Senne und Sand schon seit uralter Zeit

Seltsame Irrwege eines Briefes - Nach 18 Tagen endlich am Ziel

 

In Ergänzung zu dem Bericht in Nr. 2/1958 der „Blätter für Heimatkunde" „Die alte Senne hat drei Namensvetter", möchte ich noch folgendes mitteilen. Der Name Senne wird zum erstenmal urkundlich am 25. Mai 1036 erwähnt. Es heißt darin, daß der Bischof Meinwerk von Paderborn dem von ihm gegründeten Kloster Busdorf an der Ostseite von Paderborn u. a. den Zehnten über das Vieh und die Bienenstände - examina apum - in der Synatha (Senne) vermacht.

In erster Linie kam es ihm auf die Ablieferung von Bienenwachs für die Kerzen im Gottesdienst an. Unter „Synatha" verstand man die große Heidelandschaft südlich vom Teutoburger Walde. Nach der Besiedelung dieser Heidelandschaft entstanden nach und nach die Ortschaften „Senne", heute Lipperreihe, Senne 1, Senne 2, beide an der Bundesstraße 68, Sende und Sennelager. Außerdem gibt es noch ein Senne in Ostpreußen, ein Sennheim westlich von Mülhausen im Elsaß und ein Sennwald südlich vom Bodensee. Die vielen gleichen oder ähnlichklingende Namen für einen Ort führten bei der Postzustellung manchmal zu Verwechslungen, so daß die Briefe des öfteren wochenlang unterwegs waren, um in die Hand des Adressanten zu gelangen. Dafür ein interessantes Beispiel.

Auf meinen Wunsch hin erfolgte meine Versetzung als Lehrer im Jahre 1918 von Schlangen nach Senne (heute Lipperreihe). Die Osterferien, die bis dahin immer von Donnerstag vor bis Donnerstag nach Ostern gedauert hatten, wurden erstmalig um eine Woche verlängert. In dem amtlichen Schreiben des Konsistoriums, das jedem Lehrer zugestellt, und das ich mit Verspätung von zweieinhalb Wochen nach vielen Irrwegen erhielt, hieß es: „In Abänderung unserer Ferien-Ordnung vom ... wird hiermit angeordnet," usw.

Die Anschrift lautete: „Herrn Lehrer D ... in Senne." Ein Postbeamter in Detmold hatte mit Bleistift hinter Senne das Wort Ostpr. gesetzt. Nun konnte die Reise losgehen. Es dauerte wohl einige Tage bis das amtliche Schreiben in Ostpreußen ankam. Man suchte den Ort, den Lehrer, er war nicht aufzufinden, also „Zurück, Senne 1 bei Bielefeld". „Hier unbekannt". Senne 1 war gestrichen, dafür stand „Senne 2". „Nicht auffindbar" lautete die nächste Notiz. „Sende“ wurde angegeben. Der nächste Postbote schrieb „Sennelager" auf den Briefumschlag. „Hier nicht auffindbar" lautete die nächste Notiz. Man beriet sich mit den Kollegen vom Fach. Es dämmerte. „War nicht ein Lehrer D. in Schlangen?" „Natürlich, der muß es sein". So gelangte der Brief nach Schlangen. Der mir dort befreundete Postverwalter schrieb in großen Buchstaben Oerlinghausen auf den Umschlag, und so erhielt ich das amtliche Schreiben nach 18 Tagen. Der Schulunterricht war am Donnerstag nach Ostern wieder ausgenommen worden, die Kinder um 7 Ferientage gekommen.

Nach Verhandlungen mit dem Verwaltungsamt zu Schötmar gelang es, den bisherigen Namen Senne in Lipperreihe umzubenennen, das soll heißen: „Die Häuserreihe der Lipper" im Gegensatz zu der preußischen Reihe, westlich des Baches. Im Volksmunde hieß diese Siedlung schon seit Jahrzehnten: „Up der lippsten Ruige“ und der Pollmannskrüger führte an seinem Brotwagen als Ortsbezeichnung den Namen: Lippereihe (mit einem „r").

 

H. Dkm.