Eduard Berke - Oerlinghausen

 

Eduard Berke ist geboren am 11. Juni 1897 in Ehrentrup/Lippe. Bis ca. 1932 wohnte er mit seiner Familie in Lipperreihe. Von Beruf war er Metallschleifer; er arbeitete bei Benteler in Bielefeld. In Oerlinghausen wohnte er Wellenbruch 2.

Er war lange Zeit Vorsitzender der KPD in Oerlinghausen und wiederholt Kandidat für den lippischen Landtag. Nach der Machtergreifung 1933 wurde Berke viermal in Schutzhaft genommen. Trotzdem bemühte er sich weiter für den Aufbau einer illegalen KPD-Organisation in Bielefeld und Lippe. Ende 1933 erfährt die Gestapo von diesen Versuchen. Zusammen mit 66 anderen Lippern steht Berke im Sommer 1934 vor dem OLG Hamm, wo er zu ca. 1,5 Jahren Gefängnis verurteilt wird. Rücksicht wird dabei angeblich auf sein Augenleiden genommen, das er sich im Krieg durch einen Gasangriff bei Verdun zugezogen hatte.

Im Dezember 1935 wird Berke entlassen.

Berke hatte mehrere Kinder, seine Frau, Marie Berke, stellte nach dem Krieg einen Antrag auf Wiedergutmachung, der von den Behörden genehmigt wurde.

Über den Verbleib des Leichnams ist nichts bekannt; der Berke-Sohn Walter nimmt an, dieser sei an die Universitätsklinik in Münster gegangen.

Die letzte Verhandlung Berkes im November 1943 geschah im Zusammenhang mit einigen anderen Personen aus dem Raum Bielefeld. So mit mehreren Ehepaaren aus Oldentrup und Brönninghausen. Sie alle wurden wegen des Abhörens von ausländischen Sendernachrichten verurteilt. Berke und das Ehepaar Homann zum Tode. Das Urteil wurde am 4.1.1944 in Dort-mund vollstreckt. Interessant dabei ist, daß es offensichtlich einen größeren Kreis gab, der regelmäßig ausländische Sender abhörte und darüber sprach. Vermutlich wurden die Nachbarn Berkes - die Herren Hofmann und Meier - im Wellenbruch Nr. 3 damit hineingezogen, aber nicht zum Tode verurteilt.

Wie allerdings die Anträge ihrer Ehefrauen auf Wiedergutmachung nach dem Krieg zeigen, sind auch sie noch vor dem Mai 1945 auf bislang unbekannte Weise umgekommen. Der eine [?] wohl durch Auszehrung im KZ Buchenwald, der andere in Bielefeld durch einen Bombenangriff bei der Anlage von Panzergräben.

Die rege Tätigkeit von Eduard Berke für die KPD ist augenscheinlich. Seit Ende der 20er Jahre Vorsitzender der Orts-gruppe Oerlinghausen, Kandidat der KPD für den Lippischen Landtag 1929 (Listenplatz 10) und 1933 (Listenplatz 14), die Inschutzhaftnahme nach der Machtergreifung in Oerlinghausen (3.3.- 13.3., 13.3.- 14.3., 19.3.- 4.4., 6.11.- 9.11.1933) lassen auf eine rege Tätigkeit auch in der Illegalität schließen.

Besonders deutlich wird dies 1933/34, als die NS-Polizeibehörden Reorganisationsversuche der lippischen KPD und deren Aktivitäten unterbinden konnten. Insgesamt werden für Oerlinghausen noch 5 tätige Mitglieder der KPD angegeben; Eduard Berke wird als Gebietsinstrukteur angesehen.

Es ging vornehmlich um die Verbreitung illegaler Schriften (Lippische "Rote Post") und Flugblätter. Berke wird im Juni 1934 fest- genommen und in einem großen Prozeß vor dem OLG Hamm mit insgesamt 66 Angeklagten zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Angaben eines Sohnes wurde Eduard Berke 1943 auf dem Bielefelder Hauptbahnhof Verhaftet, wenige Tage später beschlagnahmte die Gestapo bei der Familie das Radiogerät. Es existieren Gerüchte, die besagen, der damalige Ortsgruppenleiter der NSDAP, Fritz Reuter, habe Berke denunziert. Eduard Berke wurde im Polizeigefängnis in Bielefeld festgehalten, wo ihn ein Sohn das letzte Mal sah. Ein Gnadengesuch eines weiteren Sohnes vom 5.1.1944 von der Ostfront kam zu spät und hätte mit Sicherheit nichts mehr genutzt.

 

ABSCHRIFT

Gend. - Gruppenposten

Oerlinghausen

Kreis Lemgo / Land Lippe

Tgb. Nr. 99/44

 

Oerlinghausen, den 7. Februar 1944

 

Urschriftlich mit Akten

dem Herrn Oberstaatsanwalt

als Leiter der Anklagebehörde

bei dem Sondergericht

in Hannover

 

Nach Mitteilung der Geheimen Staatspolizei (Staatspolizeileitstelle Münster i/Westf. vom 12.1.1944, B. Nr. II A - 2341/43 -g-) an den Bürgermeister als Ortspolizeibehörde in Oerlinghausen, durch den Landrat in Lemgo, ist der Schleifer Eduard Berke, geb. am 11.6.1897 Ehrentrup, wohnhaft in Oerlinghausen, Wellenbruch 2, in der Sitzung des 2. Strafsenates beim Oberlandesgericht in Hamm vom 19.11.1943 - Aktz. 50. Js. 205/43 (7 A R 13/43 -g.-) zum Tode verurteilt.

Berke hatte sich des Abhörens ausl. Sender und des Verbreitens volksgefährdender ausl. Sendernachrichten in Tateinheit mit Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung schuldig gemacht.

Nach einer weiteren Mitteilung des Generalstaatsanwalts vom 5.1.44 und des Vorstandes der Untersuchungshaftanstalt in Dortmund an die Polizeiverwaltung - Sterbeabteilung - in Oerlinghausen ist Berke am 4.1.44 in Dortmund hingerichtet worden.

 

gez. Neese

Meister der Gendarmerie.