Alte Spuren und Zeugnisse geben Hinweise auf Denken der Menschen
Pfarrer Henke stellte Kunstschätze aus Bischof Meinwerks Zeit vor
Oerlinghausen (höf). Mit der Zeit Bischof Meinwerks, dem Oerlinghausen indirekt seine 950-Jahr-Feier zu verdanken hat, beschäftigte sich auch die zweite Veranstaltung der Vortragsreihe zum Jubeljahr im St.-Michaels-Gemeindehaus. Anhand von Dias vermittelte Pfarrer Karl Henke einen Eindruck von der Kirchenkunst der Zeit vor knapp 1000 Jahren. Wer die alten Spuren und Zeugnisse in Stein und Bild betrachte, erfahre auch etwas über das Denken der damaligen Menschen, meinte er.
Der Pfarrer zeigte verschiedene wichtige Strukturen des damaligen Bewußtseins auf: Die Menschen seien in ihrem Denken dem Kreuz verhaftet gewesen. Ein Bild des kostbaren edelsteinbesetzten Lotharkreuzes aus der Aachener Schatzkammer, im Schnittpunkt eine Miniatur des Kaisers Augustus, sei ebenso Ausdruck dieses Bewußtseins wie Bischof Meinwerks Planungen, an den Grenzen des damaligen Paderborn in allen vier Himmelsrichtungen Kirchen zu bauen, die die Stadt kreuzförmig überlagern sollten, während der Dom den Mittelpunkt bildete.
Das Gottesgnadentum der weltlichen Herrscher war eine weitere damalige Überzeugung, so Pfarrer Henke. Auf verschiedenen künstlerischen Darstellungen, die er zeigte, war zu sehen, wie Christus oder Gott die Krönung des Kaisers vornahm. Der Kaiser auf dem Thron - auf der einen Seite stützen ihn die Bischöfe, auf der anderen die Fürsten - ein Ausdruck der engen Verbindung zwischen Staat und Kirche in dieser Zeit, wobei sich der Kaiser als Oberhaupt und Stellvertreter Christi auf Erden sah.
Ein Barockbild, das Henke vorstellte, zeigt Bischof Meinwerk zusammen mit Heinrich II - zwei Freunde. Auch dies ein Zeichen für die enge Verbindung zwischen Kaiser und Kirche sowie eine Erinnerung an den Tag im März in Goslar in der Kaiserpfalz, an dem der Kaiser Meinwerk den Handschuh überreicht und sagte: „Nimm an!“ „Was?“ soll Meinwerk darauf gefragt haben und der Kaiser bot ihm das Bistum Paderborn an. Er könne aus seinem eigenen Vermögen ein größeres und prunkvolleres finanzieren, sei Meinwerks Antwort gewesen. „Gerade deshalb“, habe Heinrich daraufhin gesagt. Und Meinwerk nahm an, was letztendlich auch dazu führen sollte, daß er eines Tages das Vorwerk Orlinchusen in seine Stiftung eines Kollegiats zu Ehren des Petrus und des heiligen Andreas zu Paderborn einbezog.
Ausführlich ging Henke auch auf die Meinwerk zu verdankenden Bauten, wie den Paderborner Dom, das Abdinghofkloster mit Abdinghofkirche und die Busdorf- oder Jerusalemkirche ein.
Als eine weitere wichtige Zeitströmung stellte der Pfarrer die Reformbewegung der Mönche von Cluny dar, von der wohl auch die Mönche von Abdinghof beeinflußt waren. Sie erwarben später die Externsteine, ein von ihnen geschaffenes Relief erinnert noch an diese Zeit. Und, so Henke, ein enges Loch in der Wand könnte eine Einsiedlerzelle gewesen sein.
An dieser Stelle, meinte der Pfarrer, sei auch ein Bezug zu Oerlinghausen herstellbar. Auf dem Tönsberg an der Kapellenruine zeige sich etwas, daß haargenau in die Zeit Bischof Meinwerks passe: Nämlich die Verehrung des Kreuzes und das Einsiedlerwesen. Zwar liege es im Dunklen, wann dort am Kreuz die Einsiedlerzelle gebaut wurde, aber sicher sei der Tönsberg nach Antonius benannt - eine Verbindung zur Klause eines Einsiedlers vom Berg, wenn auch das Gemäuer weit jünger sei als 950 Jahre.
Einen Anspruch auf Vollständigkeit wolle er mit seinem Überblick über die Zeitzeugnisse Meinwerks, die auch Hildesheimer Kunstschätze seines Bischofskollegen Bernward miteinbezog, nicht erheben, meinte Pfarrer Henke zum Abschluß des Vortrages. Vielleicht hätte ja der eine oder andere Lust bekommen - mit dem beginnenden wärmeren Wetter - sich die wunderschönen Werke aus alter Zeit direkt vor sich anzuschauen.