Uralte Baumriesen erzählen Geschichten

NW veröffentlicht sie in einer kleinen Serie

 

 

Oerlinghausen/Leopoldshöhe.

„Holzgewächs mit ausgeprägtem Stamm und bevorzugtem Längenwachstum an den Spitzen des Sproßsystems." So definiert das Lexikon den „Baum". Es unterscheidet zwischen Kronen- und Wipfelbaum. Schopf- und Rosettenbaum. laubwerfendem und immergrünem Baum Schließlich zitiert das Lexikon die wissenschaftliche Feststellung, daß der Baum sich als „die überlegenste pflanzliche Lebensform" erwiesen hat und immer noch erweist.

Von einigen besonders respektablen Exemplaren dieser pflanzlichen Lebensform soll in den kommenden Tagen und Wochen in einer kleinen NW-Serie die Rede sein. Den ersten Teil drucken wir morgen ab Allen Bäumen, die wir für die Serie ausgesucht haben, ist gemeinsam. daß sie seit Jahrhunderten in Leopoldshöhe oder Oerlinghausen verwurzelt sind. Nichts konnte ihnen bislang den Garaus machen, selbst der saure Regen nicht (bis auf eine Ausnahme, auf die wir dann zu gegebener Zeit eingehen werden). Dennoch: Trotz ihres greisen Alters - oder gerade deshalb - werden die Baum-Methusaleme häufig übersehen und niemand weiß mit ihnen so recht etwas anzufangen. Was hat die Freiligrath-Eiche in Asemissen zum Beispiel mit dem berühmten deutschen Lyriker des 19. Jahrhunderts zu tun? Oder: Wie kommt die Femlinde nach Oerlinghausen?

Mit unseren „Baum-Geschichten“ - so der Titel der Serie - wollen wir nun diese und andere Informationslücken zu schließen versuchen. Jeder Baum erzählt eine Geschichte. die er natürlich nicht selbst geschrieben hat, sondern die von den Menschen geprägt wurde, die ihn im Laufe der Zeit umgaben.

„Er war ein ruhiger Baum, ein einfacher. in sich verschlossener Baum, der hier an seinem natürlichen Platz aus dem Boden wuchs und nichts weiter vollbracht und angerichtet hatte als hier zu stehen", hat der Schriftsteller Alfred Döblin einmal über einen Baum geschrieben. Dieses Zitat könnte man auch auf die ausgesuchten Leopoldshöher und Oerlinghauser Exemplare beziehen. Sie sind ebenfalls stumme Zeugen ihrer Zeit. Sie wuchsen und wurden älter, während sich ihre Umwelt veränderte und zu „Geschichte" gerann ...       

-pivo-

 

[Bild: Auch jeder Baumriese fängt klein an. Ob diese Mini-Eiche auf dem Leopoldshöher Friedhof allerdings jemals eine stattliche Größe erreichen wird. ..?            Foto: Pieper]