Naturdenkmal ist gebrochen

Gutsherr und Heimatforscher hoffen, dass die alte Femlinde wieder austreibt

 

[Bild: Auseinandergebrochen: Werner Höltke steht neben der Femlinde nahe dem Mausoleum in einem Waldstück von Barkhausen. Der Heimatforscher hofft, dass schon bald als dem alten Stamm neue Triebe sprießen mögen. (© Karin Prignitz)]

Oerlinghausen. Die Femlinde auf der großen Egge ist zerbrochen. Damit droht eines der ältesten Naturdenkmäler der Stadt zu verkümmern.

Wann genau es passiert ist, kann Hubertus von Daniels-Spangenberg gar nicht sagen. „Wohl in der Zeit, als es so stark gestürmt hat", vermutet der Gutsherr von Barkhausen. Auch einigen Spaziergängern dürfte bereits aufgefallen sein, dass die als Naturdenkmal geltende Femlinde auf der großen Egge nahe des Mausoleums auseinander gebrochen ist. Heimatfreund Werner Höltke hat ein Foto, auf dem die Linde im Jahr 1910 als stattlicher Baum zu sehen ist. „Er wird wohl im 18. Jahrhundert als Ableger der ersten Femlinde entstanden sein."

Der linke Teil des Baumes ragt schräg zur Seite, die rechte Seite liegt langgestreckt auf dem von Schnee und Regen erweichten Waldboden. Hubertus von Daniels-Spangenberg ist sich relativ sicher, dass der Baum wohl Übergewicht bekommen hat. Er will Kontakt mit dem Förster aufnehmen. Momentan geht er davon aus, „dass das, was noch da ist, stehen bleibt, der Rest zu Brennholz verarbeitet wird". Das Waldstück, in dem der Baum liegt, sei in Sachen Haftungspflicht aber nicht etwa mit dem Weberpark zu vergleichen. „Wer im Wald spazieren geht, tut es auf eigene Gefahr." Dennoch möchte er die Sicherheit gewährleisten. Deshalb soll ein Fachmann entscheiden, ob alles gefällt werden muss oder nicht. Danach soll der Natur ihr Lauf gelassen werden. Früher habe die Femlinde auf dem Hügel am Waldrand gestanden. „Sie war von weither zu sehen." Durch den in den 50er-Jahren entstandenen Fichtenwald habe sich das geändert. „Heute wird sie kaum noch wahrgenommen."

Werner Höltke hat recherchiert, dass „unter dem Vorgängerbaum, der nach dem Jahr 1500 dort stand, kleinere Vergehen wie Diebstähle verhandelt worden sind, wobei der jeweilige Frone (Richter) von Barkhausen das Urteil fällte". Bis etwa 1580 habe nicht Oerlinghausen den Richter gestellt, sondern Barkhausen. „Das galt so lange, bis die Vogtei nach Oerlinghausen verlegt wurde." Vorher habe Barkhausen die Gegend bestimmt. Rund um die Femlinde habe es immer einen Streifen unbebautes Land gegeben, „auf dem früher Gerichtsverhandlungen stattfanden und in den vergangenen Jahrzehnten manche Jagdgesellschaft, Forstarbeiter und Spaziergänger eine Pause eingelegt haben".

Mit dem Auseinanderbrechen der Femlinde sei wieder ein Stück Kultur verschwunden. Höltke hat ebenso wie der Gutsherr die Hoffnung, „dass sich aus den verbleibenden Trieben noch mal eine stattliche Linde entwickelt".