Ceweco-Immobilie wird Gesundheitszentrum
Neue Investoren: Sie wollen die früheren Weber-Immobilien und den Weberpark wieder mit Leben füllen. Oerlinghausen wird Teil eines medizinischen Netzwerks
[Bild: Parkansicht: Die frühere Weber-Villa (l.) wird heute auch als Standesamt genutzt. Das ehemalige Gesindehaus der Familie Weber (r.) wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Investoren haben das gesamte Areal mit dem Park erworben. | © Horst Biere]
Oerlinghausen. Der Knoten ist geplatzt, die Hängepartie um eine sinnvolle Nutzung der großen Ceweco-Immobilien im Oerlinghauser Zentrum ist offenbar beendet. Eine Investorengemeinschaft hat die Immobilie gekauft und will in dem großen leerstehenden Ceweco-Gebäude an der Detmolder Straße ein modernes medizinisches Zentrum ansiedeln. Der Weberpark und die anderen Häuser, die Weber-Villa und das frühere Gesindehaus, sollen mit in das Konzept eingefügt werden.
[Bild: Stillstand beendet: Die Investoren der Ceweco-Immobilien Günter Weigel (v.l.), Christel Somberg, Werner Brechmann, Hans Christian Brechmann und Heinz-Josef Rodehuth stellen der Lokalpolitik ihre Pläne vor. | © Horst Biere]
Die Investoren sind der gebürtige Oerlinghauser Günter Weigel und seine Ehefrau Christel Somberg sowie die Bielefelder Unternehmer Werner und Hans Christian Brechmann und Heinz-Josef Rodehuth aus Hövelhof.
Donnerstagabend präsentierten sie dem Hauptausschuss des Rates ihre Pläne. „Wir haben uns die Zeit genommen, die notwendig war, um das Vorhaben auf eine sichere Basis zu stellen. Wir haben gute und vertrauensvolle Gespräche mit dem Verkäufer, der Stadt und den potentiellen Mietern geführt. Somit sind wir jetzt in der Lage, die Öffentlichkeit zu informieren", sagt Günter Weigel.
Wie soll es konkret mit der Ceweco-Immobilie weitergehen? Da das 2.000 Quadratmeter umfassende frühere Büro-, Lager- und Fabrikationsgebäude des Textilunternehmens Carl Weber nur schwer für neuzeitliche Zwecke genutzt werden kann, müsse das Gebäude in einem ersten Schritt weitgehend entkernt werden, erläutert Werner Brechmann den Mitgliedern des Hauptausschusses. Nur wenige denkmalgeschützte Bereiche und die Außenfassade blieben erhalten.
Telemedizin mit Klinikum
Das neue Innenleben des Ceweco-Gebäudes soll dann eine maßgeschneiderte Lösung für die aktuellen Pläne des Kreises Lippe bieten. Der Kreis will in mehreren Städten moderne Gesundheitszentren und medizinische Versorgungspunkte einrichten. „In Verbindung mit dem Klinikum Lippe wird zum Beispiel ein Bereich für die Telemedizin aufgebaut, die der Kreis in kleineren medizinischen Zentren einiger Orte etabliert", erläutert Günter Weigel. „So gelangt eine hohe fachliche Kompetenz unmittelbar in die jeweiligen Außenzentren."
Der Kreis Lippe wird auch ein medizinisches Beratungszentrum in die Ceweco-Immobilie integrieren. Das umfasst die Gesundheits- und Pflegeberatung, aber auch perspektivisch andere Bereiche, die in einem Gesundheitszentrum für die Bürger an zentraler Stelle hilfreich sind. Auch die Zukunftspläne der Stadt Oerlinghausen lassen sich in die neuen Räume einfügen, denn der Sektor Pflege und Betreuung erfordert - wie überall im Lande - viel mehr Platz. So sieht das Investoren-Konzept auch die AWO als Mieter für eine Tagespflegeeinrichtung und eine Kindertagesstätte vor.
Umbaukosten etwa fünf Millionen Euro
Wie Werner Brechmann erklärte, bietet die neue Immobilie durch separate Zugangsbereiche auch Raum für eine Kita. „So wären bei getrennten Eingängen doch Jung und Alt unter einem Dach", sagt er. Auch der Betrieb von weiteren Arztpraxen könne im Obergeschoss angesiedelt werden. Die Kosten des Umbaus sollen laut Günter Weigel bei etwa fünf Millionen Euro liegen. Über die Kaufsumme des gesamten Areals wurde Stillschweigen vereinbart.
Sehr positiv sieht auch Bürgermeister Dirk Becker die Pläne der Investoren. „Ein Gesundheitszentrum des Kreises Lippe bedeutet einen echten Mehrwert für unsere Stadt", sagten Vor dem Hintergrund des jahrelangen Stillstands und der unendlichen Diskussionen um die Nutzung von Gebäuden und Park „hätte die Entwicklung nicht besser laufen können." Auch der Weber-Park sollte nach seiner Meinung dann wieder öffentlich zugänglich sein.
Während der Sitzung des Hauptausschusses stellten Günter Weigel und Dieter Brechmann den Kommunalpolitikern das Projekt vor. Dieter Brechmann bekannte dabei: „Zuerst war mir das Projekt etwas zu groß. Dann spaziert man durch den Park und wird von der Magie des Ortes eingefangen. Die Gebäude wirken auf jeden, der dort hinkommt." Zum eigentlichen Ausbau könne er noch nicht viel sagen, es werde aber beim Ceweco-Haus auf eine Entkernung hinauslaufen, weil das Gebäude nicht mehr im Original erhalten sei. Anbauten und räumliche Veränderungen ließen sich mit heutigen Brandschutzvorschriften nicht mehr in Einklang bringen.
Das Ceweco-Haus ist nicht das erste denkmalgeschützte Gebäude, mit dem sich Brechmann befasst. „Wir wissen, was wir tun", sagte er und ließ damit an seiner Kompetenz keinen Zweifel.
Bürgermeister Dirk Becker sprach von „einer hervorragenden Sache für Oerlinghausen. Schön, dass die vielen Gespräche zu diesem Ergebnis geführt haben". Michael Smolnik (CDU) wollte wissen, wann die Umbaumaßnahmen beendet sein würden. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte Brechmann sich nicht festlegen lassen. Er rechne mit den ersten Bezügen aber Anfang des Jahres 2020.