Karl Bobe - Publikationen

Artikel aus der  NW

 

Finanziellen Gewinn konnte Bobe allerdings nicht durch seine Veröffentlichungen, die er alle im Selbstverlag herausgab, erzielen. So war schon bald das väterliche Erbe aufgezehrt. Fortan half Bobe im Betrieb des Bruders aus und fand erst nach Feierabend Zeit für seine Ideen, die er nicht müde wurde auf der Straße oder im Wirtshaus den Oerlinghauser Bürgern zu erläutern. Wenn hier auch viele ihn belächelten, war er doch gerade bei den Kindern sehr beliebt. Minutenlang konnte er aus dem Stehgreif selbst verfaßte Gedichte vortragen. Die Erwachsenen aber urteilten anders über den immer leicht nach vom gebeugt gehenden Mann, der auch vor ihnen mit Versen nicht sparte.

Titel wie Arbeitsorganisator, Kulturpionier oder Organisator und Weltordnungsdiktaktor waren starker Tobak für die braven Oerlinghauser.

So warb Carl Bobe zur Detmolder Möbelmesse 1922 gemeinsam mit Berliner Freunden sogar für eine »dadaistische Wohnkultur«. Gespickt mit Thesen wie »Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit Bürokraten« wurden auf Handzetteln und Plakaten für einen Vortrag des »Oberdada Johannes Baader, Präsident des Erd- und Weltballs« geworden. Der Dadaismus war zweifellos Bobes Medium. Hatte es sich doch diese revolutionäre, literarisch-künstlerische Bewegung zur Aufgabe gemacht, die bürgerliche Kultur lächerlich zu machen, um durch Wegräumen alter Traditionen von Grund auf neu bauen zu können. Dementsprechend waren auch die Plakate Collagen der Widersprüchlichkeit und Unverständlichkeit, die dennoch klare’ Aussage enthielten: »Hermann ohne Schwert - Krieg hat nimmer Wert«.

... Beseitigung der Eintönigkeit«

So hatten auch die Nationalsozialisten ihre liebe Not mit dem rührigen Oerlinghauser Möbelfabrikanten. Unablässig versorgte er die Reichskanzlei, das Propagandaministerium und andere Dienststellen mit neuen Ideen, die er ebenso in Gedichtform vorlegte. Unter der Überschrift »Vorsicht: verrückt« sah sich so auch das SA-Organ »Das schwarze Korps« in seiner Ausgabe vom 23. Dezember 1938 genötigt, vor dem selbsternannten Dichter zu warnen. Dem damaligen Bürgermeister Möller, der Bobe immer wieder schriftlich und mündlich zur Mäßigung ermahnte, ist es wohl zu verdanken, daß Bobe nicht weit Schlimmeres widerfuhr. Doch Carl Bobe überlebte das Kriegsende nur um zwei Jahre. An einem Februartag des Jahres 1947 wurde er von einem britischen Militär-Lkw unter der Hillegosser Autobahnbrücke tödlich verletzt. Der 66-jährige wollte an diesem Tag per Auto-Stopp nach Hamburg. Gerade acht Jahre zuvor hatte sich Bobe am 8. Juli 1939 seinen letzten Personalausweis mit der Nummer 91 im Oerlinghauser Rathaus ausstellen lassen. Nachdem er Name, Beruf und Geburtsort des Antragstellers erfahren hatte, trug der Verwaltungsbeamte Meerkötter unter der Rubrik: Besondere Kennzeichen den Vermerk »keine« ein.

[Bild: Freifahrtschein für alle Verkehrsmittel im Weltall. Von Carl Bobe]