Bedeutsamer Fund am alten Landerweg

„Nur ein Stein? Nein: Ein 4000 Jahre altes Beil!"

 

Das Gelände am Landerweg in Oerlinghausen, das schon zu wiederholten Malen die Aufmerksamkeit der Archäologen auf sich gezogen hat, ist durch einen weiteren beachtlichen Ausgrabungsfund in Form eines geschliffenen Beiles wissenschaftlich wiederum interessant geworden. Wir verweisen auf frühere Berichte in der und auf die Ausführungen im Lippischen Kalender 1958, S. 77 ff.: „Alt Oerlinghausen von der Sachsenhalle bis zum Bau der Kirche!"

1957 entdeckte ich auf dem Baugelände des Herrn Büker einen Eisenschmelzofen aus der Zeit Widukinds. Dieser war in seinem unteren Teile noch gut erhalten und konnte in seinem Aufbau rekonstruiert werden. Ein großer Teil seines Inhaltes, wie Raseneisenstein, Muschelkalk und Lehm als Zuschlag und eine Menge "Luppe" konnte geborgen werden. Merkwürdig war, daß in etwa 40 cm Tiefe unter der Sohle es Schmelzofens sich eine zweite dünne Humusschicht zeigte, die sich nach dem Grabeneinbruch zum Tale verlor. Sie war von einigen wenigen Steinen abgesehen, fundleer. Bei einer nochmaligen Schlußplanierung stieß mein Arbeiter an einen Stein. Er hob ihn auf und rief: „Nur ein Stein!" Ich nahm ihn in die Hand, mein Auge strahlte, und ich sagte ihm: „Nein, ein 4000 Jahre altes Beil schaut uns an." Unglaubwürdig schaute er mich an und meinte, ob es nicht ein „Schrapper" sein könnte, mit dem der Schlächter die Borsten vom Schwein in früheren Zeiten gekratzt hätte. Ich fertigte eine Zeichnung von der Art der Verwendung dieses seltsamen Steines an, und er war zufrieden.

[Bild: Bildbeschreibung! Die obere Hälfte stellt eine Zeichnung, die untere das Originalbeil dar. a) ist das Beil in liegendem Zustande, b) von der Seite gesehen, c) zeigt die Art der Schäftung. Das Beil wurde in den durchbohrten Schaft gesteckt und mit Erdpech, einer Mischung von Bienenwachs und Baumharz, festgeklebt. Unten rechts sehen wir das Originalbeil, aus einem Geröllstein, dem Serpentin, hergestellt, an der Schneide bogenförmig geschliffen und poliert. Das Beil ist spitznackig, d. h. es läuft nach oben spitz zu, ist 12 cm hoch Die bogenförmige Schneide mißt 60 mm und die Dicke 25 mm. Es wiegt 250 g. Der Fund gehört dem westgermanischen Kulturkreise an und befindet sich auch in dem Pfahlbauinventar am Bodensee. Das Beil ist von unseren Steinzeitmenschen etwa um das Jahr 2000 vor Chr. Geburt angefertigt und aus einem Streifzuge am Landerwege verlorengegangen.]

Wir müssen zwischen Axt, Beil und Hammer unterscheiden. Beile sind undurchlochte Stücke, während Äxte und Hämmer runde Bohrlöcher aufweisen, in die ein Schaft gesteckt wurde.

Zu Beilen nahm man häufig Geröllsteine, die schon die natürliche Form eines Beiles anzeiqten, daneben aber auch Feuerstein, aus dem erst die Form durch Schlag und Retusche herausgearbeitet werden mußte. Der neue Oerlinghauser Fund wird eine wertvolle Bereicherung für das Heimatmuseum sein.

 

Dkm.