Genug Steine für eine Großstadt wie Bielefeld

Hartsteinwerke feiern 75jähriges Bestehen:

 

Bielefeld-Brackwede (pivo). Ein renommiertes Brackweder Unternehmen feiert in diesen Tagen sein 75jähriges Bestehen: die Bielefelder Hartsteinwerke Ernst Haßler GmbH & Co. KG. Zwar haben die „BHW“, so das offizielle Firmenkürzel, Ihre Produktion Inzwischen fast vollständig nach Oerlinghausen verlagert, der Sitz des Unternehmens Ist jedoch nach wie vor in Brackwede.

Ende 1984 mußte das hiesige Werk als Folge einer Überkapazität auf dem Bausektor und einer fehlenden Rohstoffbasis geschlossen werden. Der Grund für die Schließung und die damit verbundene endgültige Verlagerung nach Oerlinghausen bestand darin, daß der Regierungspräsident eine erweiterte Sandabgrabung im Patthorster Gebiet nicht genehmigte, wie BHW-Inhaberin Karola Haßler gegenüber der NW erläuterte. Auf dem Firmengelände in Brackwede wurde schon seit 1952 kein Sand mehr abgebaut. Man wich daraufhin zunächst für einige Jahre an den oberen Senner Hellweg und Ende der 50er Jahre auf das Oerlinghauser Gelände am Fuße des Teutoburger Waldes aus. Später kam dann unter anderem noch das erwähnte Gebiet in der Patthorst dazu.

Die Produktpalette der BHW umfaßt heute 30 verschiedene Steinsorten. Durchschnittlich drei Millionen Stück verlassen das Werk-pro Monat. Die Kapazitäten reichen für eine Produktion von 50 Millionen Stück pro Jahr. Der Verkauf der Kalksandsteine erfolgt über das Kalksandsteinkontor Westfalen-Lippe GmbH Bielefeld. Gut 30 Mitarbeiter werden zur Zeit benötigt. Früher, als die Automatisierung in dieser Branche noch nicht so weit fortgeschritten war und die Baukonjunktur besser lief, waren bei den Hartsteinwerken fünfmal so viel Arbeiter und Angestellte beschäftigt.

Wie hatte alles angefangen? Das Unternehmen wurde 1912 von Karl Dopheide in Brackwede gegründet. Mit der Zeit gelangte es zu einer beachtlichen Bedeutung in der Baustoffindustrie. Im Jahre 1929 trat Ernst Haßler, der Schwiegervater der heutigen Inhaberin, in die Hartsteinwerke ein. Der gebürtige Hamburger war zuvor über 25 Jahre als Exportkaufmann für Kaffee in Chile tätig gewesen. Sein ungewöhnlicher Branchenwechsel tat dem Unternehmen gut. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb er mit seinen Kindern den gesamten Betrieb. 1953 übernahm sein Sohn Ernst-Jürgen Haßler die Verantwortung. Er, der nebenher viele Jahre für die FDP im Rat der Stadt Brackwede saß, verstarb 1978 im Alter von 53 Jahren. Seit dieser Zeit liegt die Geschäftsführung in den Händen seiner Frau Karola.

Als Ernst-Jürgen Haßler aus dem Leben schied, hatten die BHW gut zwei Milliarden Kalksandsteine verkauft. Inzwischen wurden noch einmal rund 400 Millionen ,,zugelegt". Auf rund 2,4 Milliarden schätzt Karola Haßler die Gesamtproduktion in den 75 Jahren und rechnet scherzhaft vor: „Das reicht aus, um eine Stadt wie Bielefeld aufzubauen."

[Bild: 75 Jahre alt ist die Planskizze des Brackweder Firmengebäudes, die die jetzige Inhaberin Karola Haßler hier zeigt.        Foto: Pieper]