Heißmangel Cerulla

Geschäfte mit Geschichte (4)

 

[Bild: Bei der Arbeit: Birgit Cerulla (1.) und Mitarbeiterin Ursula Jürgensmeyer vor der alten Heißmangel, die schon Ende der 60er Jahre von Erna Respa angeschafft worden ist. Mittlerweile wird das Geschäft in der dritten Generation geführt. Eigentümer ist heute der Enkel Henner Cerulla. | © Foto: Karin Prignitz]

Oerlinghausen. Das waren noch Zeiten. Als Erna Respa Mitte der 60er Jahre die Heißmangel morgens zeitig mit Hilfe von Briketts aufheizen musste. 1968 war Schluss damit. Die damals neu angeschaffte Muldenmangel mit ihrer 180 Zentimeter breiten Arbeitsfläche ist noch heute in Betrieb. Was vorne zerknittert hineingeschoben wird, kommt hinten ohne eine einzige Falte wieder heraus.

Ein Luxus, der in den 50er und 60er Jahren längst nicht selbstverständlich war. „Damals hatten bei Weitem noch nicht alle Haushalte eine Waschmaschine“, erzählt Birgit Cerulla (51) von der naheliegenden Entscheidung, Bett-, Tisch- und andere Wäsche zum Waschen und Glätten in die Waschanstalt zu bringen. Mit einer solchen machte sich die Oma ihres Mannes Henner selbstständig. 1968 eröffnete sie die „Heißmangel und Wäscherei Respa“ an der Hauptstraße 27 (heute Adams Bringdienst) gegenüber vom Wäschegeschäft Altenbernd. Ab 1980 betrieb sie sie gemeinsam mit ihrer Tochter Ilse Cerulla, die das Geschäft zwei Jahre später übernahm.

Schon ein Jahr zuvor war eine Wäscheannahmestelle in Kachtenhausen eröffnet worden. Sie blieb bestehen. Auch nach dem Umzug der Heißmangel in das Ceweco-Gebäude an der Detmolder 6 -10 im Jahr 1986. Weiße Bettwäsche, die in kaum einer Aussteuer fehlte, war der Klassiker. „Heute kommt sie langsam wieder“, bestätigt Birgit Cerulla. Einige lassen sie sogar noch stärken. Tischwäsche, Schürzen, Geschirrtücher, Gardinen oder auch T-Shirts werden durch die Mangel gezogen und Hemden gebügelt. „Bei 180 Grad sind sie dann auch gleich desinfiziert“, nennt Birgit Cerulla, die die Heißmangel seit 2011 mit ihrem Mann Henner in dritter Generation fortführt, einen positiven Nebeneffekt.

17 Jahre lang unterstützte Mitarbeiterin Christa Albrink das Team beim Mangeln, Bügeln und Stärken. Ebenfalls seit 17 Jahren ist mittlerweile Ursula Jürgensmeyer dabei. Allein wegen der Größe von Bettbezügen oder mancher Tischdecke „muss man beim Mangeln wenigstens zu zweit sein“. Morgens wird die vorbeigebrachte Wäsche von Knittern befreit, nachmittags herausgegeben und neue entgegengenommen. Auch das Vorbereiten gehört dazu. „Jedes Stück wird vorher eingesprengt“, erzählt Ursula Jürgensmeyer vom routinierten Umgang mit der Wäsche. Der Wäschesprenger ist noch von der alten Sorte. Und er bewährt sich nach wie vor. „So etwas“, sagt Birgit Cerulla, „gibt es heute gar nicht mehr.“

Wenigstens zwei Stunden sollte die eingesprengte Wäsche liegen, „am besten aber über Nacht, damit sich die Feuchtigkeit gleichmäßig verteilt“, und das Ergebnis optimal ist. Mitarbeiterin Edeltraud Bartholdus ist die Fachfrau auf dem Gebiet. „Viele lieben und schätzen geglättete Bett- und Tischwäsche“, weiß Birgit Cerulla um die Vorlieben ihrer Kunden. Für die älteren von ihnen, die es nicht mehr schaffen, alleine zu kommen oder jemanden zu schicken, bietet die Heißmangel einen besonderen Service an. „Wir holten die Wäsche ab und bringen sie wieder zurück“.