstraße und in der Schopke. Die Beckersche Brauerei konnte um 1850 herum in den Gewölben hervorragend das frisch gebraute Bier kühlen. Im Zweiten Weltkrieg dienten die tiefen Stollen unter dem Tönsberg und im Landerbusch (Schopke) als Luftschutzkeller.
Gleichwohl gab es in Oerlinghausen lukrativen Bergbau - als Tagebau. Erstens den Sandabbau des Hartsteinwerks, der bis heute läuft. Und zweitens den Kalkstein. Kalk wurde in der Bergstadt im großen Stil gewonnen. Brennöfen für das Kalkgestein standen in Helpup, in Währentrup, am Menkhauser Berg und natürlich am großen Kalkwerk am Barkhauser Berg. Noch bis 1990 sprengte man dort in der Nähe des Oerlinghauser Sportplatzes den Kalkstein aus dem Berg und brannte ihn gleich zu Kalkmörtel. Letztlich verdrängte aber Zement den Kalk als Baustoff.