Ein normales Leben ist hier einfach nicht mehr möglich
„Ruhiges Oerlinghausen“ schrieb an Minister, Holländer und Weber
Oerlinghausen (Piet). Die Bürgerinitiative „Ruhiges Oerlinghausen“ hat in einem Brief an den Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Christoph Zöpel, appelliert, die L 751 neu doch noch in den aktuellen Ausbauplan aufzunehmen. Klaus Biere, der ein entsprechendes Schreiben unterzeichnet hat, weist erneut auf die Dringlichkeit der Umgehung hin. Gleichzeitig erinnert er den Minister an den „Blitzbesuch am 19. Juni 1986“, als sich dieser habe selbst von der Belastung der Straße überzeugen können. „Rund 20 000 Fahrzeuge fahren Tag für Tag über diese Straße. Ein normales Leben ist hier nicht mehr möglich.“ Außerdem wird der Minister eingeladen, nach Oerlinghausen zu kommen, um sich mit der Bürgerinitiative zu unterhalten.
In einem weiteren Brief an den Landesverbandsvorsteher Helmut Holländer hatte Biere verwundert festgestellt, daß gerade unter seiner Federführung in Münster diese Straße in den letzten fünf Jahren nicht verwirklicht werden soll, ja möglicherweise nie gebaut wird". Weiter heißt es in dem Brief: „Ich gehe davon aus, daß Sie die Sorgen und Probleme der Anlieger der inneren Entlastungsstraße in Oerlinghausen nicht kennen und daher Ihre Entscheidung aus Unkenntnis gefallen ist." Holländer bedauerte inzwischen in seinem Antwortschreiben an die Bürgerinitiative, daß „die Entscheidung gegen die Ortsumgehung L 751 neu gefallen ist". Er verwies darauf, daß jährlich für den westfälischen Bereich nur 75 Millionen Mark zur Verfügung stünden, die Umgehung Oerlinghausens allerdings allein 38 Millionen Mark kosten werde, so daß eine Berücksichtigung im Ausbauplan aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen sei. Wörtlich heißt es weiter in dem Brief des Vorsitzenden des Straßen- und Hochbauausschusses: „Aus der Sicht der Kommission und des Straßenausschusses gibt es dafür (die Aufnahme der L751 neu in den Ausbauplan) keine realistische Chance.“
Ein weiterer Brief der Initiative ist an Martin Weber, den Sprecher der SPD-Fraktion, gerichtet. Darin warnt Klaus Biere, der selbst der SPD angehört, vor dem politischen Schaden, der für die Sozialdemokraten entstehen könnte. Wörtlich heißt es: „Im Bereich der innerstädtischen Entlastungsstraße wird die SPD ihre unzuverlässige Politik zu spüren bekommen. Bedauerlich ist, daß gerade unsere Genossen in Münster und Düsseldorf diese Entscheidung herbeigeführt haben." Um den Anwohnern der innerstädtischen Entlastungsstraße kurzfristig und glaubwürdig zu helfen, müßten sich die Fraktionen noch einmal eingehend mit diesem Thema beschäftigen und Sofortmaßnahmen erarbeiten. An erster Stelle müsse die Möglichkeit gesetzt werden, die Häuser und Grundstücke an die Stadt oder das Land zu verkaufen. Wer nicht verkaufen wolle, dem müsse ein umfassender Ausgleich an Wertminderung gezahlt werden. Für die Bereiche Steinbült, Robert-Koch-Straße, Holter Straße und Wehrenteich fordert Biere Lärmschutzwände. Außerdem müsse der Schwerlastverkehr, und hier bezieht er sich auf neue EG-Bestimmungen, aus der Straße herausgehalten werden. Gleichzeitig wird ein Rückbau als innerstädtische Entlastungsstraße vorgeschlagen und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h. „Es wird höchste Zeit, den Menschen zu helfen“, heißt es in dem Brief abschließend, der die Anregung enthält, ähnlich wie beim Problemkomplex Fernheizwerk, einen Arbeitskreis zu bilden.